Eine Frau betrachtet einen Roboter im Heinz Nixdorf Museumsforum in Paderborn. Foto: dpa

Roboterprogramme sind nur so gut wie die Menschen, die sie programmieren. Und wie die Daten, mit denen sie gefüttert werden, meint Redakteur Daniel Gräfe. Wer das vergisst, handelt fahrlässig.

Stuttgart - Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) bei der Personalbeschaffung zeigt den Hype, der derzeit bei KI herrscht. Da gibt es zum Beispiel Programme wie Hirevue, die anhand eines Video-Interviews Bewerber analysieren und Firmen Empfehlungen für die Stellenbesetzung machen. Theoretisch könnte so der Bewerbungsprozess für einfache Tätigkeiten automatisiert werden. Ein Logistikunternehmen sucht Saisonarbeiter? Da reicht es für die Kalkulation doch, wenn das Gros der Bewerber einigermaßen zum Job passt, solange das Auswahlverfahren mithilfe der Roboterprogramme schnell und günstig ist.

Tatsächlich? Die Möglichkeiten, Programme Daten sammeln und analysieren zu lassen, verleitet offenbar dazu, selbst weniger nachzudenken. Oder Verantwortung abzugeben. Welche Daten sollte man überhaupt nutzen? Bei Amazon benachteiligte vor einiger Zeit ein Algorithmus Frauen, nachdem man das Bewerbungsverfahren automatisiert hatte. Das Programm war für die Bewerbersuche mit den Daten aktuell erfolgreicher Mitarbeiter gespeist worden. Da diese aber meist männlich waren, bewertete es Frauen schlechter.

Bei Amazon benachteiligte ein mit zweifelhaften Daten gefütterter Algorithmus Frauen

Beispiele wie diese veranlassen zu Skepsis, ob Algorithmen objektiver als Menschen urteilen. Sie sind nur so gut wie die Entwickler, die sie programmieren – und wie die Daten, mit denen sie gefüttert werden. Deshalb müssen sie nachvollziehbar sein, denn Künstliche Intelligenz muss nicht immer intelligent, geschweige denn sinnvoll sein. Andererseits gilt auch: Menschen irren sich. Gerade im Personalbereich werden noch Bauchentscheidungen getroffen oder die Bewerber bevorzugt, die dem Einstellenden selbst ähneln. Intelligente Programme können hier gegensteuern, wenn sie schlau konzipiert und hinterfragt worden sind. Sie können Bewerbern eine Chance geben, die nie zu einem Gespräch eingeladen worden wären.

Eine einfache Lösung gibt es also nicht. Welches Programm schlau ist und welche Aufgaben es überhaupt übernehmen soll und darf – das müssen deshalb noch immer Menschen entscheiden.

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