Leroy Sané (li.) und Ilkay Gündogan wurden während des Länderspiels gegen Serbien in Wolfsburg von Zuschauern beleidigt. Foto: dpa

Der Fußball kämpft an vielen Fronten gegen Rassismus und Diskriminierung. Das ist gut. Genauso wichtig ist es, es in konkreten Fällen nicht bei Worten und Kampagnen zu belassen, kommentiert unser Autor Dirk Preiß die Vorkommnisse in Wolfsburg.

Stuttgart/Wolfsburg - Es ist noch keine zwei Wochen her, da lief der VfL Wolfsburg in der Fußball-Bundesliga mit einem Sondertrikot auf. Anstelle des Sponsorenlogos prangte auf der Brust der VW-Kicker ein Kreis, gefüllt mit den Farben eines Regenbogens. Darauf stand geschrieben: #Vielfalt. Es war ein Zeichen für Toleranz – sowie gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung. Im gleichen Stadion geschieht wenige Tage später ausgerechnet dies: Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung.

Während des Spiels der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Serbien sind die Spieler Leroy Sané und Ilkay Gündogan – beide haben einen Migrationshintergrund – von Zuschauern rassistisch beleidigt worden. Bekannt wurde dies, weil ein Journalist, der privat im Stadion weilte, dies auf der Tribüne angesprochen und hinterher im Internet publik gemacht hat. Was ihn neben den widerlichen Aussagen der Pöbler fassungslos machte: dass er keine Unterstützung anderer Zuschauer erhielt.

Kampagnen alleine reichen nicht

War es Angst, war es Gleichgültigkeit, war es womöglich sogar Verständnis für diese beschämende Haltung? Unmöglich, es herauszufinden. Sonnenklar dagegen sind die Konsequenzen, die ein solcher Vorfall haben muss.

Einerseits tut vor allem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gut daran, derartige Szenarien nicht allein mit der Verbreitung von Slogans zu beantworten. Ja, es ist richtig, dass der gesellschaftlich wohl einflussreichste deutsche Sportverband Kampagnen fährt, Initiativen startet, Preise vergibt, das Thema aktuell hält, Botschafter ernennt, seine „Fans“ vor allem bei Auswärtsspielen genau unter die Lupe nimmt und rassistische Vorfälle, wie nun geschehen, „aufs Schärfste“ verurteilt. Doch geht es immer wieder auch darum, konkrete Konsequenzen zu ermöglich.

Polizei vernimmt die Personen

Im aktuellen Fall gab es dank der Augenzeugen die Möglichkeit, Sitzplatznummern und Kartenkäufer ausfindig zu machen. Die Beamten ermitteln, die Personen sind mittlerweile bei der Polizei vorstellig geworden – weil das Untertauchen in einer anonymen Masse so nicht mehr möglich war. Hetzer werden also gezielt verfolgt. Und das ist gut so. Wer Gewalttäter mit Stadionverboten belegt, muss im Falle von Rassismus mit der gleichen Konsequenz handeln. Dies ist die eine Seite.

Andererseits ist es im Rahmen des Sports nicht anders als im Alltag. Der Kampf gegen Rechtsextremismus in deutschen Fußballstadien – der nachweislich verbreitet ist – kann nur dann wirksam geführt werden, wenn im direkten Umfeld nicht weggeschaut wird. Und diejenigen, die die Stimme erheben, brauchen öffentliche Unterstützung, helfende Ansprechpartner und im Zweifel Schutz. Auch das lehrt der Fall von Wolfsburg – der Journalist, der die Vorfälle öffentlich gemacht hat, wird über die Sozialen Netzwerke mittlerweile teilweise beschimpft und bedroht.

Was nur zeigt, wie wichtig es ist, mutig und konsequent gegen solch widerliche Auswüchse vorzugehen.

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