6000 Fahrzeuge passieren täglich den Überweg der Weilimdorfer Straße im Stadtteil Korntal. Foto: factum/Granville

Die Straßenbrücke Weilimdorfer Straße über die Gleise westlich des Korntaler Bahnhofs und die Südstraße wird wohl noch dieses Jahr saniert. Autofahrer müssen sich auf Beeinträchtigungen und Umwege einstellen.

Korntal-Münchingen - Die Bereichsleiterin für Hoch- und Tiefbau von Korntal-Münchingen findet in der jüngsten Gemeinderatssitzung klare Worte: „Wir müssen die Brücke Weilimdorfer Straße dringend sanieren, um weitere Schäden zu vermeiden.“ Mit „weitere Schäden“ meint Sonja Widmann, dass das Bauwerk andernfalls Stück für Stück nachgibt, sodass es einzustürzen droht. „Aus Sicherheitsgründen“ müsse die Kommune also etwas tun, zumal sie sonst die fast 80 Jahre alte Stahlbrücke regelmäßig aufwändig kontrollieren und für eine neue Brücke mehr als 1,5 Millionen Euro zahlen müsste.

Daher wird die Straßenbrücke, die über die Gleise westlich des Korntaler Bahnhofs und die Südstraße führt, so instandgesetzt und verstärkt, dass sie weitere 75 Jahre befahrbar bleibt. Für die Bauarbeiten muss der Überweg aber komplett gesperrt werden – was für Autofahrer spürbare Beeinträchtigungen und größere Umwege bedeutet. Täglich fahren laut Widmann rund 6000 Fahrzeuge über die Brücke, die die Zufahrt von Stuttgart-Weilimdorf ist. Trotzdem befürchtet Widmann weder ein Verkehrschaos noch einen -kollaps. „Der Verkehr wird sich verteilen, vor allem über die Südstraße und die Stettiner Straße“, meint sie. Zuletzt wurde die Brücke im Jahr 2010 für knapp 200 000 Euro saniert. Die Sperrung damals war zwar kürzer, habe aber keine gravierenden Folgen gehabt. Der Bahnverkehr läuft wie gewohnt weiter.

Salze fressen sich durch die Brücke

Etwa sechs Monate dauern die Bauarbeiten voraussichtlich. Die Mängelliste ist lang. Unter anderem fehlen unter dem Straßenbelag teilweise Dichtungen, weshalb Feuchtigkeit in die Konstruktion dringt. Das Tragwerk korrodiert, weil durch die rissige Fahrbahndecke Chloride eingedrungen sind. Die Salze der Chlorwasserstoffsäure fressen Löcher und die Chloridwerte in der Brücke liegen bis zum Vierfachen über dem zulässigen Wert. Der Stoff steckt zum Beispiel im Streusalz. Der Konstruktionsbeton der Fahrbahntafel – die Unterlage für die eigentliche Brückendecke – weist stellenweise nicht die nötige Druckfestigkeit auf.

Wann die Bauarbeiter anrücken, ist noch unklar, der Start dürfte aber noch dieses Jahr sein. „Wir benötigen erst noch eine Genehmigung der Bahn, weil wir im Bahnbereich Gerüste aufstellen“, sagt Sonja Widmann. Außerdem will die Stadt die Sanierungskosten von 560 000 Euro durch eine Förderung des Landes für sich im besten Fall halbieren. Für die Sanierung von Brücken stellt das Land bis zum Jahr 2019 insgesamt 84 Millionen Euro aus dem kommunalen Sanierungsfonds zur Verfügung. Bis Mitte April muss Korntal-Münchingen dafür den Förderantrag beim Stuttgarter Regierungspräsidium eingereicht haben.

Die Korntaler Brücke ist nicht das einzige marode Bauwerk im Kreis

Die Korntaler Straßenbrücke ist nicht das einzige marode Bauwerk im Landkreis. Die Gumpenbachbrücke von 1954 auf der B 27 in Kornwestheim etwa ist seit Jahren nur eingeschränkt nutzbar. Seit 2010 massive Schäden entdeckt wurden, ist dort maximal Tempo 60 erlaubt, Lastwagen dürfen nicht überholen. Neu gebaut wird die Brücke drei Jahre lang von Herbst an für rund zwölf Millionen Euro. Die Brücke in Ditzingen, auf der die A 81 über die B 295 verläuft, wurde erst im Oktober erneuert.

Nach der Sanierung der Korntaler Straßenbrücke ist der Fußgängersteg am Korntaler Bahnhof dran. Der Überweg aus dem Jahr 1978 wurde ebenfalls 2010 zuletzt saniert, im Zuge der Sanierung der Straßenbrücke. Sonja Widmann vom städtischen Hoch- und Tiefbau rechnet mit „kleineren Arbeiten".

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