Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) scheint sich im Karl-May-Museum nicht sicher zu sein, ob der Sioux-Häuptling im Glaskasten mit dem Speer oder mit der Friedenspfeife auf ihn wartet. Foto: dpa

Größer, schöner, moderner: Das Karl-May-Museum in Radebeul will sich entscheidend verbessern. Die Finanzierung für Um- und Neubauten aber steht noch lange nicht.

Radebeul - Das Karl-May-Museum im sächsischen Radebeul bekommt ein zeitgemäßes Ambiente: Mehr als 90 Jahre nach seiner Gründung soll es umfassend modernisiert werden. Das neue Ausstellungs- und Gebäudekonzept stehe, der Baubeginn sei allerdings noch immer offen, sagte Museumschef Christian Wacker am Mittwoch in Radebeul bei Dresden. Der Baustart war eigentlich für 2021 vorgesehen.

Geplant ist ein Neubau mit Platz für Sonderausstellungen und Eingangsbereich sowie der barrierefreie Zugang zu den bestehenden Gebäuden. Die Kosten belaufen sich nach Angaben von Wacker auf rund zehn Millionen Euro. Verbindliche finanzielle Zusagen gebe es bisher nur vom Bund über 2,7 Millionen Euro. Die Karl-May-Stiftung, der das Privatmuseum gehört, sammle für ihren Eigenanteil, hieß es.

Auch „Villa Bärenfett“ betroffen

Sachsens Wirtschafts- und Tourismusminister Martin Dulig (SPD) informierte sich am Mittwoch über die Planungen. „Das Werk von Karl May steht für Abenteuer, Neugier und Freundschaft, aber auch für Toleranz, Völkerverständigung und Frieden“, betonte er. Für die Vermittlung brauche es neue Wege, ohne die Geschichte zu verraten. Eine moderne Präsentation werde die Verbindung zwischen dem historischen Erbe und der Gegenwart schaffen.

Auch nach dem Umbau soll im früheren Wohnhaus des Schriftstellers, der „Villa Shatterhand“, sein Leben und Wirken erzählt werden. Im Blockhaus „Villa Bärenfett“ steht die Geschichte der Ureinwohner Nordamerikas im Mittelpunkt. Beide Ausstellungen sollen modernisiert und der Zugang zu den denkmalgeschützten Gebäuden barrierefrei gestaltet werden.

Komplex und skurril

Das inhaltliche Konzept setze die Schwerpunkte indigene Kulturen, Orient und Erbe Karl Mays. Eine Rolle werde auch die sächsische Herkunft des Autors spielen. Er wurde 1842 in Ernstthal (heute: Hohenstein-Ernstthal) geboren und ging dort auch zur Schule.

„Wir wollen Karl May als Menschen in komplexer und skurriler Art darstellen“, sagte Wacker. Im neuen Museum solle zudem stärker an sein Spätwerk und seinen Friedensgedanken angeknüpft werden. Auch das Thema interkulturelles Verständnis solle vertieft werden. Zudem wolle das Museum eine Bühne für politisch-kulturelle Diskussionen sein.

Tankstelle muss weichen

Allein für den Neubau sind 7,5 Millionen Euro veranschlagt. Er soll an der Hauptverkehrsader von Radebeul errichtet werden - mit Zugang zum gesamten Museumskomplex. Dafür soll eine Tankstelle weichen. Bisher gibt es keinen prominenten Eingang. Das Museum steht inmitten eines Wohnviertels.

Spätestens 2025, so der Wunsch von Wacker, soll das neue Karl-May-Museum fertig sein. Sicher sei das aber nicht. Offen ist bisher auch, ob das Museum während der Bauarbeiten geschlossen wird. Falls ja, müsste es eine Wanderausstellung geben, die in dieser Zeit gezeigt wird, um der Stiftung Einnahmen zu sichern.

Info

Karl May (1842-1912) ist als Autor spannender Abenteuererzählungen und Schöpfer mythischer literarischer Figuren wie Winnetou und Old Shatterhand berühmt geworden. Sein weniger bekanntes Spätwerk widmete er pazifistischen Ideen.

Das Radebeuler Museum wurde nach dem Tod des Schriftstellers auf Initiative der Witwe Klara May 1928 gegründet. Das Privatmuseum zieht nach eigenen Angaben pro Jahr rund 50.000 Besucher an.

Info: Das Karl-May-Museum in Radebeul bei Dresden ist dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr (März bis Oktober) und von November bis Februar 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die Jahresausstellung „Und Friede auf Erden!“ ist noch bis zum 27. Oktober zu sehen.

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