Kabarettist Christoph Sonntag (rechts) auf dem Wasen mit Björn Graf Bernadotte von der Insel Mainau. Foto: Andreas Engelhard

Die Wiesn ohne Stars ist undenkbar. Im Vergleich dazu bietet der Wasen weniger Klatsch. Aber auch auf dem Volksfest lassen Stadtpromis kaum eine Party aus. Mittendrin: Kabarettist Christoph Sonntag, der um seine Ehre kämpft.

Stuttgart - Ihr Name reimt sich auf Herz. Aber nicht nur deshalb geht es bei Festwirtin Sonja Merz herzlich zu. In einem harten Männerberuf hat sie sich durchgesetzt – als einzige Frau, die ein großes Zelt auf dem Cannstatter Volksfest führt. Mit weiblichem Charme gelingt ihr dies, aber auch mit Geschäftssinn und Disziplin. Ein großes rotes Herz leuchtet draußen zwischen den Eingängen zum Frohsinn der merz’schen Art. Mitunter muss man warten und anstehen, bis man sich vor diesem Herz für ein Selfie aufstellen kann.

Sonja Merz ist täglich von 9 Uhr bis 2.30 Uhr im Zelt

„Im Zelt mit Herz“ (so der Slogan) strahlt die Wirtin. In ihrer Loge sind stadtbekannte Gesichter zu sehen, aber auch alle anderen Besucher sind ihr wichtig, wie sie versichert. An jedem Wasentag arbeitet Sonja Merz von morgens 9 Uhr bis nachts um 2.30 Uhr. „Man kann dies nur tun, wenn man Menschen liebt“, sagt sie. Nerven Menschen aber nicht manchmal, wenn sie etwa zu tief in den Maßkrug geschaut haben? „Man muss Menschen nehmen, wie sie sind“, lautet ihre Antwort.

Das rote Herz, das Logo des Merz-Zeltes, steht für Liebe. Wie es sich anfühlt, wenn eine Liebe erloschen ist, wenn das Herz zerbricht, weiß kaum einer so gut wie der Kabarettist Christoph Sonntag. Der Rosenkrieg mit seiner Noch-Ehefrau, die ihm vorwirft, mit seiner „Stiphtung“, einer gemeinnützigen GmbH, öffentliche Gelder veruntreut zu haben, wäre der Stoff für ein TV-Drama. „Eine Hochzeit platzt selten allein“ heißt der Film, der im Juli in der ARD lief – Sonntag hatte das Drehbuch mitgeschrieben. In Großstädten platzt viel: Jede zweite Ehe wird hier geschieden. Die Trennung im Hause Sonntag ist also kein Einzelfall. Doch kaum ein anderes Ende einer Liebe nimmt solche Ausmaße an.

Sonntag fühlt sich als Opfer einer „Kampagne“

Christoph Sonntag ist zum Weißwurst-Frühstück von Sonja Merz mit Stadtpromis allein gekommen, ohne weibliche Begleitung. „Praktisch jeden Tag“ wird er nun auf dem Wasen sein. Wegducken ist nicht sein Ding. Offen und lächelnd geht der 57-Jährige auf die anderen Logengästen zu, etwa auf den früheren SPD-Landeschef Nils Schmid, den er in seinem Programm als „kleinen Nils“ verspottet hat. In den letzten Wochen, sagt Sonntag, habe er erkennen können, wer seine Freunde sind und wer nicht.

Der Kabarettist sieht sich als Opfer einer „Kampagne“. Dank des Prüfberichts der Landeszentrale für politische Bildung sei seine Unschuld nun bewiesen, sagt Sonntag. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft den Fall. Die Oppositionsparteien SPD und FDP im Landtag verlangen vom Sozialministerium Akteneinsicht.

Warum ein Demokratieprojekt für Jugendliche 180 000 Euro kosten muss? Wurden die Kursteilnehmer etwa im Fünfsterne-Hotel untergebracht? Solche Fragen ärgern Sonntag gewaltig. „Ich hab so viel ohne Bezahlung gemacht“, bekräftigt er, „natürlich kann man im Nachhinein immer sagen, man hätte mit desem Geld auch armen Kindern in der Dritten Welt helfen können.“

Den FDP-Fraktionschef lädt er zu seinem Starkbieranstich ein

Noch mehr redet er sich in Rage, als es um die „offene Ehe“ geht. Im Gespräch mit einem Boulevardblatt hatte er sich dazu bekannt, eine offene Ehe mit seiner Noch-Frau geführt zu haben. „Das hab’ ich als Vorwärtsverteidigung gesagt, weil meine Ex der Zeitung eine lange Liste von Frauen vorgelegt hat, mit denen ich angeblich eine Affäre hatte“, antwortet er. „Quatsch“ sei das alles. Sonntag schaut sich mit ausgestreckter Hand um. „Mal ganz ehrlich“, sagt er, „viele auch hier im Zelt gehen fremd, und keinen geht das was an.“

Unter dem Rosenkrieg leidet seine Arbeit als Kabarettist schwer. Eine Veranstaltung im Wizemann musste er absagen. Zu seinem traditionellen Starkbier-Anstich im Frühjahr werde er – wie immer – alle wichtigen Politiker des Landes einladen, auch den FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke der sich in den vergangenen Wochen als einer seiner schärfsten Kritiker erwiesen hat. „Mal sehen, ob er die Eier hat, auch zu kommen“, sagt Sonntag.

In der Loge wird derweil der nächste Topf mit Weißwürsten serviert. Ins Wasser dürfen sie nur, wenn es nicht mehr kocht, sonst platzen sie auf. Der Streit um Sonntag wird noch weiter kochen, auch wenn in der Merz-Loge die Gäste (darunter: Ex-Südwestbank-Chef Wolfgang Kuhn, Kulturbürgermeister Fabian Mayer, Kinderhospiz-Botschafterin Maria von Sachsen-Altenburg, Künstlerin Holde Klis, Designerin Lissi Fritzenschaft, DJ-Legende Uwe Sontheimer) andere, leichtere Themen bevorzugen. Heiterkeit entlastet das Herz – gerade auch dort, wo das Herz Chefinnensache ist.

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