Wolfgang Dietrich ist nach fast drei Jahren nicht mehr Präsident des VfB Stuttgart. Foto: Pressefoto Baumann

Nach dem Rücktritt von Wolfgang Dietrich braucht der VfB Stuttgart die Rückkehr zur Normalität, kommentiert unser Autor Dirk Preiß. Sonst sind die nächsten unschönen Debatten schon programmiert.

Stuttgart - Nun also doch: Nach dem chaotischen und peinlichen Ende der Mitgliederversammlung ist Wolfgang Dietrich wenige Stunden später vom Amt des Präsidenten des VfB Stuttgart zurückgetreten. Ein Schritt, der nach den Geschehnissen vom Sonntagabend nicht mehr überraschend kam.

Ganz unabhängig von den technischen Problemen, die zum Abbruch der Versammlung geführt hatten, wurde im Laufe der Veranstaltung deutlich: Egal, wie das Votum bei der möglichen Abwahl Dietrichs ausgefallen wäre – die Chance, dass Befürworter und Kritiker des früheren Unternehmers noch einmal zueinander finden, war verschwindend gering. Wer aber nun glaubt, die Mitgliederschaft sei mit einem Male befriedet, der könnte sich noch umschauen.

Unwürdige Auseinandersetzung

Die Debatte um Dietrich hatte schließlich eine Dimension erreicht, die die Grenzen des guten Geschmacks längst passiert hatte. Einem Verein wie dem VfB Stuttgart war diese Auseinandersetzung nicht würdig – und dafür, dass es so weit kam, gibt es ganz sicher mehr als einen Schuldigen. Auch wenn Dietrich mit der Wahl seiner Worte beim Rückzug alles andere als versöhnlich aus dem Amt scheidet, sondern noch einmal wenig selbstkritisch die verbale Keule schwingt. Ein stilvoller Abgang sieht anders aus.

Lesen Sie hier: Dietrichs Stellungnahme im Wortlaut

Nun werden weitere Diskussionen folgen, etwa um die Auswahl der Kandidaten, die vorgeschlagen werden sollen. Alle Beteiligten sollten sich bemühen, diese auf einer rein sachlichen Ebene zu führen – sonst könnte es schwierig werden überhaupt einen zu finden, der sich dieses öffentliche Amt zumutet und auch die erforderlichen Kenntnisse hat.

Wolfgang Dietrich hat der VfB Stuttgart einige richtungsweisende Entscheidungen zu verdanken. Der Club steht vor allem finanziell trotz des neuerlichen Abstiegs vernünftig da, die Nachwuchsarbeit ist gestärkt, die Abteilungen des e.V. florieren, die sportlichen Weichen in der VfB AG, deren Aufsichtsratschef Dietrich war, sind gestellt. An anderen Zielen aber ist der 70-Jährige klar gescheitert.

Einige Ziele erreicht, andere verfehlt

Statt im oberen Drittel der Bundesligatabelle mitzumischen, kicken die Weiß-Roten in der kommenden Saison wieder in Liga zwei. Personelle Kontinuität auf den sportlichen Führungspositionen konnte er ebenso wenig erreichen (der fünfte Trainer und dritte Sportvorstand seiner Amtszeit ist jeweils im Amt) wie das Ziel, die Zahl der Fehlentscheidungen bei Transfers zu minimieren. Den Eindruck, er wirke massiv in das operative Geschäft, konnte er selten glaubhaft widerlegen. Und die öffentlich sichtbaren Gräben innerhalb der VfB-Familie wurden zuletzt eher größer denn kleiner – auch wenn der immense Mitgliederzuwachs etwas anderes suggeriert.

Lesen Sie hier: Wie die Mitgliederversammlung zur Posse wurde

Nach dem Abstieg hat der VfB mit 15 Abgängen und 13 Verpflichtungen sportlich einen Neuanfang gewagt. Ein solcher ist nun auch im Präsidium nötig, das derzeit nur noch aus Bernd Gaiser besteht. Der Club, seine Funktionäre (auch in der AG), seine Mitglieder, aber auch die Fans sollten was draus machen – damit sich Geschehnisse wie in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten nicht wiederholen.

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