Ein Bild aus besseren Tagen: US-Präsident Donald Trump bei der Vereidigung Jeff Sessions im Februar 2017. Foto: AFP

Es ist ein bizarrer Vorgang: In einem Zeitungsinterview erklärt der US-Präsident, er bereue, Jeff Sessions zum Minister gemacht zu haben. Der Konservative zeigt sich davon aber offenbar wenig beeindruckt – er will weiter im Amt bleiben.

Washington - Seit Langem schon brodelt es in seinem Inneren. Doch nun hat Donald Trump dem Frust über die zunehmend belastende Russland-Affäre freien Lauf gelassen. In einem weder mit seinen Anwälten noch mit seinen PR-Beratern abgesprochenen Spontaninterview mit der von ihm sonst so geschmähten „New York Times“ schimpfte der US-Präsident über seinen Justizminister sowie dessen Stellvertreter und drohte dem regierungsamtlichen Sonderermittler indirekt mit dem Rauswurf.

Der Zornesausbruch einen Tag nach dem Scheitern seiner Gesundheitsreform zeigt nach Einschätzung amerikanischer Beobachter, dass Trumps Nerven blank liegen. „Extrem unfair“ habe sich Justizminister Jeff Sessions ihm gegenüber verhalten, ­monierte der Präsident. Er bedauere, den strammen Konservativen nach dem Rausschmiss seiner Vorgängerin Sally Yates für den Posten des Justizministers nominiert zu haben. In Trumps Augen hat der politische Hardliner nämlich unnötige Schwäche ­gezeigt, als er im März wegen eigener Befangenheit die Aufsicht über die Russland-Ermittlungen der Bundespolizei FBI abgab. „Wie kann man einen Job annehmen, wenn man sich selbst für befangen erklärt“, sagte Trump. Sessions hätte ihn vorher über seine Treffen mit dem russischen Botschafter ­informieren müssen: „Dann hätte ich gesagt: Danke, Jeff, aber ich werde dich nicht ­nehmen.“

Der Bruch mit Sessions ist bemerkenswert

Sessions hatte sich während des Wahlkampfes mit dem russischen Botschafter Sergei Kisljak getroffen. In einer Anhörung verneinte er solche Kontakte aber unter Eid. Deswegen erklärte er im März, sich aus den Ermittlungen des FBI heraushalten zu wollen. Als Justizminister hat er die Aufsicht über die Bundespolizei.

Trumps öffentlicher Bruch mit Sessions ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen ist der 70-Jährige einer seiner treuesten Unterstützer. Bereits kurz nach Trumps Entscheidung für die Präsidentschaftskandidatur 2015 stellte sich der ­damalige Vertreter von Alabama als erster Senator auf seine Seite. Zugleich demonstriert Trumps Ausbruch, wie ernst er die Vorwürfe nimmt, er oder seine ­Verbündeten hätten mit russischer Hilfe versucht, der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton zu schaden. Im Mai hatte er den damaligen FBI-Chef James Comey rausgeworfen – mutmaßlich, weil der sich weigerte, die Ermittlungen zu möglichen Absprachen einzustellen.

„Er kann kein echter Republikaner sein“

Doch beendet war die Affäre damit nicht: Nach Sessions Befangenheitserklärung setzte dessen Stellvertreter Rod Rosenstein Ex-FBI-Chef Robert Mueller als Sonderermittler ein. Der macht Trump nun schwer zu schaffen. Entsprechend keilte Trump ­heftig gegen Rosenstein und Mueller. Er unterstellte, Rosenstein könne eigentlich kein echter Republikaner sein, da er aus dem demokratisch dominierten Baltimore stamme. Außerdem habe der Jurist ihm erst geraten, Comey zu feuern und dann einen Sonderermittler eingesetzt: „Das ist ein Interessenkonflikt.“ Dem Sonderermittler Mueller hatte Trump schon früher eine Hexenjagd vorgeworfen. Nun warnte er ihn öffentlich, seine Untersuchung auf die dubiosen Finanzgeschäfte seiner Familie auszuweiten. Damit würde „eine rote Linie“ überschritten.

Sowohl Sessions als auch Rosenstein lehnten am Donnerstag einen Rücktritt ab. „Ich liebe diesen Job und werde ihn so lange ausüben, wie es angemessen ist“, erklärte Sessions. Das Justizministerium arbeite erfolgreich, das zeigten die jüngsten Ergebnisse, erklärte er bei einer Pressekonferenz zu einem Ermittlungserfolg zu illegalen Machenschaften im Darknet. „Ich bin völlig zuversichtlich, dass es uns gelingt, diese Behörde auf effektive Weise weiterzuführen.“ Rosenstein sagte, er werde sich auch morgen stolz an seinen Schreibtisch setzen.

Ruhe dürften Trump seine Attacken jedenfalls nicht bringen. Nächste Woche müssen Trumps Sohn Donald junior, sein Schwiegersohn Jared Kushner und Ex-Wahlkampfmanager Paul Manafort wegen ihrer Russlandkontakte im Senat aussagen. Beobachter werten die Angriffe als Zeichen, dass Trump seinen Justizminister zum Rücktritt drängen möchte und einen Rausschmiss des Sonderermittlers erwägt.

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