Eine starke Taschenlampe gehört zur Grundausrüstung bei der Rebhuhn-Zählung, die Michael Eick hier vornimmt. Foto: /Gottfried Stoppel

Wie viele der selten gewordenen Rebhühner gibt es noch auf dem Schmidener Feld? Um das herauszufinden sind am Wochenende Mitglieder des Nabu Fellbach und andere Interessierte mit Taschenlampen und Ferngläsern ausgerüstet zu einer Zählaktion ausgerückt. Und sind in mehrfacher Weise fündig geworden...

Fellbach - Wo stecken sie bloß? Michael Eick lässt den Strahl seiner lichtstarken Taschenlampe über einen Acker unweit der Festhalle in Fellbach-Schmiden huschen. Es ist ein kühler, aber trockener Samstagabend, kurz nach 18 Uhr – und stockdunkel. Ideale Bedingungen, um nach dem Tier Ausschau zu halten, das Michael Eick „das Phantom des Feldes“ nennt: das Rebhuhn.

Was für Laien zunächst etwas absurd klingt, macht mit der Erklärung des Rebhuhn-Experten durchaus Sinn. Der Hühnervogel ist dank seines graubraunen Gefieders perfekt getarnt und am Tage kaum in der Ackerlandschaft auszumachen. Nachts aber glitzern seine Augen im Schein einer starken Taschenlampe verräterisch auf – was Michael Eick, Vorstandssprecher des Nabu Fellbach, sich bei seiner Zählaktion zunutze macht: „Hasen zählt man auf diese Weise, das nennt sich Scheinwerfer-Taxation. Bei Rebhühnern geht das auch, selbst wenn es nicht als Methodenstandard anerkannt ist.“

Wie am Schnürchen: eine Rebhuhn-Kette

Michael Eick verteilt Ferngläser an die sechs warm eingemummelten Frauen und Männer, die an diesem Abend mit ihm auf die Pirsch gehen. Dann schultert er einen schweren Rucksack, in dem sich die Ausrüstung für eine mehrwöchige Trekkingtour verstauen ließe. Tatsächlich stecken aber einige große Taschenlampen, ein Fernglas, ein Stativ und eine Profifotokamera mit gewaltigem Objektiv darin.

Das nächste Feld, auf dem Senf als Gründünger fast mannshoch wuchert, lässt Michael Eick links liegen. „Da müssen wir erst gar nicht suchen, da werden die Hühner nicht reingehen“, sagt er. Denn um die Nacht zu überleben und Beutegreifer wie den Fuchs rechtzeitig zu sehen, braucht das Rebhuhn freie Sicht nach allen Seiten. Stoppeläcker oder Äcker mit frisch eingesätem Wintergetreide sind ideale Nachtplätze. „Der ganze Familienverband bleibt über den Winter zusammen bis zum Frühjahr“, erklärt Michael Eick. Da Rebhühner bis zu 20 Eier legen, kommt also trotz Verlusten eine Großfamilie zusammen. Im Fachjargon spreche man von „Rebhuhn-Ketten“, sagt Michael Eick, „weil die Hühner gerne wie am Schnürchen hintereinander laufen“.

Der Nabu-Mann lässt seine Taschenlampe über einen abgeernteten Rübenacker schweifen. Etwa hundert Meter entfernt leuchten Augen auf. Schnell nimmt die Gruppe die Ferngläser hoch und linst durch. „Ein Hase“, stellt Michael Eick ein wenig enttäuscht fest, schwenkt weiter, es glitzert erneut. Ein Rebhuhn? „Ein Steinkauz“, sagt Eick und schaut dem davonflatternden Käuzchen hinterher. „Hier ist ja richtig was los“, sagt eine Teilnehmerin beeindruckt. Nur das Rebhuhn macht sich rar.

Vor kurzem sei ihm ein Dutzend Rebhühner jenseits der Straße gemeldet worden, sagt Michael Eick – und schlägt einen Abstecher vor. Zuvor will er aber den hinteren Teil des Ackers in Augenschein nehmen. Langsam wandert der Strahl der Lampe von rechts nach links. Plötzlich ruft Michael Eick „Jackpot!“ Und zählt: „Eins, zwei, drei, vier... 13.“

Blühstreifen bieten Schutz und Nahrung

Tatsächlich – durchs Fernglas sind mehrere dunkle Häufchen zu erkennen, dicht aneinandergedrängt sitzen sie in einer Kuhle, die glitzernden Augen beobachten das seltsame Treiben auf dem Feldweg. „Rüben- oder Kartoffeläcker bieten eine gute Struktur, sie sind nicht so hoch und der Boden bleibt zum Teil offen, sodass die Hühner scharren können“, erklärt Michael Eick, während er seine Kamera auspackt und am Stativ befestigt. Die Rebhuhn-Familie hat sich derweil ein gutes Stück weg vom Weg verkrümelt. Sicher ist sicher. Aufs Foto kommt sie aber doch.

„Sind das jetzt die Rebhühner, die gemeldet wurden?“, fragt sich das Suchteam – und beschließt, diesen Standort auch noch abzuchecken. Unterwegs glitzern etliche Hasenaugen im Schein der Taschenlampe, eine Feldlerche lässt ein müdes Zwitschern hören. Ein großes Problem sei die Monotonie in der Landschaft, die immer größeren Äcker, sagt Michael Eick: „Rebhuhn und Hase sind Grenzliniengänger und haben früher von der schwäbischer Realteilung profitiert, denn die bot viel Abwechslung, Verstecke und Nahrung.“ All das schwindet durch immer größere Ackerflächen: „Deshalb sind Blühstreifen wichtig, auf denen sich Insekten über mehrere Jahre entwickeln können.“

Angekommen am abgeernteten Maisfeld ist erst mal nichts zu sehen. Das Grüppchen macht sich zum Rückweg bereit, als Michael Eick doch noch fündig wird. Dieses Mal zählt er zwölf Vögel im Lampenschein – und ist wie seine Begleiter im Glück. Zwei Rebhuhn-Ketten in knapp zwei Stunden. „Sensationell“, sagt Michael Eick – und hofft nun im kommenden Jahr auf um die zehn Brutpaare.

Hilfe für das Rebhuhn

Hühnervogel:
Die etwa taubengroßen Rebhühner mit graubraunem Gefieder sind Kurzstreckenflieger, können aber sehr schnell laufen. Ihr Bestand auf dem Schmidener Feld ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen – laut Michael Eick vom Nabu Fellbach um mehr als 90 Prozent. Während er im Jahr 2000 knapp 120 Brutpaare zählte, ist er zuletzt auf gerade einmal sieben Paare gekommen. Die jüngste Zählung lässt ihn auf neun bis elf Brutpaare im Jahr 2020 hoffen. Ein seiner Ansicht nach längerfristig realistisches Ziel wären angesichts der nun laufenden Maßnahmen mit Blühstreifen 50 Brutpaare.

Schutzmaßnahme:
Auf dem Schmidener Feld läuft seit dem Jahr 2012 ein Modellprojekt der Stadt Fellbach, in das sich inzwischen das Landratsamt eingeklinkt hat. Die Stiftung Naturschutzfonds fördert das Projekt. In dessen Zuge werden Grundstücke für einige Zeit nicht bewirtschaftet, sondern in Blühbrachen umgewandelt. Das heißt, sie werden so bepflanzt, dass sie den Rebhühnern Lebensraum, Deckung und Nahrung bieten.

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