Stolz wie Bolle: der US-Sänger Usher posiert neben seinem Stern auf dem „Walk of Fame“. Es ist die 2588. Plakette, die seit Mittwoch den Bürgersteig des berühmten Gehsteigs in Hollywood ziert. Foto:  

Abseits des roten Teppichs lauern Fettnäpfchen, manchmal sogar Abgründe. Wir spüren sie auf. Heute: wie der R&B-Sänger Usher mit der unter Stars weit verbreiteten Tradition der Fan-Unterwürfigkeit bricht.

Los Angeles - Unter Stars ist es Gang und Gäbe, ihren Fans Dankbarkeit und Respekt zu zollen. An sich ja eine schöne und angemessene Geste, aber manchmal auch reichlich übertrieben. Ob bei Konzerten, Preisverleihungen, in Interviews oder im Netz: allerorten werden vor Demut triefende Dankesreden auf die tollen, treuen Fans gehalten und manchmal sogar Tränen in die Augen gedrückt vor lauter (gespielter) Unterwürfigkeit gegenüber jenen, die ihre Existenz als Prominente überhaupt erst ermöglichen.

Voll von sich selbst

Erfrischend prätentiös kommt da der US-Sänger Usher um die Ecke, der seine Fans bei der Einweihung seines Sterns auf dem HollywoodWalk of Fame“ dazu aufrief, „bei jeder Gelegenheit herzukommen und den Stern zu polieren“. Dies sei „ja wohl das Mindeste, was ich von Euch verlangen kann, zumal die Leute ja über mich drüber laufen.“ Recht hat der Mann: Bückt Euch!

Verlogene Heuchelei

Die bei Rockern und Rappern verbreitete Haltung, möglichst voll von sich selbst zu sein und diese Attitude auch so großkotzig wie es eben geht vor sich her zu tragen ist für manche ein rotes Tuch. Aber lieber an der eigenen Arroganz ersticken, als an verlogener Heuchelei. Die Lebensrealitäten von Stars und Fans liegen oft so dermaßen weit auseinander, dass Sätze wie „Ich bin einer von Euch!“ oder „Ohne Euch wäre ich nichts!“ einfach nur lachhaft sind. Insofern hat Usher alles richtig gemacht. Ob seinem halbernst gemeinten Aufruf tatsächlich Taten folgen werden? Man würde ihm jedenfalls einen Haufen gebückter, schrubbender Fans am Hollywood-Stern von großkotzigstem Herzen wünschen.

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