Das Herzstück der Exponate bildet ein Werk Felix Martin Furtwänglers, das sich auf den Dichter Hölderlin bezieht.Foto: Simone Käser Foto:  

Im Rahmen der zweiten Highlight-Woche der Remstal-Gartenschau ist im Bürgerhaus eine Ausstellung der Württembergischen Landesbibliothek zu sehen, die bis zum 8. September das Gartenmotiv im Werk des berühmten Dichters beleuchtet.

Kernen - Wann immer sich Friedrich Hölderlin in einem Garten aufhielt, kam er regelrecht ins Schwärmen. So beschrieb der 1770 in Lauffen am Neckar geborene Dichter beispielsweise im Juni 1788 in einem Brief an die Mutter den Besuch in den kurfürstlichen Lustgärten in Schwetzingen als regelrechten Höhepunkt seiner ganzen Reise.

In einzelnen Vitrinen nähert sich die anspruchsvolle Ausstellung mit Auszügen aus Gedichten Briefen und Tagebüchern dem Thema an

Bei so viel Begeisterung für das herrlich bepflanzte Grün liegt der Gedanke nahe, dem Gartenmotiv in Hölderlins Werk eine eigene Ausstellung zu widmen und diese passenderweise im Rahmen der Remstal-Gartenschau den Besuchern zu präsentieren.

Unter dem Titel „Aus den Gärten komm’ ich“ wurde eben diese Schau der Württembergischen Landesbibliothek am Mittwoch im Bürgerhaus Kernen eröffnet – präsentiert vom Treffpunkt Baden-Württemberg, der offiziellen Vertretung der Landesregierung auf Landesgartenschauen und Grünprojekten in Baden-Württemberg. „Nach vielen anderen Ansätzen zum Garten, kommt mit dieser Ausstellung noch das Poetische und Literarische hinzu. Der Garten ist eine zentrale Metapher in Hölderlins dichterischer Schöpfung“, sagte Sabine Schanz-Kollmar, die stellvertretende Leiterin des Treffpunkts Baden-Württemberg in ihrer Rede zur Begrüßung.

In den Schaukästen sind jeweils Erstausgaben, Notenblätter, künstlerische Rezeptionen sowie Reproduktionen der Handschriften kombiniert

In einzelnen Vitrinen nähert sich die anspruchsvolle Ausstellung mit Auszügen aus Gedichten Briefen und Tagebüchern dem Thema an. Zu sehen sind Ausgaben von „Die Eichbäume“, „Mein Eigentum“ und „Der Wanderer“. In den Schaukästen sind jeweils Erstausgaben, Notenblätter, künstlerische Rezeptionen sowie Reproduktionen der Handschriften kombiniert. „Diese kommen den Originalen sehr nahe. Sie haben den gleichen Farbton und geben damit einen guten Eindruck“, sagte Ida Bentele, Ausstellungsreferentin in der Württembergischen Landesbibliothek.

Da der Leiter des Hölderlin-Archivs in der Landesbibliothek und Kurator der Ausstellung, Jörg Ennen, krankheitsbedingt ausfiel, führte Ida Bentele interessierte Besucher mit hilfreichen Erklärungen entlang der Vitrinen und auch zum Herzstück der Ausstellung: ein Kunstbuch des Malers Felix Martin Furtwänglers, das das Gedankengut Hölderlins aufnimmt.

