Der Vorsitzende Johannes Häcker (l.) und das Gründungsmitglied Herbert Braun. Foto: Leonie Hemminger

Mit 180 Mitgliedern gehört der SV Wolfbusch zu den größten Schachvereinen in ganz Deutschland. Die Damen spielen derzeit in der ersten Bundesliga.

Weilimdorf - Der erste Zug, um einen Schachverein zu gründen, bestand zunächst darin, genügend Leute zusammenzutrommeln. Mit Handzetteln und einer Zeitungsannonce suchte der Wolfbusch-Bewohner August Laubacher im Jahr 1956 nach Gleichgesinnten, die ebenfalls dem Spiel der Könige verfallen waren. „Ich habe mich gemeldet“, erzählt Herbert Braun rückblickend. Und tatsächlich gehörte er wenig später zu den Gründungsmitgliedern des noch im selben Jahr aus der Taufe gehobenen Schachvereins SV Wolfbusch.

Zwischen sechs und acht Spieler trafen sich anfangs regelmäßig in der damaligen Gaststätte Wolfbusch am Hubertusplatz. „Das war kurios, weil wir keine einheitlichen Schachspiele hatten, sondern jeder seine eigenen, zum Teil sogar selbst geschnitzten Figuren und Bretter mitgebracht hat“, erinnert sich Braun. Manche hätten gar keine Ausrüstung besessen, so dass die Spieler warten mussten, bis ein Brett frei wurde. Nach und nach sammelten die Mitglieder Geld, um genormte und ausreichend Spiele zu kaufen.

Noch im Gründungsjahr wuchs der „kleine Vorstadt-Schachclub“, wie Braun ihn bezeichnet, auf 30 Mitglieder an. Im Jahr darauf, 1957, wurde das erste Vereinsturnier ausgetragen. Bis heute findet es einmal im Jahr statt, um einen Vereinsmeister zu küren. Innerhalb der nächsten acht Jahre spielten sich die Wolfbuscher Schachspieler von der untersten Liga, der so genannten B-Klasse, hinauf in die Oberliga. Bevor die Bundesliga eingeführt wurde, war dies das höchste Klassement. Im Jahr 1978 errang die erste Mannschaft den baden-württembergischen Meistertitel und stieg daraufhin in die 2. Bundesliga auf. Dort hielten sich die Wolfbuscher bis 1991. „Doch nach der Wiedervereinigung kamen sehr starke Vereine aus den neuen Bundesländern hinzu. Das hat es uns schwer gemacht“, erklärt der Vorsitzende Johannes Häcker. Zurzeit spielt das beste von sechs gemischten Teams in der Verbandsliga.

Die Damen sind das Aushängeschild

Höherklassig tritt hingegen die reine Damenmannschaft an. „Sie ist seit Jahren unser Aushängeschild“, sagt Häcker anerkennend. Als einzige baden-württembergische Mannschaft gehörten die Frauen seit 1991 zur 2. Bundesliga. Aktuell treten sie in der 1. Bundesliga an, werden aber laut Häcker voraussichtlich wieder absteigen. „Das liegt daran, dass wir strikt den Amateurgedanken vertreten“, erklärt der 71-Jährige. „Wir kaufen keine Spieler ein, sondern wollen unseren Nachwuchs im Wesentlichen aus den eigenen Reihen rekrutieren.“ Andere Vereine würden hingegen Berufsspieler bezahlen, die nur zu den Wettkämpfen anreisen und sich ansonsten kaum mit dem Verein identifizieren. „Das tut einem Verein auf Dauer nicht gut“, meint Häcker. Nachwuchsprobleme hat der Wolfbuscher Verein wahrlich nicht: Mit 180 Mitgliedern gehört der SV Wolfbusch zu den größten Vereinen im Deutschen Schachbund. Die Hälfte der Mitglieder ist unter 20 Jahre alt.

Die Jugendausbildung wurde im SV Wolfbusch ab Mitte der 1980er Jahre stark vorangetrieben. Die Frau des heutigen Vorsitzenden, Gabriele Häcker, baute die Jugendabteilung auf und leitet sie bis heute. Mit sechs Mannschaften gehört sie bundesweit zu den größten. Auch mit Schulen und Kindergärten kooperiert der Verein. Der Gewinn für die Mädchen und Buben ist dabei ganz vielschichtig. Zum einen lernen sie zu verlieren und fair miteinander umzugehen. „Viele Kinder sind hypernervös. Am Brett müssen sie sich hinsetzen und konzentrieren“, sagt Braun. Auch das Durchhaltevermögen, sich einem Problem zu stellen und es zu lösen, bringe sowohl Kinder als auch Erwachsene weiter. „Außerdem ist es ein Spiel, das nach ganz bestimmten Regeln geht. Es gibt nichts zu täuschen oder zu tarnen“, so Braun. Leicht unterschätzt werde die körperliche Anstrengung des Schachsports. „Eine Partie kann bis zu acht Stunden dauern. Gerade in der Schlussphase steht man unter so hoher Anspannung, dass es einen auch körperlich fordert.“ Er selbst verliere bei jedem Spiel an Gewicht.

Was Häcker am Schachspiel am meisten begeistert, ist die geistige Herausforderung. „Es geht darum, jemanden durch eine bessere geistige Leistung zu besiegen“, sagt er. Neben mathematischen Fähigkeiten sei aber auch Kreativität gefordert. Für das Team­gefühl sei schön, dass nicht immer der gleiche der Beste sei, „denn die Leistung eines Spielers ist immer auch von dem Gegner abhängig.“

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