Die Haltestelle liegt zwischen zwei engen Kurven. Foto: Kathrin Wesely/Kathrin Wesely

Die SSB will bei der U1 längere Züge einsetzen, um mehr Leute transportieren zu können. Dafür müssen Haltstelle umgebaut werden. Das ist zwar aufwendig, aber technisch kein Problem – außer in Heslach. Der Bihlplatz entpuppt sich als Schwachstelle.

Stuttgart - Das Stadtbahnsystem brummt“, so Volker Christiani, Leiter des Stabsbereichs Planung bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB). Fahrgastzahlen steigen seit Jahren. Aktuell zählt die SSB 616 700 Fahrgäste pro Tag. Daher, so der Experte in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats Süd, habe man das Quersystem der Linien schon vor längerem verstärkt. Künftig sollen auch entlang der Längsverbindungen 80 Meter lange Züge verkehren, insbesondere die häufig überfüllte Linie U1 soll entlastet werden. Die Bahnsteige auf dem Abschnitt Fellbach bis Vogelrain sollen verlängert werden, um Züge von 80 Metern Länge einzusetzen. Der Bedarf auf dem hinteren Abschnitt Vogelrain bis Vaihingen ist geringer, hier sollen die 40-Meter-Züge der U14 verkehren.

Mit der U1 auf dem Spaghetti-Gleis

Für längere Züge braucht es längere Bahnsteige. Die unterirdischen Bahnsteige reichen mit ihren ohnehin schon 120 Metern aus. Aber einige Hochbahnsteige müssen verlängert werden – vier in Fellbach, fünf in Bad Cannstatt und drei in Heslach. Bei den meisten oberirdischen Haltestellen ist das ohne weiteres machbar, wie das Beispiel Cannstatter Wilhelmsplatz zeigt. SSB-Planer Christiani erläuterte knapp, wie der Schoettle-Platz und der Südheimer Platz umgebaut werden. Als tückisch erweist sich jedoch die Haltestelle am Bihlplatz stadteinwärts: Sie liegt im Scheitel einer S-Kurve.

Die Ausführungen von SSB-Chefplaner Volker Christiani ließen erahnen, dass dieses Nadelöhr allerhand planerische Kreativität forderte. Die „spaghettiförmige Gleisführung hier muss verschoben werden, um überhaupt eine gerade Kante für den Bahnsteig zu bekommen“, führte Christiani aus. Deshalb müsse der Bahnsteig zurückgesetzt werden. Da man bisher nicht wisse, welche Leitungen im Untergrund verlaufen, lasse sich zum Aufwand dieser Arbeiten noch nichts Verbindliches sagen. Vorgesehen seien für das Projekt eine Bauzeit von vier Jahren unter laufendem Betrieb. „Wir können immer nur einen Bahnsteig nach dem anderen bauen“, erklärte Christiani auf Nachfrage der Bezirksbeiräte. Man hirne aber weiter, wie es doch zu schaffen sei, mehrere zugleich zu bearbeiten. Bei einem für 2022 veranschlagten Beginn dürfte sich die Bauzeit demnach bis ins Jahr 2026 erstrecken. „Wir müssen wohl über einen längeren Zeitraum von einer Sperrung der Strecke ausgehen“, so Christiani.

Planung der SSB schockt Betroffene

„Ich fühle mich, als ob mir mein Arzt gerade eine schwere OP angekündigt hätte“, seufzte Bezirksvorsteher Raiko Grieb. Und auch CDU-Rat Roland Petri gestand, er sei „leicht geschockt“, freue sich aber, „dass überhaupt eine Möglichkeit gefunden wurde“, die Züge durch Heslach zu leiten.

Der Bahnsteig selbst, so der SSB-Chefplaner, könne auf der Seite zur Bäckerei hin bis auf Höhe des vorhandenen Mäuerchens verlängert werden. Auf der anderen Seite ließe sich der Bahnsteig bis zur Litfaßsäule ziehen. Die Rückseite des Bahnsteigs, die den Platz begrenze, sei nicht schön anzusehen, räumte Christiani ein. Man könne sie aber als Gestaltungselement begreifen: Als gelungenes Beispiel führte er den Eugensplatz an, wo die Rückseite des Bahnsteigs zur Freitreppe gestaltet wurde. „Sie schirmt den Platz von den Autos auf der Straße oben ab.“

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