Beratung in der Nachbarschaft nennt die Deutsche Rentenversicherung den kurzen Weg zu ehrenamtlichen Rentenberatern wie Edgar Büchner. Foto: Ines Rudel

Jahrelang hat sich Edgar Büchner mit dem Allgaier-Chef Dieter Hundt um gerechte Löhne gezofft. Auch im Ruhestand lässt ihn sein soziales Gewissen nicht los.

Rechberghausen - - So manchen Strauß hat Edgar Büchner für seine Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Jahrzehnten ausgefochten. Als langjähriger Betriebsratsvorsitzender bei den Uhinger Allgaier Werken kämpfte der gelernte Werkzeugmacher als Gegenspieler zum geschäftsführenden Gesellschafter Dieter Hundt für gerechte Bezahlung, Weiterbildung und die 35-Stunden-Woche. Und in seiner Freizeit baute der Sozialdemokrat zusammen mit seiner Ehefrau Brigitte den Ortsverein der Uhinger Arbeiterwohlfahrt aus. Mit 64 Jahren, wenn andere längst aufs Altenteil streben, hat sich Büchner auch noch zum Rentenberater qualifiziert und berät ehrenamtlich seither ehemalige Weggefährten und viele andere.

Ein Mann mit einer sozialen Ader

„Eigentlich habe ich viel zu viel Freizeit geopfert“, sagt Büchner rückblickend mit Bedauern über sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement. Doch der mehrfache Großvater, der es mit 79 Jahren bis zu einem Urenkel gebracht hat, kann den Dienst am Nächsten nicht lassen. Und diese soziale Ader spiegelt auch sein Kredo wider: „Man kann nur was erreichen, wenn man voranmarschiert. Und wenn es glaubwürdig ist, folgen einem die Leute.“

Auf seinem exponierten Posten als Allgaier-Betriebsratsvorsitzender sei ihm übrigens gar nichts anderes übrig geblieben als zielstrebig voranzugehen. Immerhin hatte der Uhinger Automobilzulieferer für die IG Metall einen hohen Symbolwert, weil in Dieter Hundt damals kein Geringerer auf dem Chefsessel saß als der langjährige deutsche Arbeitgeberpräsident, der außerdem den Verband der baden-württembergischen Metallindustrie anführte. Folglich war Allgaier bei allen Warnstreiks immer ganz vorne mit dabei.

Dieter Hundt war ein harter, aber fairer Gegenspieler

Als hart aber fair bezeichnet Büchner die Zusammenarbeit mit Hundt. Der habe sich in der Sache mit ihm zwar ordentlich gezofft, aber unter dem Strich sei immer etwas für die Belegschaft herausgesprungen. An einen Besuch von Altkanzler und Hundt-Kumpel Gerhard Schröder (SPD) bei Allgaier erinnert sich Büchner dagegen mit gemischten Gefühlen. Denn während der Arbeitgeberpräsident Schröders rot-grünen Gesetzen zur Deregulierung des Arbeitsmarktes und den Einschnitten im Sozialsystem applaudierte, ging dem links orientierten Büchner bildlich gesprochen das Messer im Sack auf.

Heute kommt er sich manchmal vor wie ein Seelsorger, bekennt der 79-Jährige, denn als ehrenamtlicher Rentenberater, der der Schweigepflicht unterliegt, wird er auch mit schweren Schicksalen und mancher Ungerechtigkeit konfrontiert. „Nach 40 Jahren Arbeit sieht man die sozialen Unterschiede letztlich als Summe auf dem Rentenbescheid, nur die Miete bleibt im Zweifel gleich hoch“, merkt Büchner an.

Seit 15 Jahren ehrenamtlicher Rentenberater

Schwere Schicksale dürfe man nicht so an sich heran lassen, immerhin wolle er ja in der Lage sein zu helfen, erläutert Büchner sein Rezept, während er die zahlreichen Broschüren rund um die Themen Alters-, Witwen- und Waisen- sowie Erwerbsminderungsrente in seinem Büro ordnet. Dieses Ehrenamt unter dem Dach der Deutschen Rentenversicherung hat er inzwischen seit 15 Jahre inne und ist dafür von der Vertreterversammlung unlängst geehrt worden.

„Ein Jahr lang bin ich bekniet worden. Dann habe ich Ja gesagt,“ sagt Büchner über seine damalige Berufung, die die IG Metall hartnäckig betrieben hatte. Ganz fremd war ihm die Materie freilich nicht, denn während seiner gut 35-jährigen Betriebsratstätigkeit, davon allein 20 Jahre als Vorsitzender, habe auch das Thema Rente oft eine Rolle gespielt.

Seine Hilfe bietet Büchner bei den regelmäßigen Sprechstunden an, die er bei sich zuhause in Rechberghausen, aber auch abwechselnd mit zwei Kollegen im SPD-Bürgerbüro am Schillerplatz in Göppingen anbietet. „Ich berate jeden, der kommt“, erklärt Büchner, das sei unabhängig vom Alter, der beruflichen Laufbahn oder dem Wohnort. Vor allem Menschen, die den Gang zu einer Behörde scheuten, nähmen seine Hilfe beim Rentenantrag gerne an. Das sei oft eine langwierige Aufgabe, beispielsweise wenn es Klärungsbedarf beim Rentenkonto gebe. Dabei gehe es häufig um die Anrechnung von Zeiträumen, in denen ein Arbeitnehmer selbst keine Beiträge gezahlt habe, während der eigenen Schulausbildung oder der Kindererziehung zum Beispiel. Die Anrechnung für diese Zeiten müsse eigens beantragt werden und sei bares Geld.

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