Die Entwicklerin Maria Yablonina hat in Stuttgart über die Zukunft der Robotik geredet. Foto:  

Die Veranstaltungsreihe Ted x verbindet in Stuttgart Themen der Wirtschaft mit Entertainment, Technologie und gesellschaftlichen Fragestellungen – das passt zum Trend, Unternehmertum mit Verantwortung zu verknüpfen.

Stuttgart - Über die Grenzen hinausdenken – das gilt heute als Schlüssel für die wirtschaftliche Entwicklung. Auch in Stuttgart gibt es immer mehr Veranstaltungen, die den Anspruch haben, Unternehmer und andere Macher jenseits des Alltagsgeschäfts zu inspirieren.

Die schon vor dem Internet-Hype in den achtziger und neunziger Jahren aus einem Event in Kalifornien hervorgegangene Veranstaltungsreihe namens Ted x legt hier die Messlatte noch etwas höher und will sich von den eher nutzwertorientierten Formaten abheben. Bisher haben weltweit mehr als zehntausend Veranstaltungen in 2500 Städten stattgefunden – im Herbst gibt es auch wieder eine in Stuttgart. Die Anmeldung läuft nun an.

Die Vorträge folgen strengen Regeln

„Ideen, die es wert sind, dass sie sich ausbreiten“ - so einfach, aber gleichzeitig offen ist das Motto der Veranstaltungsreihe. Man sucht „jene, die verrückt genug sind, zu glauben, die Welt verändern zu können und jetzt bereits daran glauben“. Doch die Rahmenbedingungen sind streng: Die maximal 18 Minuten langen Vorträge sollen ohne Manuskript gehalten werden. Jeder Redner, der eingeladen wird, bekommt vorher so lange ein Training bis die Präsentation sitzt. Strenge Regel Nummer zwei: Keine Unterbrechungen, keine Publikumsfragen. Alle Vorträge muss man in den dreieinhalb Stunden am Stück absitzen. Sie gibt es anschließend aber auch per Video. „Die volle Dröhnung gehört dazu“, sagt Mitveranstalter Dirk Haun. Für den Austausch gibt es dazwischen eine einstündige Pause. Dennoch sind die 400 bis 500 Tickets schnell ausverkauft.

Die Einnahmen decken allein die Kosten, Honorare werden keine gezahlt. Alles ist ehrenamtlich. Bemerkenswert: Zehn der 15 Organisatoren in Stuttgart sind Frauen. Ziel ist es, inspirierenden Persönlichkeiten eine Plattform zu bieten, die noch nicht so in der ersten Reihe stehen. Wer den Namen Ted x nutzen will, braucht eine (kostenfreie) Lizenz. Die Reihe ist politisch-ideologisch neutral. Querdenken steht im Mittelpunkt, der Kessel Buntes ist Programm. Auch vor wolkigen Überschriften hat man keine Scheu. So heißt der Titel der nächsten Stuttgarter Veranstaltung übersetzt ganz schlicht: „Lass ein kleines Licht leuchten.“

Persönliche Inspiration im Mittelpunkt

„Wir verbinden Wirtschaft mit Entertainment, Technologie und Design“, sagt Verena Smykalla aus dem Stuttgarter Organisationsteam von Ted x. Emotionen und die menschliche Dimension gehören dazu: Jeder Redner soll auch eine persönliche Geschichte erzählen. Insbesondere auch Teilnehmer aus der Wirtschaft, die sich für die Schnittstelle von Technologie und Gesellschaft interessieren, sind eine Zielgruppe.

Beim aktuellen Event im September präsentiert sich beispielsweise das Stuttgarter Start-up Raupe Immersatt, das in seinem Café Lebensmittel verwendet, die sonst weggeworfen würden. In weiteren Vorträgen geht es um Batterien aus nachwachsenden Rohstoffen oder um die Frage, wie sich Brachflächen in der Stadt temporär nutzen lassen. Ethisch-philosophisch wird es dann bei Themen wie Transsexualität oder dem Tabuthema Tod.

Schnittstelle zu Gesellschaft und Ökologie für Unternehmer interessant

Dass man sich in der Wirtschaft für diese Fragen öffnet, liegt im Trend. Der aktuelle Gründungsmonitor der Förderbank KfW hat festgestellt, dass heute einer von zehn Jungunternehmern in Deutschland sich als „Social Entrepreneur“ versteht. Dieser Begriff ist weiter gefasst als das Wort Sozialunternehmer und umfasst alle Firmen, die soziale, ethischen und ökologische Ziele verfolgen. Allein in Stuttgart sind in den vergangenen Jahren mehrere Initiativen entstanden, die solche Gründungen unterstützen.

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