Wegen Streitigkeiten mit Autofahrern ist ein leidenschaftlicher Radfahrer „ausgetickt“ und hat mehr als 100 Autoscheiben zertrümmert. Foto: dpa/Fabian Sommer

Ein 51-Jähriger hat nach jahrelangem Zwist mit Autofahrern Selbstjustiz ergriffen und zahlreiche Autoscheiben eingeschlagen. Jetzt hat ein Gericht den Rad-Fan zur Verantwortung gezogen.

Mannheim - Mehr als 100 Autoscheiben hat ein leidenschaftlicher Radfahrer wegen jahrelanger Konflikte mit Autofahrern zertrümmert. Das Amtsgericht Mannheim verurteilte den 51-Jährigen am Mittwoch wegen Sachbeschädigung in 105 Fällen zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Der gelernte Bierbrauer und Groß- und Außenhandelskaufmann berichtete von Streitigkeiten mit aus seiner Sicht rücksichtslosen Autofahrern. Er sei mehrfach von Fahrern beleidigt, bespuckt und bedroht worden.

Verbittert zeigte er sich auch, weil weder Ordnungsdienst noch Polizei auf seine Beschwerden reagiert hätten. Das habe Ohnmachtsgefühle ausgelöst. Außerdem erzählte er von einem Unfall mit einem Auto, der ihn beinahe einen Fuß gekostet habe: „Irgendwann bin ich halt ausgetickt.“ Der Vorsitzende Richter sagte dazu: „Das erleben wir alle im Großstadtleben.“ Die Rücksichtslosigkeit der Autofahrer gegenüber Fußgängern gehöre zum Alltag.

Der Angeklagte zeigte sich reuig

Der Mann hatte zwei Mal nachts in Mannheim insgesamt mehr als 100 Scheiben unter anderem mit einem Nothammer zerschlagen. Der Angeklagte gab die Taten im Dezember 2018 und April 2019 bis auf jene in der Innenstadt zu. Sein Verteidiger sagte, da sei womöglich ein Trittbrettfahrer am Werk gewesen. Der Schaden wird auf knapp 86 000 Euro beziffert.

Der Angeklagte zeigte sich reuig. Er werde sich künftig „nicht mehr um so was kümmern“. Er schäme sich für die Taten und werde aufs Land ziehen, um ein Buch über seine Erlebnisse zu scheiben.

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