Züge der Frankenbahn starten beziehungsweise enden in Stuttgart. Foto: dpa

Nach wie vor sind die Züge der Frankenbahn unpünktlich oder fallen aus. Zumindest funktioniert die Entschädigungsaktion der Bahn – doch nicht alle bekommen etwas.

Kreis Ludwigsburg - Die gute Nachricht zuerst: Die Entschädigung, die die Bahn Pendlern der Frankenbahn seit September anbietet, kommt bei den Pendlern gut an. „Das läuft wesentlich besser als bei der ersten Entschuldigungsaktion“, sagt der Pendler Dieter Scheifele. Jeden Tag fährt er von Besigheim nach Stuttgart und nutzt damit Regionalverkehrszüge, die zwischen Stuttgart und Würzburg beziehungsweise Stuttgart und Lauda verkehren – oder eben auch nicht: Wegen anhaltend unpünktlicher oder ausgefallener Züge auf diesen Strecken hat die Bahn jenen Kunden mit Jahreskarte einen Monatsbetrag zurück überwiesen. 14 Tage nach der Registrierung auf einer Homepage der Bahn hatte er das Geld auf dem Konto.

Die Bahn entschädigt nicht nur Frankenbahn-Fahrer, sondern auch Pendler der Remsbahn, der Filstalbahn sowie der Bahn am Hochrhein. Abhängig davon, wie viele Betroffene sich auf der Bahn-Seite registrieren (möglich noch bis 15. November), könnte die von der Bahn gezahlte Entschädigungssumme eine Million Euro übersteigen, schätzt ein Bahnsprecher. Die Registrierung auf der Seite ermögliche es, auch VVS- oder SSB-Kunden zu entschädigen. „So haben wir alle notwendigen Daten vorliegen“, sagt ein Bahnsprecher. Bei einer ersten Entschuldigungsaktion Anfang des Jahres hatte es Unmut bei den Pendlern gegeben, weil diese unterschiedlich entschädigt worden waren.

Wer ein Senioren- oder Studententicket hat, bekommt nichts

Doch auch dieses Mal gibt es die Entschädigung nicht für alle – was zur schlechten Nachricht gehört : Inhaber eines Senioren- oder Studententickets bekommen nichts. Die Bahn begründet das damit, dass man sich bei jenen entschuldigen möchte, die am meisten betroffen waren, nämlich den Berufspendlern. Studenten und Rentner hingegen seien flexibler. Pendler sehen das anders: „Das ist eine Arroganz, die nicht angebracht ist“, sagt Scheifele. Auch das Verfahren über ein Online-Formular überfordere manchen älteren Fahrgast.

Was die Zuverlässigkeit der Frankenbahn angeht, gehen die Beobachtungen der Pendler auseinander. Scheifele spricht davon, dass die Situation derzeit „wesentlich besser“ sei als noch im vergangenen Oktober, als die Züge nur zu 62 Prozent pünktlich waren. Mittlerweile waren es nach Angaben der Bahn in der vergangenen Woche 82 Prozent. „Wir sind schon froh, wenn nur zwei Züge pro Tag ausfallen“, kommentiert Scheifele. Dieter Schlagenhauf, ebenfalls Pendler aus Besigheim, sieht das anders: „Subjektiv hat sich nichts wesentlich verbessert“, sagt er und erzählt von defekten Türen und Toiletten sowie ausgefallenen oder stark verspäteten Zügen. Bei der Entschuldigungsaktion ärgert ihn, dass diese die Ursache nicht beseitige, „nämlich eine unzureichende Leistung der Bahn“.

Die Strafzahlungen bleiben beim Land

Er und andere Pendler hatten angeregt, dass das Land einen Teil der Strafzahlungen, die die Bahn wegen der Verspätungen ans Land zahlen muss, den geschädigten Pendlern zukommen lässt. Das Verkehrsministerium in Stutttgart erteilt dem eine Absage: „Dieses Geld nutzen wir, um das Angebot zu verbessern, beispielsweise, indem wir mehr Züge bestellen“, sagt ein Sprecher. So komme das Geld allen zu Gute. Auf den Entschädigungsmodus der Bahn habe das Land keinen Einfluss. „Hier geht es um die Vertragsbeziehung zwischen Fahrgast und Bahn, und das ist operatives Geschäft der Bahn.“

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