Unbekannte haben selbst die Fenster silbern eingefärbt. Foto: STZN

Eine besonders aufwendig, silbern grundierte S-Bahn sorgt derzeit in Stuttgart für Aufsehen. Es ist in Stuttgart mindestens der zweite Fall eines komplett eingefärbten Waggons – eines sogenannten Wholetrains – in diesem Jahr.

Stuttgart - Normalerweise sind die S-Bahnen in Stuttgart ja rot. Nicht so eine S-Bahn der Linie S4 – Unbekannte haben mehrere Waggons komplett silbern grundiert, auch die Fenster, und minimalistisch Buchstaben darauf gemalt – sie wirkt jetzt ein bisschen wie ein „Silberpfeil“. Unabhängig der Frage, ob das Kunst ist, ist das in jedem Fall auch eine Sachbeschädigung. Die Bahn zeigt solche Vorfälle aus Prinzip an.

Dass Züge wie die S4 über mehrere Waggons hinweg komplett bemalt werden, ist in Stuttgart eine Seltenheit. Meistens sind es kleinere Flächen, die Sprayer besprühen. Zuletzt erregte der „Schwarzfahrer-Waggon“ – ebenfalls Teil einer S4 – Aufmerksamkeit. Hier hatten Unbekannte einen Waggon komplett schwarz eingefärbt und in weißen Lettern „Schwarzfahrer-Waggon“ darauf geschrieben. Umsonst fahren durfte man in dem Waggon freilich nicht.

15.000 Euro Schaden pro Wagen

„Die Entfernung von Graffiti erfordert Erfahrung und Fachwissen. Aufwand, Umweltbelastung und Kosten sind enorm“, sagt eine Bahn-Sprecherin. Für die Reinigung eines Nahverkehrs-Triebwagens benötigten zwei bis drei Fachkräfte einen ganzen Arbeitstag. „Die Neulackierung eines Triebwagens kostet bis zu 15.000 Euro und dauert rund sieben Tage“, sagt die Sprecherin. Im aktuellen Fall hat die Bahn den Schaden noch nicht beziffert, sie arbeitet den Vorfall noch auf.

Bei der Bundespolizei ist am 27. August eine Meldung über ein 80 Quadratmeter großes Graffiti an einer S-Bahn eingegangen, das von der Größe her auf das silberne Graffiti zutreffen könnte. „Wir haben die Ermittlungen in diesem Fall aufgenommen“, sagt ein Polizeisprecher.

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Die Bahn hat für das Jahr 2018 angegeben, bundesweit 13 Millionen Euro für die Reinigung von Fahrzeugen nach 20.000 Fällen von Sachbeschädigungen durch Graffiti bezahlt zu haben. Zahlen für Bundesländer erhebt sie nicht. Die Bundespolizei spricht im Zeitraum von Januar bis Mai 2019 von insgesamt 393 Sachbeschädigungen durch Graffiti an S-Bahnen im Stuttgarter Stadtgebiet.

Die Bahn geriert sich indes auch als Unterstützerin legaler Graffiti. So vergibt das Bahnhofsmanagement in Stuttgart seit 2019 Auftragsarbeiten an Künstler, um Flächen an Bahnhöfen zu verschönern. Alle Freiheiten haben die Künstler hier aber nicht – die Entwürfe müssen vorher mit der Bahn abgesprochen werden. Legale Graffiti-Kunst an Stuttgarter Bahnhöfen gibt es zum Beispiel an den Haltestellen Nord oder Sommerrain.

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