Neben dem Leben des Dichters und dem Gartenmotiv in Lyrik und Prosa wird auch die Bedeutung des englischen Landschaftsgartens zur Zeit Hölderlins beleuchtet

Bei allem wurde schnell klar: Gärten spielten im Leben und Schaffen des 1843 in Tübingen verstorbenen Künstlers eine entscheidende Rolle und standen für Heimat, Vaterland und damit für die vertraute Welt des Vaters. „Das kontrastierte Hölderlin mit dem befreienden Gefühl des Wanderns“, erklärte Ida Bentele. Kunstbände und Musikalien zeigen, dass die Beschreibungen der Gärten auch von späteren Musikern und Künstlern aufgegriffen worden sind, sagte Ida Bentele. Alle Exponate stammen aus dem Hölderlin-Archiv der Landesbibliothek. In einige der – wohl eher speziellen – Vertonungen können Besucher an einer extra Station reinhören. Es gibt auch ein Quiz. Wer nach dem Rundgang alle Fragen lösen könne, für den gebe es sogar etwas zu gewinnen, sagte Ida Bentele.

Der Direktor der Württembergischen Landesbibliothek, Rupert Schaab, brachte es auf den Punkt

Neben dem Leben des Dichters und dem Gartenmotiv in Lyrik und Prosa wird auch die Bedeutung des englischen Landschaftsgartens zur Zeit Hölderlins beleuchtet. „Es gab eine Abwendung von den sehr regelmäßigen höfischen Barockgärten hin zur neuen liberalen Philosophie der englischen Gärten“, sagte Ida Bentele.

Nach einem weiteren gelungenen Musikbeitrag des Duos Two Tubes mit Werner Englert und Johannes Büttner griff auch Kernens Bürgermeister Stefan Altenberger den Wandel der Gärten auf. „Die Gestaltung ist dem jeweiligen Zeitgeist unterworfen, aber jeder kann seinen Grünbereich so anlegen, wie er will.“ Die dabei entstehende Blütenpracht müsse, wie es auch bei Hölderlin klar werde, einfach betrachtet werden. „Man meint, es sind nur ein paar Blumen. Und dann sieht man es, und es geht einem das Herz auf“, sagte Stefan Altenberger.

Der Direktor der Württembergischen Landesbibliothek, Rupert Schaab, brachte es auf den Punkt: „Bei Hölderlin stößt man alle Nase lang auf Gärten. Und auch wenn die Auseinandersetzung mit seinem Werk erst mal mühsam ist, es lohnt sich.“

Zum Leben und Schaffen des Dichters Friedrich Hölderlin

Johann Christian Friedrich Hölderlin ist am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar geboren und am 7. Juni 1843 in Tübingen gestorben. Er war ein deutscher Dichter, der zu den bedeutendsten Lyrikern seiner Zeit zählt. In dem heute Hölderlinhaus genannten Gebäude in Nürtingen verbrachte er seine Kindheit und Jugend. Er folgte zunächst dem Wunsch der Mutter, Pfarrer zu werden, und besuchte in Nürtingen die Lateinschule. Während des Studiums in Tübingen befreundete er sich mit Hegel und Schelling. Weil er sich danach weigerte, Pfarrer zu werden, war er als Hauslehrer tätig. Später an der Uni Jena lernte er Goethe und Schiller kennen. Auch wegen einer unglücklichen Liebe wurde bei Hölderlin eine „schwere Hypochondrie“ festgestellt. 1806 wurde er mit Gewalt ins Uniklinikum Tübingen geschafft. Nach traumatischen Behandlungen kam er 1807 als „unheilbar“ in den Hölderlinturm. In dieser Hausgemeinschaft blieb er bis zu seinem Tod.

Werk

Als Student war Hölderlin Bewunderer der Französischen Revolution. Er begann sein Schaffen als Nachfolger Schillers und des schwäbischen Klassizismus. Frühe Gedichte sind meist gereimte Hymnen abstrakter Themen. Aus den Jahren im Tübinger Turm sind viele gereimte Gedichte überliefert. Zu seinen Lebzeiten wurde nur ein Teil des lyrischen Werkes veröffentlicht, und erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden einige bis dahin unbekannte Texte aus der Zeit nach 1800 herausgegeben; zuvor waren vom Spätwerk fast nur die Nachtgesänge bekannt. Hölderlins Poesie gilt heute als ein Höhepunkt der deutschen und abendländischen Literatur.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: