Freut sich auf das Reformationsfest: Bischof Frank Otfried July Foto: Lichtgut/Volker Hoschek

Es ist eine Mischung zwischen buntem Kirchentag, Mitmachprogramm auf Aktionsflächen, Diskussionsveranstaltungen, Glaubensfest und Kultur: Das Reformationsfest auf dem Schlossplatz in Stuttgart.

Stuttgart - Das Reformationsjubiläum neigt sich in Stuttgart mit einem Paukenschlag dem Ende zu. Auf dem Schlossplatz feiert die württembergische Landeskirche als Höhepunkt an zwei Tagen mit dem Festival „. . . da ist Freiheit“ 500 Jahre Reformation. Und eines muss man den Protestanten lassen: dieser Samstag und Sonntag kann sich mit anderen großen Festivals – wie etwa dem des SWR – messen.

Es ist eine Mischung zwischen buntem Kirchentag, Mitmachprogramm auf Aktionsflächen, Diskussionsveranstaltungen, Glaubensfest und Kultur. Zu den musikalischen Höhepunkten gehören kostenlose Konzerte mit Laith Al-Deen im Duett mit Cassandra Steen (Samstag, 21 Uhr) sowie Glasperlenspiel (Samstag, 16.30 Uhr). Abgerundet wird das Programm mit einem ökumenischen Gottesdienst mit den beiden Bischöfen Frank Otfried July und seinem katholischen Kollegen Gebhard Fürst sowie dem Tänzer Eric Gauthier. Den Auftakt bildet der Chor Gospel im Osten am Samstag um 12 Uhr. Die als verkopft geltenden evangelischen Christen zeigen damit laut Bischof Frank Otfried July, „dass auch der Protestantismus feiern kann“.

Am Ende geht es freilich darum, eine Botschaft in die Gesellschaft hinaus zu senden. „Daher feiern wir unser zentrales Reformationsfest im Zentrum der Stadt. Denn dort gehört Kirche hin: mitten in die Stadt, mitten in die Gesellschaft. Sichtbar und ansprechbar“, sagt Landesbischof July.

July fordert zum Wählen auf

Gemeint ist die Freiheitsbotschaft des Reformationsjubiläums. July appelliert daher an alle in der Region Stuttgart: „Kommt zahlreich und nehmt die Freiheitserfahrung Gottes mit.“ Dies sei, so beeilt sich July hinzuzufügen, keine im Individualismus aufgehende und grenzenlose Freiheit: „Die Freiheit, die wir bezeugen, ist eine wertgebundene Freiheit, eine an Jesus Christus zurückgebundene Freiheit.“

July, der am selben Tag wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geboren ist, verband seine Festival-Werbung mit einem Wahlaufruf. Die Besucher sollten am Sonntag unbedingt von ihrem Wahlrecht gebrauch machen. Denn das Wahlrecht sei auch eine Freiheit: „Diese Freiheit gibt uns die Freiheit, anderen zu helfen, die bedürftig sind. Andere zu achten. Und diese Freiheit lässt keine Toleranz gegenüber Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu. Deshalb rufe ich dazu auf, erst wählen und dann feiern zu gehen“, so July.

Auch Winfried Kretschmann ist dabei

Politisch wird es auch vor dem ökumenischen Festgottesdienstes am Samstag um 17 Uhr. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wird auf der großen Bühne vor dem Neuen Schloss ein Grußwort halten. Darin wird er die besondere Freiheitserfahrung, die die Reformation vor 500 Jahren gebracht hat, betonen: „Aus dieser Erfahrung erwächst für alle Menschen das Recht, frei zu sein, also so zu sein, wie sie sind. Und die Verantwortung, sich in dieser Verschiedenheit gegenseitig anzunehmen. Wir dürfen deshalb nicht nachlassen, in unserer Gesellschaft für das Recht auf Verschiedenheit einzutreten. Möge auch das Festival offen, bunt und fröhlich werden und signalisieren: Da ist Freiheit“, sagt Kretschmann.

Weitere Informationen zu „… da ist Freiheit – Das Festival“ und das Programm findet man im Internet unter www.da-ist-freiheit.de/das-festival.
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