Wie Justizias Schwert über den Fechttrainer entscheidet, wird sich wohl noch etwas verzögern. Foto: dpa

Üble Nachrede oder zutreffende Vorwürfe? Das Landesarbeitsgericht muss entscheiden, ob einem Fechttrainer aus Tauberbischofsheim zurecht gekündigt wurde, weil er Athletinnen über Jahre hinweg sexuell belästigt haben soll.

Stuttgart - Hat ein Fechttrainer aus Tauberbischofsheim Athletinnen sexuell belästigt und wurde zu Recht gekündigt? Oder steckt hinter seiner Kündigung ein Geflecht aus Lügen und haltlosen Vorwürfen? Auf diese Fragen müssen die Stuttgarter Richter am Landesarbeitsgericht Antworten finden. Am Mittwoch (28. Februar) informiert das Gericht über die Fortsetzung des Prozesses, der darüber entscheiden soll, ob die Kündigung des Trainers rechtmäßig ist. Ein Urteil wird - anders als zuvor geplant - noch nicht gesprochen, da die Aussage einer entscheidenden Zeugin bisher fehlt. Darüber hatten zuvor die „Fränkischen Nachrichten“ berichtet.

Der Trainer hatte seinen Job verloren, weil er mehrere Athletinnen über Jahre hinweg sexuell belästigt haben soll. Er selbst bestreitet das vehement und nennt die Vorwürfe „eine Intrige gegen meine Person“. Als Kläger fordert er seine vollständige Rehabilitierung, die Fortführung des Arbeitsverhältnisses und harte Bestrafungen für die Falschaussagen.

Der Coach hatte bereits zuvor gegen seine Entlassung eine Kündigungsschutzklage eingereicht. Dieser gab das Arbeitsgericht Heilbronn im vergangenen August statt. Dagegen ging der Landessportverband vor, er legte Berufung gegen das Urteil ein - daher die neuerliche Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht. Im laufenden Prozess wiederholte eine ehemalige Fecht-Europameisterin die Vorwürfe und berichtete, der Trainer habe sich 2003 im Zimmer der damals 17-Jährigen auf sie gelegt und sich vor und zurück bewegt. Eine Zeugin, welche die beiden in dem Zimmer gesehen haben soll, ist bisher mehrfach nicht vor Gericht erschienen. Ihre Aussage könnte entscheidend sein.

Ein Skandal ist der Fall, egal wie das Gericht entscheidet

Bis zu seiner Kündigung hatte der Trainer 25 Jahre lang an dem landesweit bekannten Fechtzentrum in Tauberbischofsheim gearbeitet. „Der Spiegel“ hatte zuerst berichtet, dass es im Fechtzentrum zwischen 2003 und 2016 zu mehreren Fällen von sexueller Belästigung gekommen sein soll. Der baden-württembergische Landesverband hatte sich nach den Vorwürfen schnell für die Entlassung des Trainers entschieden. „Für mich gab es keine andere Handlungsmöglichkeit“, sagte Präsidentin Elvira Menzer-Haasis damals über die Entscheidung. „Da gibt es keine Toleranz.“ Danach hatte sich eine fünfköpfige Task Force mit drei Juristen, einem Pädagogen und einer Mitarbeiterin einer Opferschutzorganisation um Aufklärung bemüht.

Egal, wie das Urteil des Gerichtsprozesses ausfallen wird - die Brisanz des Falls ist enorm. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, gäbe es einen neuen, bestätigten Belästigungsskandal in der Welt des Leistungssports. Sollten sich die Vorwürfe als haltlos erweisen, wäre das ebenfalls ein Skandal - der eines Feldzugs gegen einen Unschuldigen.

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