Die Kundin Friedhilde Brendle deckt sich am Regiomaten mit Eiern ein. Foto: Eileen Breuer

Wem zum Beispiel sonntags die Milch ausgeht, der kann sich an einem Regiomaten in Filderstadt-Harthausen zu jeder Tageszeit selbst bedienen. Davon profitieren sowohl Kunden als auch Landwirte.

Filderstadt - Etwas hilflos steht Marion Kurz vor dem Automaten. Sie hat eine Glasflasche mitgebracht, in die sie frische Milch füllen möchte. Vor zwei Wochen ist sie über die Felder spaziert und hat auf dem Hof von Familie Bauer in Harthausen einen Milchautomaten entdeckt. Und den will sie an jenem Vormittag testen. Doch wie funktioniert das eigentlich? Die Landwirtin Christine Bauer kommt ihr zu Hilfe. Geld einwerfen, Klappe öffnen, Flasche unter die Ausgabe halten und den Knopf drücken. „Man muss sie schräg halten, die Milch schäumt wie Bier“, erklärt Bauer der Kundin.

Wer keine eigene Glasflasche mitgebracht hat, der kann sich eine am Regiomaten, der daneben steht, kaufen. Seit 2012 gibt es die beiden Automaten bereits auf dem Hof der Bauers.

In der Zeit davor konnten sich die Kunden in einem Hofladen mit den regionalen Produkten eindecken, außerdem ist die Schwiegermutter von Christine Bauer damals mit dem Auto und einer Glocke durch den Ort gefahren, um die bäuerlichen Erzeugnisse zu verkaufen. „Da meine Schwiegermutter älter wurde, haben wir gesagt: Sie soll ihre Rente jetzt genießen“, sagt Bauer.

Die Eier kommen vom Nachbarhof

Obwohl der Hofladen nur eine Stunde am Tag geöffnet hatte, war es für Bauer eine Herausforderung, ihn weiter zu betreiben, sagt sie. Denn abends melkt sie die Kühe und kann nicht hinter der Kasse stehen. Außerdem war der Anteil an selbst erzeugten Produkten gering, da der Bauernhof auf Kühe und Biogas spezialisiert ist. Um den Kunden im Laden etwas bieten zu können, kaufte Bauer das Gemüse bei anderen Höfen zu. Deshalb entschied sie sich, einen Milchautomaten auf ihrem Hof in Harthausen, Leerer Sack 20, aufzustellen und den Laden zu schließen.

Rund um die Uhr können sich die Leute dort seither frische Rohmilch zapfen. Und weil nicht jeder seine Flaschen selbst mitbringt, stellte Bauer zusätzlich einen Regiomaten auf, den sie neben den leeren Flaschen mit selbst gemachten Produkten wie eingelegtem Gemüse füllt. Die Eier bezieht die Bäuerin von einem nahegelegenen Hof, die Wurst kommt aus Altbach, die Marmelade kocht sie selbst. Der Verkaufsschlager bleibt aber die Milch. Vor allem am Wochenende werde sie rege gezapft.

Nicht alle waren anfangs glücklich über die Umstellung

Der Vorteil für Bauer: Sie kann den Automaten befüllen, wenn es ihr passt. Meistens nimmt sie sich einmal am Tag dafür Zeit, an Feiertagen öfters, denn dann herrscht mittags meist gähnende Leere. Mit dem Automaten seien die Landwirte zudem unabhängig von Großkonzernen: Sie könnten 80 Cent für den Liter Milch verlangen und müssten keine Beträge an Zwischenhändler abgeben. Nicht jeder war allerdings glücklich über die Umstellung auf den Automaten. „Am Anfang waren manche skeptisch. Sie haben bemängelt, dass ihnen der Kontakt zu uns fehlt,“ sagt Bauer. Doch selbst Kritiker würden heute abends ihre Milch holen.

Mit dem Automaten habe sich das Einzugsgebiet erweitert, sagt Bauer: „Zum Hofladen kamen nur Leute aus dem Ort.“ Inzwischen würden die Kunden auch mit dem Auto aus Echterdingen, Harthausen oder dem Aichtal her fahren, so wie Marion Kurz. Die Kundin ist froh über die Ergänzung zum Supermarkt: „Ich möchte keine Eier aus Holland. Es tut gut, Erzeuger und Bauern hier zu unterstützen.“ Derselben Meinung ist Friedhilde Brendle. Sie kauft am Regiomaten Eier und lässt sich frische Milch aus dem Automaten: „Ich finde es genial“, sagt Brendle.

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