Das Würzbacher Bauerntheater Foto: factum/Bach

Amüsante Verwicklungen rund um „Die bucklige Verwandtschaft“ hat das Würzbacher Bauerntheater in der Gemeindehalle Perouse auf Schwäbisch vorgestellt. Die Alarmanlage am grünen Stuhl tut ein Übriges.

Rutesheim - Dass das Würzbacher Bauerntheater im Frühjahr in der Gemeindehalle Perouse Station macht, ist eine schöne Tradition. Schon zum siebten Mal haben sie auf Einladung des SV Perouse dort gespielt, und dies vor vollem Haus. Knapp drei Stunden bodenständiges Vergnügen auf gut Schwäbisch hat das fünfköpfige Ensemble dem Publikum beschert. Denn die Pflege der schwäbischen Mundart, der Trachten und Traditionen der Region „Oberer Calwer Wald“ ist dem seit 1992 als eigenständiger Verein organisierten Amateur-Ensemble ein besonderes Anliegen. Bei den Vorstellungen sind auf der Bühne original Würzbacher Trachten zu bewundern.

Am Samstag ging es um „Die bucklige Verwandtschaft“, eine Komödie von Margit Suez. Denn dass die liebe Familie sich be-sonders gerne an einzelne Mitglieder erinnert, wenn diese zu außergewöhnlichem Wohlstand kommen, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Kein Wunder also, dass beim Bauern Florian (gespielt vom Vorsitzenden und Regisseur Wolfgang Pfrommer) die Nichte Franzi (Simone Klink) und der Neffe Anton (Martin Reichle) nebst Frau Thea (Daniela Reichle) sehr schnell aufschlagen, nachdem bekannt ist, dass Tante Adelheid gestorben ist – und Florian etwas hinterlassen hat: einen grünen Stuhl und wohl auch Schmuck. Der insbesondere ist für alle ziemlich interessant. Denn – wie könnte es anders sein – befinden sich die lieben Verwandten in einem finanziellen Engpass. Wäre da solch eine Erbschaft nicht ein echtes Geschenk des Himmels?

Bauer Florian sieht das keineswegs so, und es beginnt zunächst der sprichwörtliche Tanz um den grünen Stuhl, an dem alle ausgesprochen großes Interesse haben. Der schlaue Bauer lässt sich freilich nicht täuschen, weder durch Lamentieren noch durch süße Worte, und noch nicht einmal, als Anton – sehr widerwillig – sein schickes Antiquitätenhändler-Outfit gegen Blaumann und Gummistiefel tauscht und zum Ausmisten in den Stall geht. Florian stellt Fallen noch und nöcher: Er bindet den Stuhl am Fenster fest, sichert die Schmuckschatulle mit einer Mausefalle und installiert zu guter Letzt gar eine Alarmanlage am Stuhl – die immer wieder für Tohuwa-bohu und großes Amüsement im Saal sorgt.

Niemals zeigt sich der Charakter eines Menschen so deutlich, wie wenn sein Verhalten von der Gier auf etwas gesteuert wird. Und da Tante Adelheid allerlei Fallstricke vorgesehen hat, um das Nutznießen ihres Erbes ein bisschen schwieriger zu machen, gibt es jede Menge witzige Verwicklungen und peinliche Situationen. Der Schmuck, in weiße Säckchen eingepackt, lässt Bauer Florian zunächst mutmaßen, Adelheid sei unter die Dealer gegangen. Haushälterin Christel (Monika Pfrommer) spült diese also folgsam in der Toilette hinunter. Erst später findet sie im doppelten Boden des Schmuckkästchens den Hinweis darauf, dass dies die echten Wertgegenstände sind – und die Stücke in der Schatulle nur wertloser Plunder. Aber was ein echter Bauer ist, der sogar die Kaffeetassen und Weingläser im Beisein der Gäste vom Tisch räumt, wenn er keine Lust auf diese hat, der lässt sich auch von einem Gülleloch nicht abschrecken, wenn er weiß, dass hier Juwelen lagern. So wird der Bauer zum Angler, der in der Gülle nach echten Werten fischt. Zum Schluss, das ist beruhi-gend, erfahren die Zuschauer, dass Florian trotz allem ein gutes Herz hat. Er bewahrt Anton vor der Pleite, heiratet seine Perle Christel und hat der „buckligen Verwandt-schaft“ dennoch eine Lektion in Sachen Habgier erteilt.

Amüsantes Detail: Wolfgang und Monika Pfrommer sind auch im echten Leben seit mehr als 50 Jahren ein Paar. Wie schön, wenn dann ein Heiratsantrag dennoch mit so viel Herz über die Lippen kommt. Simone Klink, Martin und Daniela Reichle sind übrigens auch reale Geschwister.

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