Am 15. März ist Tag der Rückengesundheit – Bewegung hilft gegen Beschwerden, auch im Büro.

Stuttgart - Rückenschmerzen sind häufig hausgemachte Probleme. Durch einfache Lebensumstellung lassen sich viele Beschwerden verhindern. Momentan sind Rückenschmerzen jedoch die Volkskrankheit Nummer eins, sie belasten das Gesundheitswesen jährlich mit Milliarden.

Die Zahlen sprechen für sich. In Deutschland haben statistisch gesehen zurzeit 30 bis 40 Prozent der Menschen Rückenschmerzen, was bedeutet, dass rund jeder Dritte aktuell unter den Beschwerden leidet. Etwa 70 Prozent der Deutschen haben die Schmerzen mindestens einmal im Jahr, und etwa 80 Prozent klagen mindestens einmal im Leben über Rückenschmerzen. Damit sind sie nach den Infektionen der Atemwege die zweithäufigste Ursache für einen Arztbesuch. Sie sind Ursache von 30 Prozent aller Krankschreibungen und von 15 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage, was zwölf Millionen Krankheitstage im Jahr ausmacht.

Viele Menschen schlafen auf schlechten Billigmatratzen

Darüber hinaus gehen rund die Hälfte aller Frühberentungsfälle auf das Konto von Rückenerkrankungen - was zu geschätzten jährlichen Gesamtkosten von zirka sechs Milliarden Euro allein für Rückenbeschwerden führt. "Rückenschmerzen sind also ein Problem, in dem durchaus Potenzial steckt", sagt Dr. Theophil Abel, Orthopäde und Unfallchirurg aus Stuttgart. Er wundert sich jedoch nicht darüber, dass in seinem Wartezimmer täglich vorwiegend Rückenpatienten sitzen. "Viele Menschen schlafen auf schlechten Billigmatratzen, sie stehen mit Schmerzen auf, setzen sich an den Frühstückstisch, sitzen auf der Fahrt zum Arbeitsplatz, sitzen am Arbeitsplatz und dann wieder auf dem Heimweg im Auto. Zum Ausklang des Tages wird vor dem Fernseher gesessen. Da muss einem der Rücken einfach wehtun", so der Rückenexperte. Dabei ist es eigentlich nicht schwer, etwas gegen diese Art der Rückenschmerzen zu tun. Die beste Vorbeugung besteht in regelmäßiger Bewegung, Rückentraining, gesunder Ernährung und auch darin, sich immer wieder eine Auszeit und Entspannung zu gönnen. Mit dieser kostengünstigen Art der Prävention können Rückenschmerzen, die nicht nur körperliche Ursachen haben können, vermieden werden. Denn psychische Faktoren wie Stress und Überlastung führen genauso zu Rückenschmerzen wie Abnutzung, Arthrose, Osteoporose oder etwa ein Bandscheibenvorfall.

Hilft Bewegung und Entspannung jedoch nicht, dann muss der Fachmann ran. Die Diagnose erfolgt in der Regel mit einer Kernspintomografie. Steht die Ursache fest, kommen an erster Stelle der Therapie Krankengymnastik, lokale Wärmebehandlung, Schlingentisch, Chirotherapie, Osteopathie, Akupunktur und Schmerztherapie infrage. Nicht zu vernachlässigen sind auch Entspannungstechniken, die bei psychischen Ursachen Linderung verschaffen können.

Betroffene sind selbst gefordert

Falls all diese Maßnahmen nicht greifen, können lokale Injektionen - teilweise auch röntgenkontrolliert - an das erkrankte Wirbelgelenk, an die Nervenwurzel oder in den Rückenmarkskanal in den Behandlungsplan aufgenommen werden. Ist ein Bandscheibenvorfall Grund für die Beschwerden und die konservative Behandlung bringt keine Besserung, dann gibt es die Möglichkeit zu operieren. Allerdings wird nach Ansicht zahlreicher Experten immer noch viel zu schnell zum Skalpell gegriffen. Insbesondere im Hinblick auf die hohen Kosten für offene Wirbelsäulenoperationen treten minimalinvasive Methoden und die Prävention immer mehr in den Vordergrund.

"Jedes Jahr werden immer noch mehr als 100.000 Patienten in Deutschland offen an der Bandscheibe operiert, was leider oft auch Komplikationen wie Vernarbungen und Entzündungen nach sich zieht", sagt Theophil Abel. Durch die heute verfügbaren Techniken wie moderne Lasertechnologie oder durch Nukleoplastie oder auch endoskopische Operationsmethoden von Bandscheibenvorfällen kann jedoch in über 80 Prozent der Fälle ein großer offener Bandscheibeneingriff verhindert werden. "Deswegen sollte man, bevor eine offene Operation an der Bandscheibe mit all ihren möglichen Komplikationen ansteht, die Möglichkeit eines minimalinvasiven Verfahrens überprüfen", rät der Wirbelsäulenspezialist. In mehr als 80 Prozent der Fälle könnten den Patienten so offene Bandscheibenoperationen erspart werden.

Doch auch wenn Fachärzte heute viel bei Rückenerkrankungen tun können und sich die minimalinvasive Wirbelsäulenchirurgie rasant entwickelt, ist trotzdem der Betroffene selbst am meisten gefordert - durch die diversen Präventionsmöglichkeiten hat man alle Chancen, dass Beschwerden mit dem Rücken erst gar nicht entstehen.

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