Die sogenannte Pilzhochstraße brachte 1959 amerikanisches Flair nach Ludwigshafen. Seit Donnerstag ist sie nun gesperrt. Foto: Stadt Ludwigshafen

Auf der Pilzhochstraße in Ludwigshafen herrscht gähnende Leere. Nachdem sich Risse dort gebildet haben, hat die Stadt die zentrale Verkehrsachse nach Mannheim gesperrt. Wie konnte es so weit kommen?

Ludwigshafen - Wo sonst täglich 55 000 Fahrzeuge zwischen der Pfalz und Mannheim pendeln, herrscht seit Donnerstagnachmittag gähnende Leere. Die Stadt Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) hat Teile der sogenannten Hochstraße Süd bis auf Weiteres in beide Richtungen gesperrt. Bei einer routinemäßigen Kontrolle seien Zweifel an der Standfestigkeit des 60 Jahre alten Betonbauwerks entstanden, teilte die Stadt mit. Damit ist die Konrad-Adenauer-Brücke, eine der beiden Rheinübergänge zwischen Ludwigshafen und Mannheim, für Autofahrer nur noch über eine direkte Auf- und Abfahrt am Rheinufer erreichbar.

„Wir bitten um Verständnis, dass wir im Sinne der Sicherheit die Straße zunächst einmal sperren“, erklärte die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) bei einer Pressekonferenz am Freitag in der Ludwigshafener Feuerwache. Bereits bekannte Risse an der charakteristischen Pilzkonstruktion der hochgeständerten Straße hätten sich vergrößert. Es handle sich um Veränderungen im Millimeterbereich, jedoch müssten sich die Fachleute nun mit der Entwicklung befassen und die Hintergründe ermitteln. In vier bis fünf Wochen erwarte sie erste Ergebnisse. „Wir haben keine akute Gefahrenlage“, betonte Steinruck. Gleichwohl räumte sie ein, dass sie eine Einsturzgefahr nicht gänzlich ausschließen könne.

Probleme waren bekannt

Das zu erwartende Verkehrschaos in den Innenstädten von Ludwigshafen und Mannheim blieb am Freitag zunächst aus. Es kam lediglich zu vereinzelten Staus. Offenbar folgten viele Pendler den Aufforderungen der Stadtverwaltung, umfuhren Ludwigshafen weiträumig oder stiegen auf öffentliche Verkehrsmittel um. Großunternehmen boten ihren Mitarbeitern an, zuhause zu arbeiten. Auch die Ferienzeit dürfte zu einem geringeren Verkehrsaufkommen geführt haben. Allerdings hat an den Schulen in Rheinland-Pfalz der Unterricht bereits vor zwei Wochen wieder begonnen.

Die Probleme an der Verkehrsachse, die bei ihrer Eröffnung im Jahr 1959 als europaweit erste größere Hochstraße nach amerikanischem Vorbild gefeiert wurde, kommen plötzlich, aber nicht überraschend. Seit zwei Jahren ist sie bereits für den Schwerlastverkehr gesperrt. Pläne für eine Sanierung wurden Anfang des Jahres jedoch gestoppt. Es hatte sich herausgestellt, dass der Bau einer provisorischen Galerie, der die sogenannte Pilzhochstraße während der Sanierung abstützen sollte, wesentlich komplizierter geworden wäre als gedacht. Die Kostenschätzung für das ohnehin unschöne Behelfsbauwerk, das die Innenstadt zerschnitten hätte, hatte sich von 25 auf 120 Millionen Euro fast verfünffacht. Seither suchten die Fachleute nach Alternativen.

Bald gar keine Rheinquerung mehr?

Zu lange sei der Sanierungsbedarf im Infrastrukturbereich ignoriert worden, räumte Steinruck ein. Das gelte aber nicht nur für Ludwigshafen, sondern sei ein deutschlandweites Phänomen. In ihrer Stadt sind die Nöte nun aber besonders groß. Denn auch die etwas jüngere Hochstraße Nord – mit täglich 44 000 Fahrzeugen der Hauptzubringer zur anderthalb Kilometer rheinabwärts gelegenen Kurt-Schumacher-Brücke – ist ein Sanierungsfall. Ihr Abriss ist für Ende 2021 terminiert. Die Hochstraße Süd sollte für die auf sechs Jahre veranschlagte Bauzeit als Ausweichstrecke dienen. Die Pläne seien ausgearbeitet und genehmigt, eine weitere Verzögerung sei trotz der neuen Entwicklung nicht geplant, sagte die Oberbürgermeisterin. „Wenn wir das nicht machen, haben wir am Ende gar keine Rheinquerung mehr“, warnte sie. Lösbar seien die Probleme aber nur bei einer finanziellen Beteiligung von Bund und Land.

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