Die Gäste interessierten sich unter anderem für das Neubauprojekt der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft an der Böckinger Straße. Foto: Torsten Ströbele

Die Stadtverwaltung hat Bürger eingeladen, um mit ihnen über den neuen Rahmenplan zu diskutieren.

Stuttgart-Rot - Der Zuffenhäuser Stadtteil Rot ist am Donnerstag im Bürgerhaus an der Auricher Straße in den Fokus gerückt worden. Die Stadtverwaltung arbeitet derzeit an einem Rahmenplan, der das „Wohnraumangebot in Rot weiterentwickeln und die vorhandenen Freiräume aufwerten“ soll. „Wir wollen die Zukunft des Stadtteils mit Ihnen gemeinsam entwickeln und diskutieren“, sagte Baubürgermeister Peter Pätzold zu den Gästen im Bürgerhaus. Man wolle sich Rot genau anschauen. „Welches Alter haben die Gebäude erreicht? Was haben die Baugenossenschaften vor? Wie sieht es mit Kindertagesstätten, der Nahversorgung und dem öffentlichen Raum aus?“ Nun seien die Bürger an der Reihe, ihre Wünsche, Anliegen und Anregungen einzubringen, betonte auch Bezirksvorsteher Gerhard Hanus.

Auch wenn der Rahmenplan für ein insgesamt rund 87 Hektar großes Gebiet aufgestellt werden soll, standen am Donnerstagabend erst einmal zwei Großprojekte im Vordergrund. Zum einen handelte es sich um eine einst landwirtschaftlich genutzte Fläche zwischen Böckinger Straße und Schrebergärten sowie zwischen der Verbindung Taläckerstraße/Rotweg und Bahnlinie. Dort möchte die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) bis zum Jahr 2024 insgesamt 300 neue Wohnungen bauen lassen. Etwa die Hälfte davon sollen Sozialwohnungen sein. „An keiner anderen Stelle in der Stadt können wir so viele Wohnungen schaffen wie hier“, sagte der SWSG-Geschäftsführer Samir M. Sidgi. Allerdings muss das Grundstück erst einmal noch erworben werden. Es gehört dem Bund. „Wir verhandeln zwar derzeit noch, aber wir sind in guten Gesprächen“, betonte Sidgi.

Die Planungen für dieses potenzielle Neubaugebiet laufen bei der SWSG aber schon auf Hochtouren. Da das geplante Wohnquartier an der Böckinger Straße an die Bahnlinie grenzt, haben schon Gespräche mit der Deutschen Bahn stattgefunden. Eine Lärmschutzwand und sogenannte Unterschottermatten an den Gleisen sollen für weniger Lärm sorgen. „Sogar bei der Internationalen Bauausstellung (IBA), die bis 2027 in der Region Stuttgart stattfindet, könnte das Projekt ein Beispiel für modernes Wohnen abgeben“, war am Donnerstag auf einem SWSG-Plakat zu lesen.

Das Immanuel-Grözinger-Haus bleibt stehen und wird modernisiert

„Die IBA ist ein offenes Buch“, sagte der Technische Geschäftsführer der SWSG, Helmuth Caesar. Die Stadtplanung sei auf sie zugekommen, auch aufgrund der unterschiedlichen Wohnformen, die an der Böckinger Straße geplant sind. „Wir können uns dort Pflege-Wohngemeinschaften, gesellschaftliches Wohnen und auch ein Leuchtturmprojekt vorstellen“, sagte Caesar. Die SWSG möchte eventuell ein Haus bauen lassen, das komplett recycelt werden kann. „Wir diskutieren darüber sehr offen.“ Ob das Projekt letztendlich Teil der IBA sein werde, könne er aber nicht versprechen, erklärte Caesar. „Die Entscheidung fällt glaube ich erst im Jahr 2026. Aber es ist unser Ehrgeiz und unser Anspruch, vorne mit dabei zu sein.“

