Ein Serverausfall hat die Produktion bei Porsche für Stunden zum Erliegen gebracht. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Ein Serverausfall hat die Produktion in den Porsche-Werken Zuffenhausen und Leipzig zum Stillstand gebracht. Weil die Autofertigung immer digitaler wird, steigt auch die Anfälligkeit der Systeme für Fehler, warnen Experten.

Stuttgart - Eine massive IT-Störung hat die Produktion von Porsche am Dienstagabend für einige Stunden lahmgelegt. Der Stuttgarter Autobauer habe wegen eines Server-Ausfalls die Produktion im Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen sowie im SUV-Werk Leipzig für einige Stunden einstellen müssen, sagte ein Porsche-Sprecher unserer Zeitung. „Um einen Angriff von außen handelt es sich nicht“, sagte er weiter.

Einem weiteren Porsche-Sprecher zufolge war eine Hardware der Auslöser für die Probleme, genauer ein fehlerhafter Datenspeicher. Dieser habe sich anschließend auf verschiedene IT-Bereiche in Produktion und Logistik ausgewirkt. Zudem habe eine Software, die genau dieses Überspringen hätte verhindern sollen, im Anschluss an die Hardware-Probleme nicht funktioniert.

Porsche sei nicht für den Ausfall verantwortlich, erklärte der Porsche-Sprecher. Eine Versicherung für die Produktionsausfälle gebe es in solchen Fällen aber ohnehin nicht. Stattdessen habe man vertragliche Vereinbarungen mit Systemlieferanten, die auch die Haftung im Falle eines Defekts regeln. Im aktuellen Fall müsse Porsche das allerdings erst noch tiefer gehend untersuchen, so der Sprecher.

Die Produktion läuft wieder

Wirtschaftlich erwartet Porsche nach eigenen Angaben allerdings keinen nachhaltigen Schaden durch den Ausfall. Das liege daran, dass Porsche nur verhältnismäßig kleine Stückzahlen produziere und die Fertigung eben nur wenige Stunden still stand. In Zuffenhausen laufen laut Porsche an einem Tag rund 250 Sportwagen vom Band, im Werk in Leipzig sind es rund 400 Autos. „Wir werden das wieder aufholen“, sagte ein Porsche-Sprecher unserer Zeitung.

Wie teuer der Ausfall für Porsche wird, kann das Unternehmen noch nicht genau beziffern. „In der Zeit des Stillstands laufen natürlich die Personalkosten und die Fixkosten weiter“, erklärt Stefan Reindl, Professor für Autowirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen.

Nur geringe Stückzahlen

Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ berichtete, mehr als 200 Server seien in dieser Zeit ausgefallen. Demnach hat das Porsche-Management am frühen Dienstagabend alle Mitarbeiter weltweit per E-Mail über die IT-Störung informiert. Alle auf SAP-Software basierenden Prozesse seien betroffen gewesen. Porsche wollte das unserer Redaktion gegenüber nicht bestätigen. Ein SAP-Sprecher sagte allerdings, die Software des Walldorfer Unternehmens sei nicht die Ursache für die IT-Probleme gewesen. Der Hardwarefehler habe vielmehr die reibungslose Funktion der SAP-Software beeinträchtigt. Noch am Dienstagabend sei die Produktion in beiden Werken schrittweise wieder angelaufen, erklärte Porsche.

Eine Möglichkeit, über Ersatzserver oder andere Umwege die Produktion wieder zum Laufen zu bringen, hatte es dem „Spiegel“-Bericht zufolge nicht gegeben. In Leipzig wird unter anderem der Macan gefertigt, hier arbeiten mehr als 4000 Mitarbeiter. In Zuffenhausen fertigt Porsche den 911er und das Elektrofahrzeug Taycan, hier hat der Automobilbauer rund 13 000 Mitarbeiter.

Produktion immer vernetzter

Den Stau in der Produktion müsse ein Unternehmen anschließend wieder aufholen, unter Umständen durch Überstunden, erklärt Autoexperte Stefan Reindl. Dass Porsche nur vergleichsweise kleine Stückzahlen fertigt, macht die Sache Reindl zufolge nicht unbedingt einfacher. „Ob das ein kleinerer oder ein größerer Autobauer ist, macht keinen Unterschied, das trifft beide ähnlich“, sagt Reindl.

Der Grund dafür liegt darin, dass die Autoproduktion in den vergangenen Jahren immer digitaler und damit auch immer stärker vernetzt geworden ist. „Das wird auch immer mehr werden“, sagt Reindl. Ein Fall wie die Störung bei Porsche sei ein Beispiel für die Nachteile dieser stark vernetzten Fertigung. „Die Systeme werden immer anfälliger, wenn sie nicht doppelt über parallele IT-Strukturen abgesichert sind“, meint Reindl. Darauf müsse man schon beim Aufbau der Systeme achten. Sonst könne ein Ausfall eines Teilsystems die ganze Produktion zum Erliegen bringen.

Seltener Vorfall

Ein Daimler-Sprecher erklärte, für eine sichere und gegen derartige Ausfälle resistente Autoproduktion seien sogenannte redundante Systeme wichtig. Das bedeute, man habe zwei Server mit den relevanten Produktionsdaten. Falle einer aus, könne man den anderen hinzuschalten. Die Autobauer gingen zudem immer mehr weg von eigenen Rechenzentren und speicherten ihre Daten in Cloud-Systemen. Diese sichern Daten ebenfalls mehrfach ab. Wohl auch deshalb hält Autoexperte Stefan Reindl den Produktionsausfall bei Porsche für ein eher seltenes Phänomen. „Das wird vielleicht alle fünf Jahre mal vorkommen“, sagt er.

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