Die Salacher haben großes Interesse an einem Bürgerpark. Bei einem Infomarkt konnten sie Wünsche äußern. Foto: Michael Steinert

Bei einem Infomarkt im Rathaus werfen Bürger ihre Anregungen für die Freifläche vis-à-vis des Schachenmayr-Areals in die Diskussion. Die Vorschläge sollen nun sondiert und Grundlage für einen Architektenwettbewerb werden.

Salach - Bürgerpark – diese Bezeichnung schmeckt den Bürgern von Salach nicht besonders. Dieser Name stifte keine Identität, monierten sie bei einem Infomarkt über die Zukunft eben jener Freifläche in der Nähe der Ortsmitte. Doch generell konnten sie dieser Idee viel abgewinnen. 45 Salacherinnen und Salacher waren am Samstagnachmittag ins Rathaus gekommen, um sich über die Pläne für die sogenannten Krautländer vis-à-vis des Schachenmayr-Areals zu informieren und ihre Ideen in die Diskussion zu werfen. Die Liste der Vorschläge ist lang geworden. Sie sollen in die Planung einfließen und den Architekten als Grundlage dienen. Avisiert ist in Zusammenarbeit mit der Internationalen Bauausstellung (IBA) ein Architektenwettbewerb für die Freifläche und das in der Nachbarschaft geplante Mehrgenerationenhaus mit Kindertagesstätte. „Das ist eine Riesenchance“, sagt der Bürgermeister Julian Stipp.

Knapp 9000 Quadratmeter Fläche

Die früheren Kleingärten, die nun im Besitz der Gemeinde sind, kümmern seit Jahren vor sich hin. Nur ein paar alte blaue Tonnen bringen ein wenig Farbe in die graue Tristesse. An diesem Platz also soll der Park entstehen, ein Ort der Begegnung für alle Generationen und Nationen, wie es die Hauptamtsleiterin Gabriele Dory formulierte. „Die Fläche ist aber klein!“ Die Enttäuschung darüber war den Teilnehmern des Infomarktes anzuhören, die das Gelände vor dem großen Brainstorming im Rathaus in Augenschein nahmen. Sie hatten sich die Freifläche größer vorgestellt. Doch auf dem 135 Meter langen und 70 Meter breiten Areal sind knapp zwei Drittel der Fläche für ein Mehrgenerationenhaus und eine Kindertagesstätte reserviert. Eine Forderung der Bürger ist es deshalb, möglichst wenig Zäune aufzustellen und die Freifläche des Kindergartens bei größeren Veranstaltungen zu öffnen.

Dass die geplanten Gebäude, deren genauer Standort auf der knapp 9000 Quadratmeter umfassenden Fläche noch nicht festgelegt ist, so viel Platz in Anspruch nehmen, liege daran, dass die Räume mit Blick auf die demografische Entwicklung ebenerdig zugänglich sein sollten, erläuterte Jan Currle von der Kommunalentwicklung in Stuttgart, der an diesem Nachmittag als Lotse fungierte. Er begleitet dieses Projekt, dessen Konzept bei dem Landeswettbewerb „Quartier 2020“ des Sozialministeriums prämiert und mit 80 000 Euro bedacht wurde.

Park soll sozialer Dreh- und Angelpunkt sein

Trotz der beschränkten Fläche sprudelten die Ideen der Bürger nur so. Gewünscht werden nicht nur ein Trinkbrunnen, ein Musikpavillon, ein Abenteuerspielplatz und Fitnessgeräte für die verschiedenen Generationen. Auch viel Grün zum „Bespielen“, eine Grillstelle, „Urban gardening“ und ein grünes Trauzimmer könnten dem geplanten Park Leben einhauchen.

Der Bürgerpark und das Mehrgenerationenhaus sind eng mit den Plänen der Gemeinde verknüpft, bis zum Jahr 2025 auf dem südlich der Bahnlinie und der Krautländer angrenzenden Spinnerei-Areal kostengünstigen Wohnraum und alternative Wohnformen für bis zu 800 Menschen zu schaffen. Die Neubürger, die dort einziehen, sollen von Anfang an in das örtliche Leben eingebunden werden. Entsprechend sollen der Bürgerpark und der Mehrgenerationentreff der soziale Dreh- und Angelpunkt der Gemeinde sein und die bereits bestehenden Wohnviertel und das geplante Wohnquartier auf dem Schachenmayr-Areal an die Ortsmitte anbinden. Ein ehrgeiziges und ein spannendes Projekt, wie Stipp findet. „Würden tatsächlich 800 Menschen dort hinziehen, würde dies einem Bevölkerungszuwachs von zehn Prozent entsprechen. Das ist enorm.“

Noch vor dem Ende der Veranstaltung zog der Bürgermeister eine Bilanz der Ideesammlung. Erstaunlich fand er, dass der Name Bürgerpark umstritten ist. Damit hatte er nicht gerechnet. Außerdem sei ihm klar geworden, dass die Interessen der verschiedenen Generationen auseinandergingen. „Es wird eine spannende Frage, wie man das zusammenbringt.“

Quartier mit „phänomenalem Potenzial“

Das Quartier Mühlkanal besteht aus dem Schachenmayr-Areal und den sich nördlich daran anschließenden Krautländern. Bis in sechs, sieben Jahren sollen hinter den drei denkmalgeschützten Fabrikhallen der ehemaligen Spinnerei Wohnungen für 400 bis 800 Menschen entstehen. Gedacht ist an kostengünstigen Wohnraum und inklusive Wohnkonzepte. Die Fabrikgebäude aus der Gründerzeit sollen für Wohnen und Arbeiten genutzt werden. Auf den Krautländern sind ein Mehrgenerationenhaus und ein Bürgerpark geplant. Sie sollen Orte der Begegnung für alle Salacher sein. Ein Architektenwettbewerb für die Krautländer soll in Kürze ausgeschrieben werden.


Die Sozialwissenschaftlerin Irmgard Ehlers ist mit der Koordination des Quartiers betraut. Sie möchte mit ihrer Arbeit die Menschen zusammenbringen und dadurch zu einer „sorgenden Gemeinschaft“ beitragen. Ehlers ist Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Bad Boll mit den Arbeitsschwerpunkten Kommunale Kommunikation, Bürgerbeteiligung und demografischer Wandel.

Die Internationale Bauausstellung (IBA) hat dem Quartier Mühlkanal ein „phämenales Potenzial“ attestiert, wie der Bürgermeister Julian Stipp sagt. Der Gemeinde hat eine Zusammenarbeit mit der IBA in Aussicht gestellt.

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