Der Fuchs ist ein Hauptüberträger des Staupe-Virus, und er ist immer häufiger in der Nähe von Wohngebieten zu sehen. Foto: dpa

Die Seuche grassiert seit etwa fünf Jahren wieder im Land. Das Veterinäramt rät Hundehaltern, den Impfschutz ihrer Tiere zu überprüfen.

Rems-Murr-Kreis - Die Gefahr ist aktuell: Erst vor wenigen Tagen hat die Tierärztin Eva Röhrig aus Weinstadt zur Spritze greifen und einen Fuchs einschläfern müssen. Ihr Nachbar – oder besser gesagt: der Hund des Nachbarn – hatte das völlig entkräftete und desorientierte Tier im eigenen, umzäunten Garten gefunden, und das mitten in einem Beutelsbacher Wohngebiet. Derzeit wird der Tierkadaver im Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart mit Sitz in Fellbach noch untersucht – der Verdacht ist allerdings sehr groß, dass der Fuchs an Staupe erkrankt war.

Eine uralte Seuche

„Das ist eine uralte Seuche“, sagt Ingo Schwabe vom CVUA. Die hochansteckende Viruserkrankung grassiere seit etwa fünf Jahren wieder in Baden-Württemberg – wohl eingeschleppt aus dem Ausland, erklärt der Fachtierarzt für Pathologie. Im Rems-Murr-Kreis sind in den vergangenen Monaten vermehrt infizierte Tierkadaver gefunden worden. Betroffen sind vor allem Füchse und Steinmarder, aber auch Frettchen, Dachse, Wiesel und Waschbären können sich anstecken. Erkrankte Hunde sind bislang nicht bekannt. Allerdings: „Staupe ist nicht meldepflichtig“, sagt Eva Röhrig. Ein Krankheitsfall würde jedoch sicherlich informell die Runde machen, meint die Tierärztin.

Wer sich als Hundehalter Sorgen um seinen vierbeinigen Begleiter macht, kann einfach überprüfen, ob das eigene Tier in Gefahr ist: Ein Blick in den Impfpass oder ein kurzer Anruf beim Tierarzt genügt. Hunde sollten noch als Jungtier eine Grundimmunisierung mit zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen erhalten. Danach genügt es – je nach Impfstoff – alle ein bis drei Jahre die Impfung aufzufrischen. Katzen und Menschen sind für die Krankheit nicht empfänglich.

Übertragen wird Staupe über Körpersekrete oder direkten Kontakt mit erkrankten Tieren und kann unterschiedliche Verlaufsformen nehmen. Mal ist die Lunge betroffen, bei anderen Tieren der Darm. „Die Krankheit geht immer mit starken Allgemeinsymptomen einher“, sagt Ingo Schwabe. Auch die Hirnhaut könne betroffen sein. Laut dem Veterinäramt äußert sich die Staupe durch Abmagerung, Husten, Durchfall, Verhaltensauffälligkeiten und fehlende Fluchtreaktion. Auch Krämpfe oder Bewegungsstörungen und Hautveränderungen würden zum Teil beobachtet. In den meisten Fällen verlaufe die Erkrankung bei Wildtieren tödlich. Seit Oktober 2017 sind im Kreis 36 infizierte Füchse, ein Waschbär und ein Marder gefunden worden. Vor allem Waiblingen und Schorndorf seien betroffen.

Fuchs und Steinmarder fühlen sich wohl

Ein Ende der Seuche sieht Ingo Schwabe nicht. Der Grund: In unserer zersiedelten Landschaft fühlten sich Füchse und Steinmarder viel wohler als in einer natürlichen Umgebung. Deswegen gebe es sehr viele Tiere, die keinen natürlichen Feind mehr haben und deren Population schon lange nicht mehr von einer Krankheit, wie zum Beispiel der Tollwut, dezimiert wurde. Schwabe vermutet, dass Staupe erst zurückgedrängt wird, wenn vermehrt immune Tiere überleben. Aber: „Das wird wohl noch dauern“, so Schwabe.

So lange plädiert der Tierarzt dafür, alle Hunde impfen zu lassen. Und wer einen toten Fuchs im Garten findet, sollte unbedingt die Gemeindeverwaltung informieren. Wer auf dem Feld oder im Wald ein solches Tier entdeckt, ist beim Jagdpächter richtig. „Die Kadaver sollten unbedingt zu uns ins Chemische und Veterinäruntersuchungsamt gebracht werden“, betont Ingo Schwabe. Denn nur so könne die Behörde den Seuchenverlauf weiter beobachten.

Staupe in der Region

Entwicklung
Die ersten Staupe-Fälle wurden vor etwa fünf Jahren im Landkreis Esslingen gemeldet. Seitdem hat sich die Krankheit rasant ausgebreitet, wie die Zahlen des Ministeriums für Ländlichen Raum zeigen. Während aus dem Jahr 2013 landesweit nur 254 Erkrankungen bekannt sind, wurden 2016 bereits in den ersten fünf Monaten 254 Ansteckungen gemeldet – und die Zahlen steigen weiter.

Ausbreitung
Obwohl die Staupe mittlerweile in der gesamten Region Stuttgart vorkommt, sind nicht alle Landkreise gleichermaßen betroffen. So ist in den vergangenen anderthalb Jahren nur ein einziger erkrankter Fuchs im Ostalbkreis gemeldet worden, während im Rems-Murr-Kreis mit 93 Ansteckungen die meisten Fälle bekannt sind.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: