Bulgariens Nationaltrainer Krassimir Balakov will von den rassistischen Vorfällen während dem Spiel nichts mitbekommen haben. Foto: dpa/Fredrik Von Erichsen

Beim EM-Qualifikationsspiel Bulgarien gegen England kam es zu beschämenden Szenen. Bulgarische Fans zeigten offen Rassismus. Bulgariens Nationaltrainer Krassimir Balakov will von alldem nichts mitbekommen haben.

Sofia/London - Es waren beschämende Szenen, die am Montagabend in Sofia zu beobachten und deutlich zu vernehmen waren. Affenlaute, Hitlergrüße, von den bulgarischen Fans auf den Tribünen wurde Rassismus deutlich zum Ausdruck gebracht. Die Partie der Bulgaren gegen England (0:6) stand zweimal (28., 43. Minute) kurz vor dem Abbruch. Der Stadionsprecher musste die eigenen Anhänger mehrmals zur Mäßigung auffordern, zuvor hatte der kroatische Schiedsrichter Ivan Bebek ein klares Signal zum Abbruch gegeben.

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Von alldem will Bulgariens Nationaltrainer Krassimir Balakov nichts mitbekommen haben. „Ich habe nichts gehört, ich war total auf das Spiel fokussiert“, ließ der ehemalige VfB-Spieler nach dem Spiel verlauten. „Wenn das stimmt, müssen wir uns dafür entschuldigen. Aber erst einmal muss es bewiesen werden“, so Balakov weiter. In einem Mixed-Zone-Interview sprach Balakov zuerst sogar davon, dass das Fehlverhalten von den englischen Fans ausging. Aussagen, die in einem krassen Missverhältnis zu dem stehen, was Hunderte im Stadion und Tausende vor den TV-Bildschirmen wahrnehmen konnten. Bereits im Vorfeld der Begegnung hatte Balakov mit der Aussage für Wirbel gesorgt, England hätte ein größeres Problem mit Rassismus als Bulgarien.

Die englische Mannschaft überlegte kurzzeitig, das Spielfeld zu verlassen. Wie Kapitän Jordan Henderson nach dem Spiel ausführte, verzichteten die „Three Lions“ allerdings darauf, weil „sonst die Rassisten gewonnen hätten“, wie Henderson betonte. Die mitgereisten englischen Anhänger reagierten mit Gesängen auf die Situation: „You know what you are, You know what you are, You racist bastards, You know what you are”. Ebenfalls angestimmt wurde „Who put the ball in the racists’ net? Raheem fucking Sterling!“ Videos dieser Gesänge gehen auf Twitter viral. Sterling, der im Spiel drei Tore erzielt hatte, äußerte sich später via Twitter auch noch zu Balakovs Einlassungen.

Es ist nicht das erste Mal, dass bulgarische Anhänger durch rassistische Verfehlungen auffallen. Die Partie gegen England war bereits vor teilweise leeren Rängen ausgetragen worden. Als Wiederholungstäter droht dem bulgarischen Verband BFS ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Artikel 14 der Rechtspflegeordnung der UEFA sieht dieses sowie eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro bei einem wiederholten Fall nämlich vor.

Die bulgarische Regierung hat mittlerweile den Rücktritt des Präsidenten des bulgarischen Fußballverbandes, Borisslaw Michailow, gefordert. Das sagte Sportminister Krassen Kralew am Dienstag in Sofia. Bis zum Rücktritt wolle die Regierung die Beziehungen zum Fußballverband aussetzen - auch die finanziellen Zuwendungen sollen eingestellt werden, sagte Sportminister Kralew.

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