Dieser und ein weiterer Blitzer an der B 27 haben den Ärger ausgelöst. Foto: Horst Haas

Nachdem mit den Blitzern an der B 27 einiges schiefgegangen ist, müssen jetzt wenigstens die Einsprüche sauber abgearbeitet werden, meint Thomas Faltin.

Reutlingen - Da ist etwas gehörig schiefgegangen mit den Blitzern an der B 27: Zuerst lösen die Geräte monatelang im Minutentakt aus, das Landratsamt Reutlingen muss ein externes Büro anheuern; nun droht das Amtsgericht mit Einsprüchen überschwemmt zu werden. In normalen Jahren werden dort 600 Einsprüche verhandelt, 2019 womöglich einige Tausend.

Der Urfehler lag in einer sicher nicht absichtlichen, aber letztlich doch falschen Bewertung der Situation durch das Landratsamt: Man konnte sich dort nicht vorstellen, dass die Autofahrer zwischen den beiden Baustellenteilen wieder Gas geben, trotz mehrerer Schilder. Aber so war es: Die meisten wollten gar nicht zu schnell fahren, sondern glaubten wirklich, die Baustelle sei vorüber; da spielt das unterbewusste Wahrnehmen der wieder breiten Straße eine große Rolle. Doch als die Fotoflut anhielt, hat die Behörde nicht reagiert, etwa mit großen Hinweisschildern. War das wirklich nicht möglich, wie es heißt?

Jedenfalls ist ein riesiger bundesweiter Imageschaden entstanden, den auch die Millioneneinnahmen kaum kompensieren können. Doch jetzt bleibt nichts anderes übrig, als die Sache bis zum bitteren Ende durchzuziehen, sprich, es müssen alle Einsprüche sauber abgearbeitet werden, auch wenn das Land dafür weitere Richterstellen in Reutlingen schaffen muss. Denn sonst entschiede der Zufall, wer zahlen muss und wer Glück mit der Verjährung hat – das wäre fatal für die Verkehrsmoral.

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