Ein bisschen grauer ist er geworden und fülliger auch, aber Robbie Williams ist immer noch ein begnadeter Entertainer. Foto: dpa

Robbie Williams gelangte mit Take That zu Weltruhm. Als er die Boyband verließ, nahm er den Erfolg mit. Er füllte Stadien, doch Drogen kosteten ihn beinahe die Karriere. Heute ist es ruhig um den begnadeten Entertainer geworden.

London - „Angels“ heißt sein wohl größter Hit. Doch ein Engel war der im englischen Stoke-on-Trent geborene Robbie Williams selten in seiner Karriere. Früher schlug er sich die Nächte um die Ohren und wechselte die Partnerinnen im Wochenrhythmus. Seine Frau Ayda Field brachte den Wandel: Mit ihr wurde Robbie Williams grundsolide. Seine Dämonen – er leidet sein Jahren unter Essstörungen und Depressionen – hat er inzwischen leidlich im Griff.

Drei Kinder hat der Popstar mittlerweile. Seine Karriere steht hintenan, das letzte Album liegt Jahre zurück. Jetzt bekommt Robbie seine eigene Show in Las Vegas – erstmal sind sechs Termine geplant. Eigentlich ist so eine Show in der Casino-Stadt ein sicheres Zeichen, dass Stars ihren Zenit überschritten haben. Seine Fans kommen sicher trotzdem. Schließlich ist Robbie vor allem eines: Ein begnadeter Entertainer.

Bei „Take That“ ist noch ein Platz frei

Die Anfänge sind inzwischen Musikgeschichte: 1989 begleitete ihn seine Mutter zu einer Agentur in Manchester. Besitzer Nigel Martin-Smith wollte eine neue Boyband gründen und Kasse machen. Vier Plätze in der Band waren bereits vergeben - an Mark Owen, Howard Donald, Jason Orange und Gary Barlow.

Robert Peter Maximilian Williams, wie Robbie Williams mit ganzem Namen heißt, war damals 15 Jahre alt, dicklich und wurde in der Schule von den Mädchen „Fettwanst“ genannt. Weil er eine Lese- und Rechtschreibschwäche hat, rasselte er durch jede Prüfung. Er sollte zum Militär gehen, das riet ihm sein Lehrer. Doch Williams wurde lieber Teil einer Boyband.

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Mit Take That stieg er zum Promi auf, er war der heimliche Star der Boyband. Ihm bekam der Rummel allerdings nicht. Er nahm Drogen, trank die Nächte durch - Robbie wollte feiern. Irgendwann reichte es Gary Barlow, er forcierte den Rauswurf Williams bei Take That. Dieser erinnert sich später in einem Interview mit „Die Welt“ an seine Drogen-Zeit: „Ich war verrückt und fett und sah Ufos.“

Jahre herrschte Funkstille zwischen Robbie und den anderen Bandmitgliedern. Erst 2010 feierte „Take That“ eine umjubelte Reunion – doch schnell ging Robbie Williams wieder eigene Wege.

Guy Chambers lieferte Hit um Hit

Williams Lebensversicherung nach Take That hieß Guy Chambers. Der Songschreiber arbeitete bis 2000 für Williams - und lieferte Hit für Hit ab. „Rock DJ“, „Let Me Entertain You“, „Angels“, „Millenium“. Doch auch mit Chambers verstand sich Williams irgendwann nicht mehr, die beiden gingen wegen künstlerischer Differenzen nach dem 2002er Album „Escapology“ getrennte Wege.

Robbie Williams blieb trotzdem weiter auf der Überholspur, arbeitete mit Stephen Duffy (Duran Duran), William Orbit (Madonna, Blur) und den Pet Shop Boys zusammen. Der erste Platz in den Charts war für Williams Alben reserviert.

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Inzwischen ist das letzte Album des Poptitans – „The Heavy Entertainment Show“ aus dem Jahr 2016 – lange her. Williams macht jetzt weniger mit musikalischen Höhenflügen als eher mit seinem Privatleben von sich reden: Zum Beispiel, wenn er einen skurrilen Nachbarschaftsstreit mit dem früheren Led-Zeppelin-Gitarristen Jimmy Page ausfechtet. Oder wenn er und seine Frau Ayda Gäste bei Prinzessin Eugenies Hochzeit sind.

In seiner zweiten Wahlheimat USA lernte Robbie Williams die Schauspielerin Ayda Field kennen. 2010 heirateten die beiden. „Mein Schweizer Messer“ nennt der Popstar seine Frau liebevoll - weil die studierte Politikwissenschaftlerin und Ökonomin in allen Lebenslagen eine Lösung habe.

Tochter Theodora Rose kam 2012 zur Welt. Es folgte 2014 Sohn Charlton, 2018 brachte eine Leihmutter Töchterchen Colette zur Welt. Damit ist die Familienplanung vermutlich abgeschlossen – und Robbie Williams wohl endgültig erwachsen geworden.

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