Zocken, was das Zeug hält – und ab und zu ein Nickerchen Foto: Horst Rudel

400 Zocker aus ganz Deutschland kommen am Wochenende zur Lan-Party in die Stauferlandhalle.

Salach - Achtung! Schlafende Zocker! Wer die Lan-Party in Salach besucht, muss aufpassen, nicht über schlafende Menschen zu stolpern. Nach dem ersten Nachmittag und der ersten Nacht mit Computerspielen liegen erschöpfte Zocker auf Luftmatratzen zwischen den engen Tischreihen. Dass immer wieder jemand über sie drübersteigt, stört sie nicht, laut ist es in der abgedunkelten Halle sowieso nicht. Hier wird gespielt, das erfordert Konzentration und Ruhe.

Groß, aber fein, lautet die Devise des Lan-Party-Team Salach (LTPS). Der Erfolg gibt den Organisatoren recht. Ihre Lan-Party zählt zu den größten im süddeutschen Raum zählt. Seit zwölf Jahren schon pilgern Zocker aus ganz Deutschland und auch der Schweiz in das 7900 Einwohner große Salach, um sich ein Wochenende lang mit anderen in den verschiedensten Computerspielen zu messen und vor allem Spaß zu haben. 400 Teilnehmer, die überwiegende Mehrheit Männer im Alter von 25 bis 35 Jahren, sind diesmal mit ihren Computern angereist. An ihren Plätzen haben sie Maskottchen drapiert, einer sogar eine aufblasbare Gummipuppe. Die Tastaturen sind umgeben von Sprudelflaschen, Tüten mit Erdnüssen oder Chips – Nahrung für das Gehirn.

Treffpunkt Lan-Party

Damit den Zockern der Saft nicht ausgeht, überwachen Frank Steiner und sein Team die High-Tech-Anlage, die sich etwas abseits in der sogenannten heiligen Halle verbirgt, die aber nichts anderes als ein größerer Abstellraum ist. Steiner ist von Beruf Systemberater und mit 55 Jahren aus dem Zockeralter heraus. Dafür entzündet sich seine Leidenschaft umso mehr an Gigabits. Sein Baby ist ein etwa 1,60 Meter hoher Turm, in dem 134 Computersysteme untergebracht sind, die sich zu einer großen Festplatte verbinden. Das Rechenzentrum eines mittelständischen Unternehmens sei nicht größer, erklärt Steiner, der in Salach seit neun Jahren mitmacht. „Das ist High Tech vom Feinsten.“ Die besondere Herausforderung bei der Lan-Party sei, diese ganze Anlage innerhalb von drei, vier Tagen zu installieren. „Das ist unglaublich anstrengend.“ Hin und wieder zockt Steiner mit. Er sei aber nicht besonders gut, sagt er und grinst. „Ich bin meistens nur Opfer.“

Ein versierter Zocker ist dagegen Andreas aus Südhessen. Der Sozialpädagoge hat früher in seinen Hochphasen sechs Turniere auf einmal gespielt. „Heute lasse ich es relaxter angehen“, sagt der 28-Jährige. So habe er die Nacht auch nicht auf einer Isomatte unter dem Tisch verbracht, sondern in der sogenannten Schlafhalle auf einer komfortablen Luftmatratze. Nun sitzt er neben Richard, einem Informatikstudent aus Karlsruhe, mit dem er sich mittlerweile angefreundet hat. Mehrmals im Jahr treffen sich die beiden auf Lan-Partys. In Salach genießen sie die familiäre Atmosphäre – und die schwäbische Küche. Die Lan-Partys in der Stauferlandhalle sind bekannt für ihr Catering, ein Verdienst der Salacher Landfrauen.

Ein halbes Jahr Vorlaufzeit

Mittlerweile ist auch Bernd Weber nach einer Pause wieder in der Stauferlandhalle aufgetaucht. Der 33-Jährige ist der Vorsitzende des Lan-Party-Teams. Von Freitagnachmittag war er bis Samstag um 8 Uhr an Bord. Allerdings nicht, um zu spielen. Er sah nach dem Rechten, besorgte Getränke und räumte auf. Ihn und seine Mitstreiter treibt der Ehrgeiz, diese Veranstaltung, die jährlich am ersten Januar-Wochenende stattfindet, auf die Beine zu stellen. Ein halbes Jahr Vorlaufzeit brauche es, um alles zu organisieren, erzählt er. Es gehe auch beileibe nicht nur darum zu zocken. „Hier treffen sich Leute mit den gleichen Interessen, um eine schöne Zeit zu haben.“ Im Übrigen habe sein Verein mehr zu bieten als nur Lan-Partys. „Wir machen auch Erwachsenen- und Jugendbildung im Bereich EDV“, sagt er. Schon bald wolle das Team Flüchtlingen Computerkenntnisse vermitteln.

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