Nicolás Maduro wird wohl eine zweite sechsjährige Amtszeit antreten. Foto: AP

Zufrieden sind sie nicht mit ihrem Staatschef, aber trotzdem dürften die Venezolaner ihren Präsidenten im Amt bestätigen. Die Opposition boykottiert die Abstimmung. Die USA und die EU haben angekündigt, das Wahlergebnis nicht anzuerkennen.

Caracas - Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro wird voraussichtlich trotz Vorwürfen schwerer Misswirtschaft am (heutigen) Sonntag eine zweite sechsjährige Amtszeit gewinnen. Gelingen wird ihm das bei der Präsidentschaftswahl wahrscheinlich wegen eines von der wichtigsten Oppositionskoalition unternommenen Boykotts. Der venezolanische Wahlrat wird von Anhängern der Regierung kontrolliert und zieht Misstrauen auf sich.

Die Wahl hat Kritik ausgelöst, weil einigen von Maduros beliebtesten Rivalen eine Kandidatur verboten wurde. Mehrere andere mussten ins Exil gehen. Die USA, EU und viele lateinamerikanische Länder haben gesagt, sie würden das Wahlergebnis nicht anerkennen.

Maduro ging früh in der Hauptstadt Caracas wählen. Feuerwerk und eine über Lautsprecher übertragene Militärhymne hatten vor seiner Stimmabgabe Venezolaner gegen fünf Uhr Ortszeit geweckt. Maduro sagte, die Bürger würden der Welt ein Beispiel für Demokratie liefern. „Es ist beleidigend, wenn sie sagen, dass die Venezolaner unter eine Diktatur fielen“, sagte er nach der Stimmabgabe.

Es gibt Druckmittel, die für die Wahl benutzt werden

Rund 80 Prozent der Venezolaner glauben, dass Maduro schlechte Arbeit geleistet habe. Die Wahlbeteiligung wird aber voraussichtlich die niedrigste sein seit der Wahl von Hugo Chávez zum Präsidenten 1998. Laut einer Umfrage von Datanalisis gaben nur 34 Prozent der Befragten an, sie seien sich sicher, dass sie wählen würden.

Es gibt Druckmittel, die für die Wahl benutzt werden, die Maduro helfen könnten. Fast 75 Prozent von Haushalten teilten mit, sie hätten in den vergangenen drei Monaten von der sozialistischen Regierung herausgegebene Essenskisten bekommen, wie Datanalisis informierte. Das könnte Wähler beeinflussen, weil Lebensmittel knapp sind und die Inflation hoch.

„Dies ist weder eine Wettbewerbs- noch eine demokratische Wahl und das Ergebnis spiegelt womöglich nicht die Präferenz und Entscheidung der Wähler wider“, sagte der Präsident von Datanalisis, Luis Vicente León.

Hauptrivale ist der unabhängige Kandidat Falcón

Maduros Hauptrivale, der unabhängige Kandidat Henri Falcón, steht vor der Herausforderung, skeptische Bürger dazu zu bringen, die Forderung nach einem Wahlboykott zu ignorieren. Falcón hat Maduro als „Kandidat des Hungers“ angeprangert. Er hat vor, Löhne in Dollar auszahlen zu lassen. Zudem will Falcón humanitäre Hilfe annehmen und sich um Unterstützung des Internationalen Währungsfonds bemühen. Maduro hat all diese Vorschläge abgelehnt, weil sie ihm zufolge einer Niederlage gegenüber den USA gleichkämen.

„Ich schwöre, dass ich Venezuela von dieser Diktatur befreien werde“, rief Falcón zu seinen Unterstützern bei seiner letzten Wahlkampfkundgebung am Donnerstag in seiner Heimatstadt Barquisimeto. „Ich schwöre es im Namen Gottes.“

Venezolaner können auch für den Fernsehprediger Javier Bertucci als Präsidentschaftskandidat stimmen. Er hat die Unterstützung für Falcón reduziert, indem er bei Kundgebungen kostenlose Suppe ausschenkte.

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