Bürger aus Bougainville warten vor den Wahllokalen. Foto: AP/Jeremy Miller

Die Insel Bougainville will unabhängig werden. Einst hat hier Kaiser Wilhelm das Sagen gehabt – die Spuren der Vergangenheit sind auch noch an anderer Stelle zu sehen.

Stuttgart - Auf den meisten Globen und in der Mehrzahl aller Atlanten führt der westliche Pazifik ein gewisses Schattendasein. Irgendwo rechts unten, etwas oberhalb von Australien, da gibt es sehr viel Wasser, und mittendrin liegen ein paar versprengte Inselchen. Doch die verdienen durchaus Beachtung, so wie das hierzulande früher schon einmal der Fall gewesen ist. Da gibt es zum Beispiel noch heute den Bismarckarchipel, was darauf hindeutet, dass eine gewisse Beziehung gen Deutschland nicht von der Hand zu weisen ist. Und so ist es ja auch.

Deutsches Schutzgebiet im Kaiserreich

Die mehr als 200 Inseln des Archipels gehören heute zu Papua Neuguinea, waren dereinst aber Teil des deutschen Schutzgebietes, was sehr viel prosaischer klingt als Kolonie, im Großen und Ganzen aber genau das ist. Zwar ist das deutsche Engagement in Afrika heute stärker im öffentlichen Bewusstsein präsent, doch auch in der Südsee gab es ein Kaiser-Wilhelms-Land, nämlich den nordöstlichen Teil des heutigen Papua Neuguineas. Auch die benachbarte Insel Bougainville war deutsch – und sorgt nun für Aufsehen.

In einer Volksabstimmung haben sich nahezu 98 Prozent der rund 180 000 Stimmberechtigten dafür ausgesprochen, ein eigener Staat werden zu wollen, und die Unabhängigkeit von Papua-Neuguinea gefordert. Das Parlament der bisher autonomen Region muss dem zwar noch zustimmen, doch dieser breite Wille des Volkes kann praktisch nicht ignoriert werden. Bougainville ist damit auf dem Weg, der 194. Mitgliedsstaat der UN zu werden.

Der Südsudan war als letztes dran

Der Südsudan im Jahr 2011 und Montenegro im Jahr 2006 waren die beiden bisher letzten Neumitglieder der UN, insgesamt sind in diesem Jahrtausend sechs Nationen der Weltgemeinschaft beigetreten, neben den beiden genannten waren das Serbien und Montenegro sowie Tuvalu im Jahr 2000, zwei Jahre später noch die Schweiz und Ost-Timor. Ob Bougainville, das etwas kleiner ist als Baden-Württemberg, alleine überlebensfähig ist, das ist strittig – auch wenn es auf der Insel viel Kupfer, Gold und Silber gibt – und drumherum reiche Fischbestände. Die größte Kupfermine des Landes liegt aber seit 20 Jahren still und bräuchte Milliardeninvestitionen.

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