Auch das Wohnheim Immanuel-Grözinger-Haus (IGH) der Evangelischen Gesellschaft (eva), in dem alleinstehende Männer mit sozialen Schwierigkeiten leben, soll Teil des Neubauprojekts an der Böckinger Straße werden. „Das altehrwürdige Hochhaus ist in die Jahre gekommen“, sagte Axel Glühmann von der eva. Etwa 50 Jahre sei es alt und müsse dringend saniert werden. Rohre, Leitungen, Elektrik: alles sei nicht mehr auf dem neuesten Stand der Dinge. Nun habe man die Gelegenheit, durch das SWSG-Projekt einiges zu verändern. 144 Plätze hat das IGH. „Etwa die Hälfte wird im Hochhaus bleiben. Ein paar Menschen ziehen ins nahe gelegene Christoph-Ulrich-Hahn-Haus an die Himmelsleiter“, sagte Thomas Winter von der eva. Den frei werdenden Platz im Hochhaus werde man dann nutzen, um die Wohnqualität in der stationären Langzeithilfe zu verbessern. „Die Schubladenzimmer mit ihren elf Quadratmetern gehören dann der Vergangenheit an“, erklärt Glühmann. Der teilstationäre Bereich ziehe dann in das Neubaugebiet. „Wir werden dafür wohl zwei Häuser von der SWSG anmieten“, sagte Thomas Winter. Zudem sollen zwölf Plätze für das Betreute Wohnen verstreut im Gebiet unterkommen. Weiterhin Teil des IGH-Konzeptes wird die Gärtnerei sein, die seit 2003 gepachtet wird. Den Bewohnern soll eine Tagesstruktur gegeben werden. Unter anderem gibt es eine Radwerkstatt, ein Café, eine Bienenzucht, und es werden Hühner gehalten. „Ein Drittel des bestehenden Gartens inklusive des Cafés bleiben erhalten“, sagt Winter. Zum Ausgleich bekomme man an anderer Stelle im Gebiet eine größere Fläche, die man dann künftig zusätzlich nutzen werde.

Mehr als 170 neue Wohnungen sollen an der Fleiner Straße entstehen

Das zweite große Projekt, das am vergangenen Donnerstag vorgestellt wurde, befindet sich an der Ecke Fleiner Straße/Rotweg. Die Baugenossenschaft Zuffenhausen (BGZ) und die Baugenossenschaft Neues Heim wollen dort abreißen und neu bauen. „Wir haben da derzeit gemeinsam rund 170 Wohnungen. Die Zahl soll sich erhöhen“, sagte Rüdiger Maier von der Baugenossenschaft Neues Heim. Und Bernd Heinl (BGZ) ergänzte: „Der Bestand ist nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen neue Grundrisse und Barrierefreiheit. Es wird für jeden etwas dabei sein.“ Zudem werde man das Parkplatzproblem im Quartier mit Tiefgaragen lösen. Unter anderem in Kooperation mit dem Verein Integrative Wohnformen, der Baugenossenschaft Flüwo und der Else-Heydlauf-Stiftung soll rund um das Neubauvorhaben das Wohnquartier Plus entstehen – mit ambulantem Pflegedienst, Tagespflege, Wohncafé und Kindertagesstätte.

Viele Gäste im Bürgerhaus waren von den Konzepten angetan, andere wiederum wollten lieber, dass die Wohnungen an der Fleiner Straße und am Rotweg erhalten bleiben. Ein Abriss sei nicht nötig. Mieter hätten in ihre Wohnungen investiert. Zudem sei der Aufwand eines Umzuges immens hoch. Ältere Anwohner würden gerne ihren Lebensabend in den Wohnungen verbringen, hieß es. „Mieter werden aber nicht gehört und dürfen nur zahlen“, wurde kritisiert. Wiederum andere Bürger mahnten, dass bei all den baulichen Projekten der alte Baumbestand nicht abgeholzt werden und keine Betonwüste entstehen solle.

„Der Rahmenplan wird nun weiterentwickelt und im Gemeinderat diskutiert“, sagte Kathrin Steimle vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung. Das heute sei nur der Beginn eines Prozesses gewesen, den die Bürger aus dem Stadtteil Rot weiter begleiten werden.

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