Wegen eines Streiks verkehrten zehn Pariser Metrolinien am Freitag gar nicht. Foto: dpa/Thibault Camus

Wegen des größten Streiks im Nahverkehr seit zwölf Jahren hingen am Freitag zahlreiche Bewohner sowie Touristen in der französischen Hauptstadt fest. Die meisten Metrolinien in Paris blieben geschlossen.

Paris - Schwarzer Freitag in Paris: Wegen des größten Streiks im Nahverkehr seit zwölf Jahren hingen am Freitag zahlreiche Bewohner und Touristen in der französischen Hauptstadt fest. Die meisten Metros fielen aus. Es fuhren nur wenige Busse und Vorortzüge. Rund um Paris bildeten sich große Staus. Der Streik richtet sich gegen die geplante Rentenreform der Regierung und die Arbeitsbelastung.

Zehn Pariser Metrolinien verkehrten gar nicht, weitere nur im unregelmäßigen Takt. Auf den wenigen offenen Linien drängten sich in der Stoßzeit zahlreiche Menschen auf den Bahnsteigen und warteten. Nur jeder dritte Bus fuhr, bei den Vorortzügen kam es zu massiven Verspätungen. 

Auch die Linien zu den Pariser Flughäfen Charles de Gaulle im Norden und Orly im Süden waren betroffen. Zahlreiche Pendler nahmen deshalb das Auto oder ein Taxi: Rund um die Hauptstadt bildeten sich Staus von zeitweise zusammen genommen knapp 300 Kilometern Länge. In der Pariser Innenstadt waren zudem viele Menschen auf Fahrrädern oder E-Scootern zu sehen.

Ganz großes Chaos ausgeblieben

Das ganz große Chaos blieb in der Stadt aber aus: Zahlreiche Pendler nahmen sich den Tag frei, Unternehmen verschoben wichtige Termine auf die kommende Woche. Die Nahverkehrsgesellschaft RATP hatte die Passagiere schon vor Tagen aufgefordert, auf nicht notwendige Fahrten zu verzichten. 

Zu den Streiks aufgerufen hatten alle großen Gewerkschaften. Sie sprachen von einem „ersten Warnschuss“ gegen die Rentenpläne der Regierung. Der Ausstand sei „ein Erfolg“, hieß es zudem. Gewerkschaftsvertreter sprachen von einer Beteiligung von 60 bis 98 Prozent der Mitarbeiter, je nach RATP-Sparte.

Haushaltsminister Gérald Darmanin äußerte sich im Radiosender Europe 1 „erstaunt“ über die Aktionen. Der Gesetzestext sei noch gar nicht fertig, die Regierung berate noch mit den Sozialpartnern, betonte er.

Die Gewerkschaften fürchten dennoch Einschnitte beim Rentensystem für die RATP, das seit Gründung der Gesellschaft 1948 Bestand hat. Die Mitarbeiter des Unternehmens gingen zuletzt im Schnitt mit knapp 56 Jahren in den Ruhestand - das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt in Frankreich bei 62 Jahren.

Rentenregime sollen vereinheitlicht werden

Das Eintrittsalter will die Regierung offiziell zwar nicht antasten - sie plant aber ein höheres „Ausgleichsalter“, vor dessen Erreichen Bürger mit Rentenabschlägen rechnen müssen, wenn sie nicht weiter arbeiten wollen. Zudem sollen die rund 40 unterschiedlichen Rentenregime in Frankreich vereinheitlicht werden.

Die Reform soll bis zum Sommer des kommenden Jahres vom Parlament besiegelt werden. Bis dahin sind noch zahlreiche Streiks und Demonstrationen in verschiedenen Branchen zu erwarten. Bei dem letzten großen Streik beim Pariser Nahverkehr und der Staatsbahn SNCF ging es im Oktober 2007 auch um eine Rentenreformpläne des damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy.

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