Am 14. Juli 2015 erreichte New Horizons als erste Raumsonde Pluto. Am 1. Januar 2019 passierte sie das Kuipergürtelobjekt (486958) 2014 MU69 – „Arrokoth“ genannt. Foto: /Nasa/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute (JHUAPL/SwRI))

Anfang 2019 passierte die Nasa-Raumsonde New Horizons einen Himmelskörper im 6,5 Milliarden Kilometer von der Erde entfernten Kuipergürtel. Jetzt hat die US-Raumfahrtbehörde dem Objekt den indianischen Namen „Arrokoth“ – für Himmel – gegeben.

Washington - Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat einem rund 6,5 Milliarden Kilometer von der Erde entfernten Himmelskörper im Kuipergürtel jetzt offiziell den Namen „Arrokoth“ gegeben. Dieser Name sei der Sprache der Algonquin- und Powhatan-Indianer entnommen und bedeute „Himmel“, schreibt die Nasa am Dienstag auf ihrer Website.

Anlass für die Taufe war der Vorbeiflug der Raumsonde New Horizons an dem Himmelskörper, der mit seiner Form an einen Schneemann erinnert. Es war das bislang am weitesten von der Erde entfernte Rendezvous einer Sonde mit einem Himmelskörper.

„Arrokoth“ – „Ultima Thule“: indianisch statt antisemitisch

Die Raumsonde New Horizons war 2006 gestartet und hat auf ihrem Weg am Jupiter vorbei zuletzt vor vier Jahren das System des Pluto erforscht, ehe sie in die Weiten des Weltraums vorstieß. Im Kuipergürtel befinden sich nach Nasa-Angaben Tausende von „kleinen Eiswelten“. Übergangsweise hatten die Wissenschaftler den Himmelskörper „Ultima Thule“ genannt.

Dieser Name jedoch erwies sich als nicht ganz glücklicher Griff, nachdem US-Medien die Verbindung des Begriffs „Thule“, der in der Mythologie eine weit entfernte Insel im Norden beschreibt, mit Wegbereitern des Nationalsozialismus in Deutschland und rechten Gruppierungen in den USA hergestellt hatten. So entwickelte sich die antisemitische Thule-Gesellschaft, die 1918 in München gegründet wurde, laut dem Historischen Lexikon Bayerns zur zentralen Wegbereiterin der nationalsozialistischen Bewegung.

Blick der Menschen in den Himmel

Nach Angaben vom TV-Sender CNN hatte Nasa-Missionschef Alan Stern früher in diesem Jahr betont, dass der Begriff deutlich älter sei als die Nazi-Ideologie: „Ich würde sagen, nur weil einige Bösewichte diesen Begriff einst mochten, werden wir nicht zulassen, dass sie ihn entführen.“

Da „Ultima Thule“ aber nur als zwischenzeitlicher Name gedacht war, nannte die Nasa den Himmelskörper nun offiziell „Arrokoth“. Der Name stehe für den Blick der Menschen in den Himmel, und für deren Gedanken über die Sterne und andere Welten, heißt es in dem Nasa-Bericht.

Lesen sie hier: Meteor über Stuttgart – Meteore und andere Himmelsobjekte

1. Januar 2019: New Horizons fliegt an „Arrokoth“ vorbei

Dreieinhalb Jahre nach ihrer erfolgreichen Passage am Zwergplaneten Pluto im Juli 2015 war New Horizons am 1. Januar 2019 in einem Abstand von nur 3500 Kilo­metern an dem sogenannten transneptunischen Objekt (486958) 2014 MU69 im Kuipergürtelvorbeigeflogen. „Arrokoth“ ist mit einer Entfernung des 44-Fachen-Abstands Erde-Sonne noch einmal erheblich weiter von der Sonne entfernt als der Zwergplanet Pluto. New Horizons weitere anderthalb Milliarden Kilometer zu ihrem neuen Ziel im Kuipergürtel zurücklegen.

„Arrokoth“ wurde im Juni 2014 mit dem Weltraumteleskop Hubble bei einer gezielten Suche nach möglichen Zielen für die Nasa-Raumsonde aufgespürt. Der maximale Durchmesser des Gesteinsbrockens beträgt 35 Kilometer.

Lesen sie hier: Abwehr von Asteroiden – Wie Forscher die Erde gegen Geschosse aus dem Weltall schützen wollen

70 000 Himmelskörper im Kuipergürtel

Schätzungen zufolge enthält der Kuipergürtel mehr als 70 000 Objekte mit über 100 Kilometer Durchmesser sowie zahlreiche kleinere Objekte. Die meisten von ihnen sind mit einem Durchmesser von zehn bis 50 Kilometern wie „Arrokoth“ eher winzig. Mit einem Durchmesser von 2370 Kilometern gilt Pluto als größter Zwergplanet im Kuipergürtel.

Das erste Objekt des Kuipergürtels wurde 1992 entdeckt, womit Kuipers Theorie bestätigt wurde. Weil diese Objekte sehr wenig Licht abstrahlen und sich nur langsam bewegen, sind sie schwer zu erkennen. Um die Sonne einmal zu umrunden, brauchen sie in der Regel mehrere hundert Jahre.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: