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Das US-Pentagon vergibt Forschungsaufträge auch an deutsche Unis – etwa zur Erkennung von Tumoren oder zur Orientierung von Drohnen. Muss sich Hochschulforschung dem Frieden verpflichten?

Das US-Pentagon vergibt Forschungsaufträge auch an deutsche Unis – etwa zur Erkennung von Tumoren oder zur Orientierung von Drohnen. Muss sich Hochschulforschung dem Frieden verpflichten?

Stuttgart/Berlin - Hochschulen und Forschungsinstitute in Baden-Württemberg haben im Auftrag des US-Militärs geforscht. Unter anderem finanzierte das US Naval Air Warfare Center (Zentrum für Kriegsführung der Marine und der Luftwaffe) ein Geothermie-Projekt am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), bestätigte am Montag eine KIT-Sprecherin. Das Freiburger Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik (EMI) erhielt vom Pentagon Geld für Forschung zu Panzerglas und Sprengköpfen. Einzelheiten wollte das Institut dazu nicht nennen.

An der Universität Ulm werden derzeit zwei Forschungsvorhaben von einer dem US-Verteidigungsministerium angegliederten Behörde mit 300.000 US-Dollar (222.000 Euro) gefördert, sagte eine Sprecherin der Ulmer Hochschule. An der Universität Stuttgart waren 2008 für ein Projekt zum Thema Optik 80.000 US-Dollar (60.000 Euro) geflossen.

„Es gibt keine direkte militärische Verbindung“, betonten die Universitäten übereinstimmend. Bei Grundlagenforschung sei es nicht vorhersehbar, ob Ergebnisse auch militärisch genutzt werden könnten oder nicht, so das KIT. „Wir machen keine militärische Forschung, sondern ausschließlich Grundlagenforschung“, sagte ein Sprecher der Universität Stuttgart unserer Zeitung. „Was in der Anwendung passiert, können wir nicht beeinflussen.“

Grüne fordern mehr Transparenz

Das Wissenschaftsministerium stellte klar, es setze nicht auf „Denk-, Lehr- oder Forschungsverbote“. Die Universität Hohenheim habe keine finanzielle Unterstützung des US-Militärs erhalten, sagte ein Sprecher den Stuttgarter Nachrichten. Der Südwestrundfunk (SWR) und die „Süddeutsche Zeitung“ hatten von bis zu 22 deutschen Hochschulen und Forschungsinstituten gesprochen, die Geld aus dem Haushalt des Pentagon erhielten. Es soll dabei um Aufträge im Wert von insgesamt über 9,4 Millionen US-Dollar (rund sieben Millionen Euro) gehen.

Das Bundesverteidigungsministerium gibt eigenen Angaben zufolge jährlich rund 900 Millionen Euro für Forschung aus. Der überwiegende Teil des Geldes fließt aber in Ressortforschung der eigenen Institute. An deutschen Hochschulen seien im Schnitt der letzten Jahre Aufträge mit einem Volumen von zehn Millionen Euro pro Jahr vergeben worden. „Detailliertere Angaben zu den Forschungsaufträgen sind aus Gründen der militärischen und der zivilen Sicherheit nicht möglich“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums.

Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring, forderte die Hochschulen auf, Transparenz über ihre Drittmittelprojekte herstellen. „Nur die Offenlegung der vertraglichen Eckdaten ermöglicht den notwendigen gesellschaftlichen Diskurs über die ethische Bewertung der Forschungsprojekte“, sagte Gehring.

Der Vizevorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Andreas Keller, forderte als ersten Schritt die Offenlegung aller militärischen Forschungsprojekte an Hochschulen und Instituten.

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