Das Team von Urbanbau spricht über ein Architekturmodell Foto: factum/Granville

Investoren und Architekten von Urbanbau wollen selbst ein Büro in neuer Stadtmitte eröffnen.

Renningen - Die Architektur sei die öffentlichste aller Künste, zitiert der Urban-Baugeschäftsführer Dieter Lange den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Und ergänzt: „Nicht nur das – sie ist sogar eine der ersten Künste.“ Die zwar geliehenen, aber nachgerade philosophischen Worte weisen darauf hin, mit welcher Intention der 60-Jährige und sein Team ihre Projekte angehen. „Die Menschen sollen sich wohlfühlen“, sagt Dieter Lange. Und: „Wir setzen Wünsche um, nehmen uns selbst zurück.“

Als sein wichtigstes Projekt bezeichnet der gelernte Statiker den Umbau der Renninger Bahnhofstraße Süd. „Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, den Mittelpunkt einer solchen Stadt zu gestalten.“ Elf Millionen investiere Urbanbau dort, in Zusammenarbeit mit einer „großen Bank im Kreis“, wie Lange sagt. Und ergänzt: „Es geht voran.“ Derzeit liegt der Bauantrag auf den Tischen der Renninger Stadtverwaltung. Im Oktober sollen dann die Bagger rollen. „Noch in diesem Jahr wollen wir den Tiefbau abschließen und auch bereits mit dem Hochbau beginnen“, nennt der Urbanbau-Chef den Zeitplan.

Drei Gebäude werden dann in der südlichen Renninger Bahnhofstraße neu entstehen; Urbanbau vermarktet sie bereits. „Sie ordnen sich um einen neuen Platz an“, erläutert Dieter Lange. Dieser sei windgeschützt, aber dennoch der Sonne zugewandt – so dass man sich auch zu anderen Jahreszeiten als dem Sommer dort wohlfühle. „Es wird dort ein Café geben, Sitzgelegenheiten im Freien, außerdem gestalten wir den Platz mit einem Wasserspiel“, erklärt Lange. Gerade sei im Gespräch, ob der Platz einen eigenen Namen erhalte. Da seien die Renninger Verwaltung und der Gemeinderat natürlich federführend. In den drei darum platzierten – komplett barrierefreien – Gebäuden sollen 18 Wohnungen mit einer Größe von 60 bis 100 Quadratmetern Platz finden, es wird neben dem Café noch fünf weitere Geschäfte geben. Schon jetzt steht fest, dass ein Elektrogeschäft, ein Schuhgeschäft, eine Boutique und ein Friseur darunter sein werden; teilweise ziehen alteingesessene Renninger Ladenbetreiber um. Der Renninger Polizeiposten wird in den hinteren Teil eines der drei Gebäude einziehen. „Deswegen soll der Bau auch bis 2014 abgeschlossen sein, das haben wir garantiert“, sagt Dieter Lange. Der Vorteil liege auf der Hand: „Nicht nur, dass die Beamten nun genug Platz haben, sie haben auch ein Auge auf die Stadtmitte.“

Und: das Gebäude mit der Polizei und dem Café soll auch gleichzeitig ein Ärztehaus werden, so wollte es auch die Stadt Renningen. „Deswegen verhandeln wir mit Hochdruck mit verschiedenen Ärzten“, berichtet Dieter Lange. Ein Zahnarzt habe bereits zugesagt. „Ein Orthopäde und andere Fachärzte wären ebenfalls wünschenswert.“ Auf den Dächern der drei Gebäude wird Gras wachsen, teilweise kommen dort auch Büsche und Bäume hin – aus ökologischen, aber auch optischen Gründen. „Damit sie nicht so gleichförmig wirken, haben wir eines der Gebäude übrigens gegenläufig geplant, zumal dadurch der Platz geschützt wird“, ergänzt der Planer Oliver Feucht, der gemeinsam mit der Bauzeichnerin Gabi Semlitsch das Projekt bei Urbanbau in den vergangenen eineinhalb Jahren intensiv begleitet hat. Dass das Team um Dieter Lange so viel Herzblut in den Umbau der Renninger Bahnhofsstraße steckt, liegt übrigens nicht ganz allein ans Langes Philosophie und an der „Bedeutung“ des Projektes. „Wir werden auch selbst dort ein Büro eröffnen und von Schönaich nach Renningen ziehen“, berichtet der Geschäftsführer, der die Rankbachstadt als „spannend, wachsend und dynamisch“ beschreibt, als „sehr gutes Umfeld“.

Um den zentralen Platz mit Leben zu erfüllen, hat sich der 60-Jährige dann auch noch etwas ganz Besonderes ausgedacht. Gemeinsam mit den anderen Ladeninhabern und vielleicht den Ärzten will er wöchentliche Kulturveranstaltungen aus der Taufe heben. Er spricht von „Gauklern und Musikern“ und seine Augen leuchten. „Und regelmäßig soll dabei auch Geld für den guten Zweck erwirtschaftet werden.“

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