Tausende kroatische Fußball-Fans strömen zu den Spielen ihrer Mannschaft auf die Theodor-Heuss-Straße. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Zum Halbfinalspiel der Kroaten gegen England verwandelt sich die Theodor-Heuss-Straße wieder in eine rot-weiß-karierte Partymeile. Wir haben bei der kroatischen Gemeinde nachgefragt, was am Mittwoch in Stuttgart zu erwarten ist.

Stuttgart - Die kroatische Party in der Stuttgarter Innenstadt nimmt noch kein Ende: Mit dem Einzug der kroatischen Nationalmannschaft in das Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft absolvieren die „Vatreni“ in Russland (dt.: Feurigen) in jedem Fall noch zwei Spiele. Mit einem Sieg gegen England am Mittwoch könnte sich Kroatien zum ersten Mal in seiner Geschichte für ein Endspiel (Sonntag, 17 Uhr) qualifizieren. Bei einer Niederlage würde die Mannschaft am Samstag im kleinen Finale (Samstag, 17 Uhr) auflaufen. Für die Wirte und Gastronomen auf der Theodor-Heuss-Straße verlängert sich der WM-Wahnsinn also in jedem Fall noch bis zum Wochenende.

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Das Epizentrum der kroatischen Euphorie ist ohne Zweifel das Café Topas in der Theodor-Heuss-Straße. Inhaber Goijko Primorac erwartet zur Partie gegen England allerdings weit weniger Trubel als beim Halbfinal-Einzug am Samstag: „Es wird viel weniger los sein, weil es ein normaler Wochentag ist.“ Über 7000 kroatische Fans hatten die Stadt rund um die Partie gegen Gastgeber Russland in ein Meer aus rot-weiß-karierten Fahnen und Trikots verwandelt. „Dass es so viele waren, hat auch uns überrascht“, sagt ein Betreiber der Facebook-Seite „Hrvati Stuttgart“, die sich an die kroatische Community in der Landeshauptstadt richtet. Am Mittwoch rechne man mit deutlich weniger Menschen, denn „die Leute sind noch kaputt vom Feiern.“ Am Wochenende seien zudem viele Fans aus anderen deutschen Städten extra nach Stuttgart gekommen, was an einem Arbeitstag kaum möglich ist.

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„Hrvati Stuttgart“ – Online-Plattform der kroatischen Gemeinde

Als „Hrvati Stuttgart Corner“ (zu deutsch etwa: kroatisches Eck) bewirbt die Facebook-Seite vier Lokalitäten in der bei Spielen abgesperrten Fanzone auf der Theodor-Heuss-Straße. Dazu zählen das Topas, sowie die Bars Rohbau, Barbee und der Club Allerbeste. Neben der Weltmeisterschaft informiert die Plattform „Hrvati Stuttgart“ vor allem über Kultur- und Folklore-Veranstaltungen der kroatischen Gemeinde in Stuttgart. „Die kroatische Jugend hier soll die Bindung zu Kroatien nicht verlieren“, beschreiben die Administratoren ihre Intention für den Facebook-Auftritt, der seit 2011 existiert. Die Seite sei eine „Liebhaberei“ und der wirtschaftliche Aspekt stehe nicht an erster Stelle.

Ein Posting vom Samstag zeigt den VfB-Neuzugang Borna Sosic, der das Spiel gegen Russland mit Freunden in der Bar Rohbau verfolgte.

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Zu den alltäglichen Inhalten zählen Berichte über die Fußballspiele der kroatischen Teams in der Region oder einfach nur Tipps für original kroatische Restaurants in Stuttgart – die Macher verstehen sich als Ansprechpartner für in Stuttgart heimische, wie auch neu zugezogene Kroaten.

Kroatien-Trikots sind komplett vergriffen

In Sportartikelgeschäften und Shops im Netz in ganz Deutschland ist das kroatische Nationaltrikot schon seit mehreren Tagen restlos ausverkauft. „Pro Tag rufen immer noch um die 30 Leute an und fragen danach“, heißt es beim Fußballshop Citysoccer im Gerber. Die auf mehrere hundert Stück begrenzte Bestellung war bereits nach den ersten erfolgreichen Spielen der Kroaten vergriffen. Ausrüster Nike kann allerdings derzeit nicht liefern, nur Vorbestellungen für den Zeitraum nach dem Turnier sind möglich.

Was würde passieren, wenn Kroatien ins Finale kommt und womöglich sogar Weltmeister wird? „Das weiß keiner so genau“, ist die Antwort von „Hrvati Stuttgart“. Topas-Inhaber Primorac prophezeit dagegen: „Dann ist hier die Hölle los.“ Eins ist aber sicher: Sollten die Kroaten tatsächlich den Titel holen, würde Nike eine ganze Sonderedition neuer Trikots produzieren.

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