Königsbau und Tannenbaum erstrahlen in der Stuttgarter City weihnachtlich. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Festlich leuchtet die Stuttgarter Innenstadt, als sei alles so wie immer. 33 Buden des Ersatz-Weihnachtsmarktes und die Glanzlichter am Schlossplatz sind gestartet. Wir haben uns auf die Suche nach weihnachtlicher Stimmung begeben.

Stuttgart - Das Rössle bäumt sich auf. Erstmals ist das Wappentier bei der Parade der leuchtenden Sehenswürdigkeiten auf dem Schlossplatz dabei. Das steigende Pferd könnte ein Symbol sein: Imposant erhebt es sich, zeigt Selbstbewusstsein und Stolz – in einer Zeit der Widrigkeiten, in der man das Beste aus dem Möglichen machen sollte.

Der Advent ist die Zeit des Lichts und der Hoffnung. Das Dunkle kann bedrohlich wirken. Das Dunkle erinnert an die Härten des Lebens. Wohl seit Kriegsende war es vor Weihnachten nicht so dunkel und düster wie in den Wochen steigender Infektionszahlen. Die Pandemie macht Angst, bremst die Einkaufslust und den Genuss von weihnachtlichen Freuden. Doch wenn es dämmert in der Stadt, so etwa von 17 Uhr an, tauchen Lichtblicke auf, die es trotz allem noch gibt.

110 Bäume der Königstraße sind mit LED-Lampen eingekleidet

Mitten Jahr ihres Bestehens werden die Glanzlichter auf dem Schlossplatz dringender denn je benötigt. Sie sollen helfen, dass Menschen besinnliche Gefühle spüren – diese fördern bekanntlich das Shoppingverhalten. „Mit dem Weihnachtsbaum am Schlossplatz ergibt sich ein wunderbares Licht-Ensemble“, schwärmt Bürgermeister Thomas Fuhrmann beim Start. „Ich mach’ mir Sorgen, dass die Corona-Pandemie viel Wertvolles zerstören wird“, sagt Armin Dellnitz, Chef von Stuttgart-Marketing.

Jammern hilft nicht weiter. Auf den ersten Blick ist alles so schön, als sei nix gewesen: Zu Tieren sind Lichterketten verknüpft, zu Autos oder zur Grabkapelle, dem Ort der ewigen Liebe. Es blinkt und blendet. Auch die Jubiläumssäule erstrahlt heftig und lässt Glitzer regnen. Der moderne Mensch will sich nicht nur an Erleuchtung erfreuen, sondern alles auch in sozialen Netzwerken teilen. Der Hashtag dazu lautet: #glanzlichterstuttgart. Handyfotografen stehen in Scharen auf dem Schlossplatz – Ordner achten darauf, dass der Abstand stimmt und sie sich nicht zu nahe kommen. Etwa 110 Bäume auf der Königstraße sind mit Zigtausenden von LED-Lampen (mit Ökostrom) eingekleidet.

Umliegende Gastronomie verkauft Glühwein to go

Wenn es Nacht wird in Stuttgart, kommt viel ans Licht. Die Installationen zeigen, was in dieser Stadt alles möglich ist. Die Wilhelma, der Fernsehturm, das Riesenrad auf dem Wasen, das Weindorf – die Highlights, die zwischen Neuem Schloss und Königsbau leuchtend für sich werben, sind jedoch vom Virus in die Zwangspause geschickt.

Die Lichtskulpturen des Schlossplatzes erstrahlen täglich bis 21 Uhr. Bis zu dieser Stunde dürfen die 33 Weihnachtsbuden öffnen, die unter dem neuen Begriff „Adventszauber“ firmieren und mit deutlichem Abstand zwischen dem Bahnhof und der Tübinger Straße stehen. Was auffällt: Die Dekorationen sind so schön und detailreich gestaltet, wie man’s seit vielen Jahren kennt. Den Weihnachtsmarkt gibt es nicht mehr. Aber der Ersatz kann sich sehen lassen.

Unser Bummel zeigt, dass der Adventszauber eine süße Meile ist. Auf Schokofrüchte, Magenbrot und Mandeln folgen Schokofrüchte, Magenbrot und Mandeln. Glühwein und Bratwurst dagegen sind verboten. Ersatz bietet die umliegende Gastronomie, die alkoholische Heißgetränke to go reichlich anbietet. Allein am Schlossplatz gibt es fünf Stationen mit Glühwein.

Schaustellerpräsident dankt der Stadt

In normalen Jahren besteht der Weihnachtsmarkt aus 280 Buden. Die Stadt hat 33 Schausteller ausgewählt. Voraussetzung ist, dass sie Stuttgarter sind. Für die meisten wird der Betrieb der Stände zur Chefsache. „Unser Personal ist in Kurzarbeit“, sagt einer, „jetzt machen wir alles selber, da muss die ganze Familie ran.“

Der Schaustellerpräsident Mark Roschmann kommt aus Göppingen und ist deshalb nicht dabei. Ausdrücklich bedankt er sich beim Stuttgarter Rathaus, wo man mit dem Adventszauber eine große Hilfe leiste. „In vielen Städten herum gibt es dagegen gar nichts“, klagt er.

Ob sich der Adventszauber lohnt? „Es ist immer noch besser, als daheim zu sein“, sagt ein Schausteller auf dem Marktplatz. Dort hat man den Plan nicht ganz einhalten können und die Baustelle erst in letzter Minute verkleinert. Erst an diesem Freitag wird nun der Tannenbaum vorm Rathaus aufgestellt.

Der Advent ist die Zeit des Lichts und der Hoffnung. In diesem Jahr brauchen die Menschen besonders viel Hoffnung und Licht.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: