FTI Touristik GmbH Zentrale in München Foto: IMAGO/Revierfoto/IMAGO/Revierfoto

Die FTI Touristik GmbH stellte am Montag einen Insolvenzantrag. Europas drittgrößtem Reisekonzern geht also das Geld aus. Wer betroffen ist – und wer zur FTI Group gehört.

Europas drittgrößter Reisekonzern FTI ist in die Pleite gerutscht – und das kurz vor den Sommerferien. Am Montag hatte das Amtsgericht München den Anwalt Axel Bierbach zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die Dachgesellschaft FTI Touristik GmbH bestellt. „Derzeit wird mit Hochdruck daran gearbeitet, dass die bereits angetretenen Reisen auch planmäßig beendet werden können“, so das Unternehmen.

Noch nicht begonnene Reisen würden voraussichtlich ab Dienstag (4. Juni) nicht mehr oder nur teilweise durchgeführt werden können. Nun fragen sich viele, was das für ihren Urlaub bedeutet – und in diesem Zusammenhang dann auch, was zur FTI Group gehört. Wichtig sind nun FTI-Hotline und Sicherungsschein.

FTI-Pleite: Welche Anbieter und Marken sind betroffen?

Die FTI Group ist ein deutscher Reisekonzern, der in München sitzt. Die FTI Touristik GmbH ist die Konzernobergesellschaft, die nun eben einen Insolvenzantrag gestellt hat. Auf der Seite des Unternehmens heißt es zur Insolvenz: „Generell betroffen sind alle bei dem Reiseanbieter FTI Touristik GmbH gebuchten Leistungen.“ Konkret gehören dazu die folgenden Marken:

  • FTI in Deutschland
  • FTI Österreich
  • FTI Niederlande
  • 5vorFlug in Deutschland
  • die BigXtra GmbH
  • die Mietfahrzeugs-Marken DriveFTI sowie Cars and Camper

Die entsprechenden Reisen oder Dienstleistungen hätten Kunden auf verschiedenen Wegen buchen können, heißt es von FTI. Neben „gängigen Reisebüros“ und den eigenen Plattformen könnten das etwa die folgenden Online-Buchungsplattformen sein:

  • Sonnenklar.tv
  • Check24 Ab-In-den-Urlaub
  • HolidayCheck

Nicht betroffen seien laut FTI gebuchte Leistungen bei Drittanbietern (wie etwa TUI, Alltours, DERTOUR, vtours, ...), die über die Portale der FTI Touristik gebucht wurden.

Von der Eröffnung des Insolvenzverfahrens sei zunächst unmittelbar nur die Veranstaltermarke FTI Touristik betroffen. FTI schreibt in seiner Pressemitteilung dazu allerdings: „In der Folge werden aber auch für weitere Konzerngesellschaften entsprechende Anträge gestellt.“ Die Windrose Finest Travel GmbH mit der Luxusmarke WINDROSE werde ihre Geschäfte aber weiterführen.

Wer gehört zur FTI Group?

Die FTI Group mit etwa 11 000 Beschäftigten hat zahlreichen Marken und Tochterunternehmen. Neben der FTI Touristik, die auch Niederlassungen in Österreich und der Schweiz hat, gehören zur Gruppe ebenfalls folgende Unternehmen:

  • der Kurzfristveranstalter 5vorFlug
  • der Mietwagenbroker Drive FTI
  • die Destination Management Company Meeting Point International (die Zielgebietsagentur übernimmt sämtliche Services wie Übernachtung, Beförderung und Transfers über Rundreisen, Ausflügen, MICE bis hin zu Gruppenreisen und VIP-Angeboten)
  • der Veranstalter für Aktionsware BigXtra

Zudem gehören auch noch Hotelmarken zur Gruppe. Sie laufen unter dem Dach des Hospitality-Unternehmens MP Hotels:

  • Labranda Hotels & Resorts
  • die Design Plus Hotels
  • die Kairaba Hotels & Resorts
  • Lemon & Soul Hotels
  • Club Sei

Außerdem gehört seit 2012 auch der französische Reiseveranstalter FTI Voyages zur FTI Group. In den Niederlanden ist die Gruppe mit FTI Reizen seit 2016 aktiv.

Nicht zur FTI Group gehören:

  • der TV-Sender sonnenklar.TV
  • die TVG mit ihren Franchise-Reisebüros unter folgenden Marken:
  • sonnenklar.TV
  • Flugbörse

Deutschlandweit vertreiben laut Unternehmensangaben außerdem rund 10.000 Partneragenturen die FTI-Produkte.

FTI-Buchungszahlen hinter den Erwartungen

Eigentlich schien die Zukunft des Unternehmens gesichert, das in der Corona-Krise insgesamt 595 Millionen Euro staatliche Hilfe aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) bekommen hatte. Ein Konsortium unter Führung des US-Finanzinvestors Certares wollte die FTI Group für einen Euro übernehmen und 125 Millionen Euro frisches Kapital in das Unternehmen stecken. Die Wettbewerbshüter mussten dem Deal noch zustimmen.


Den Angaben zufolge sind jedoch die Buchungszahlen zuletzt deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. „Hinzu kam, dass zahlreiche Lieferanten auf Vorkasse bestanden haben. In der Folge kam es zu einem erhöhten Liquiditätsbedarf, welcher bis zum Closing des Investorenprozesses nicht mehr überbrückt werden konnte“, teilte FTI mit. Dem „Handelsblatt“ zufolge soll sich bei FTI kurzfristig eine Deckungslücke in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages aufgetan haben.

Die Bundesregierung lehnte neue staatliche Hilfen für den Reisekonzern ab. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte am Montag in Berlin, es gebe haushalterische, rechtliche und wirtschaftliche Gründe, weswegen keine weiteren Hilfen über die „sehr vielen großen Hilfen“ hinaus erfolgt seien.

Aus Regierungskreisen hieß es, im Zuge von Verhandlungen über Forderungen des Bundes aus der Corona-Pandemie habe man sich darauf geeinigt, dass der Investor diese dem Bund zu Marktpreisen abkaufe. Das hätte Verluste für den Bund bedeutet. Bei der Insolvenz könnten diese nun aber deutlich höher ausfallen. In Regierungskreisen wird ein Ausfall von rund 84 Prozent erwartet.

Im vergangenen Geschäftsjahr 2022/2023 verzeichnete das Unternehmen noch ein Umsatzplus von 10 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro und erwirtschaftete einen Ertrag in zweistelliger Millionenhöhe. Nähere Details zum Ergebnis machte das Unternehmen nicht. Hauptgesellschafter war zuletzt die ägyptische Investoren-Familie Sawiris.

FTI-Insolvenz: Andere Veranstalter profitieren

Die Reisebranche steht aus Sicht des Tourismusexperten Torsten Kirstges trotz der Insolvenz der FTI Group insgesamt gut da. Zwar drückten Schulden und Bankkredite aus der Corona-Krise. „Aber es wird stark gereist, hochpreisige Reisen liegen im Trend, Kreuzfahrten boomen wieder“, sagte Kirstges der Deutschen Presse-Agentur.

Verbliebene Veranstalter dürften von der FTI-Insolvenz profitieren, erwartet der Tourismusforscher von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. „Die Leute werden trotz der FTI-Insolvenz reisen und der Milliardenkuchen wird unter den anderen Veranstaltern aufgeteilt.“ Spätestens im kommenden Jahr, dürfte man an der Gesamtzahl nichts mehr von den Turbulenzen merken.

FTI habe zuletzt an Vertrauen in der Branche verloren, unter anderem wegen der sehr schwachen Bilanz 2022, sagte Kirstges. „FTI war eher preisaggressiv und hat relativ wenig verdient pro Reise bei einer vergleichsweise schwachen Eigenkapitalausstattung“. Vor allem die Reiseverbote in der Corona-Pandemie hätten das Unternehmen schließlich in große Schwierigkeiten gebracht.