Willy Spindler streichelt einen seiner reptilen Lieblinge Foto: Kovalenko

Räumungsklage und Ermittlungen wegen Betrugs zwingen Schaustellerfamilie zur Abreise nach Bayern.

Hessigheim/Ludwigsburg - Aufatmen im Weinbauort Hessigheim, Kreis Ludwigsburg. Nach über vier Monaten Aufenthalts auf dem Festplatz der Gemeinde zieht Willy Spindler mit seiner Familie, den 15 Fahrzeugen und seinen 300 Reptilien weiter. In einem Vertrag, den er mit Bürgermeister Günther Pilz geschlossen habe, verpflichte er sich innerhalb von zehn Tagen, den Festplatz zu räumen. Die mittlerweile aufgelaufenen Schulden, die der Schausteller selbst auf 10.000 Euro beziffert, beabsichtige er in monatlichen Raten zu 200 Euro an die Gemeinde zurückzuzahlen. Der Betrag setzt sich vor allem aus nichtbezahlten Stromrechnungen zusammen. Damit seine wechselwarmen Schlangen und Echsen die Frostperiode im Januar und Februar überlebten, ließ Spindler in den Wagen zahlreiche Elektroheizungen laufen.

Nach eigenen Angaben reist das Unternehmen in Richtung Bayern und Österreich ab. Die erste Station sei Straubing an der Donau. Weil er im benachbarten Deggendorf geboren sei, kenne er sich dort aus. Der Zoochef erwartet, dort auf Behörden und Beamte zu treffen, die ihm eine Reisegewerbekarte ausstellen. Ohne dieses Papier dürfen Spindler und seine Familie ihre Krokodilschau nicht zeigen. Dies war während des Hessigheim-Aufenthalts der Fall. Ohne Auftritte blieb das Unternehmen allerdings auch ohne Einnahmen . Die für den Unterhalt der Tiere notwendigen 400 bis 500 Euro in der Woche seien durch die Nebentätigkeiten seiner Frau und seines Sohnes und durch Spenden zusammengekommen. „Um die Stromkosten und die Miete ebenfalls zu bezahlen, hat das Geld nicht gereicht“, führt Spindler zu seiner Entschuldigung an.

Die Reisegewerbekarte hätte das Ludwigsburger Landratsamt ausstellen müssen. Die Behörde weigerte sich allerdings, weil das polizeiliche Führungszeugnis des Schaustellers durch etliche Einträge belastet sei.

„Endlich ist der Spuk vorbei“

Trotz dieser Schwierigkeiten versuchte der Hessigheimer Bürgermeister Günther Pilz der Schaustellerfamilie und ihren Tieren zu helfen. Er regte in diesem Zusammenhang an, die Krokodilschau in einer Art Benefizveranstaltung zu zeigen. Bevor es dazu kam, verfasste Spindler vor wenigen Tagen eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Bürgermeister. Die, so der Reptilienfreund, habe einzig und allein dazu dienen sollen, den Bürgermeister gegenüber dem Landratsamt aus der Schusslinie zu nehmen.

Der Schuss ist gründlich daneben gegangen. Pilz hat die Beschwerde gegen seine Person ernst genommen und dem Unternehmen umgehend eine Räumungsklage zukommen lassen. Gleichzeitig unterrichtete das Landratsamt die Staatsanwaltschaft in Heilbronn von den Vorgängen in Hessigheim. Die Ermittlungsbehörde prüft mittlerweile, ob sie wegen Betrugs gegen Spindler vorgehen soll. Unter dem Druck dieser Entwicklung, so der Hessigheimer Bürgermeister, habe Spindler, das Papier für die Räumung des Platzes und die Modalitäten für die Rückzahlung der Schulden unterschrieben.

Wie es aus dem Rathaus hieß, hält sich der Zoochef an die Abmachung. Die ersten Wagen seien bereits abgereist. „Endlich ist der Spuk vorbei“, atmet Pilz erleichtert auf. Er, die Verwaltung und der Gemeinderat könnten sich jetzt wieder den eigentlichen Aufgaben der Gemeinde widmen. Dies sei wegen des Reptilien-Ärgers zuletzt nicht möglich gewesen.

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