Für Dennis Ehrhardt war schon immer klar: Er will zur Polizei. Nun leitet er das Polizeirevier Backnang. Foto: Gottfried Stoppel

Er ist erst 33 Jahre alt und leitet seit dem 1. Oktober das Backnanger Polizeirevier: Dennis Ehrhardt hat uns verraten, welcher Einsatz ihm besonders im Gedächtnis bleibt und welche Pläne er in Backnang hat.

Backnang - Dynamisch gestylte Haare, Stoppelbart, schmales, kantiges Gesicht und 33 Jahre jung: Dennis Ehrhardt sieht nicht unbedingt so aus, wie man sich einen „Polizeirat“ vorstellt. Dass er zu Polizei will, stand für dem Murrhardter allerdings schon direkt am Ende seiner Schulzeit fest – nun, vierzehn Jahre nach seinem ersten Dienstantritt, leitet er das Polizeirevier Backnang. Dort ist er für rund 90 Beamte verantwortlich.

Der Altkreis Backnang ist ihm nicht neu – im Gegenteil: Ehrhardt kommt ursprünglich aus Murrhardt, das ebenfalls zum Revierbereich gehört. Hier lebt der 33-Jährige mit seiner Frau; das Paar erwartet in diesem Herbst Nachwuchs. Auch das Backnanger Revier kennt Dennis Ehrhardt schon; zu Beginn seiner Karriere hatte er hier ein Praktikum absolviert.

Der neue Revierleiter: „Backnang war mein absoluter Wunsch“

Vielleicht war das auch einer der Gründe, aus denen er sich für den bislang nur kommissarisch besetzten Leitungsposten gemeldet hatte. „Das Backnanger Revier war mein absoluter Wunsch“, sagt Ehrhardt. Als Leiter habe er zwar vor allem die Funktion, die Polizei in Backnang zu repräsentieren, Kontakte zu Rathäusern und anderen Behörden zu pflegen und die Verwaltung des Reviers anzuführen. „Hin und wieder kann ich aber vielleicht auch selbst auf Streife mitgehen – manche gesellschaftlichen Entwicklungen kann man einfach besser aufsaugen, wenn man persönlich vor Ort ist“, sagt er.

Dazu gehört in seinen Augen aber auch, dass Polizisten immer häufiger Anfeindungen und Angriffen ausgesetzt seien. Er selbst sei zwar noch nie im Einsatz verletzt worden, erinnert sich aber an einen Vorfall vor einiger Zeit. „Ein Kollege und ich wurden wegen einer verdächtigen Person gerufen. Wir wollten nur mit dem Mann ins Gespräch kommen – er hat uns umgehend absolute Aggression entgegengebracht. Wir wurden angegriffen, meinem Kollegen der Fuß gebrochen, ohne dass es dazu einen wirklichen Grund gab“, erzählt Ehrhardt.

Gibt es in Backnang Brennpunkte der Kriminalität?

Und schon in den paar Tagen, in denen er sich in seinen neuen Posten einarbeitet, seien mehrere Berichte über Aggressionen und Beleidigungen gegen seine Kollegen aufgelaufen.

Trotz solcher Erlebnisse sei er immer noch gerne Polizist: „Wenn man sich gemeinsam mit Kollegen immer wieder in gefährliche Situationen begibt, entwickelt sich rasch ein enormes Vertrauen. Genauso hatte ich es mir erhofft, als ich zur Polizei gegangen bin“, sagt er. Er habe schon immer einen starken Gerechtigkeitssinn gehabt – „und ich wollte einen Mehrwert für die Gesellschaft bringen“.

Was Backnang angehe, sei die Stadt zwar mit echten Metropolen „in keinster Weise vergleichbar“. Auch echte Kriminalitätsbrennpunkte gebe es nicht. Gewisse Herausforderungen existierten aber: „In der Backnanger Stadtmitte gab es in letzter Zeit viele Sachbeschädigungen mit Graffiti.“ Und besonders an Orten, an denen verschiedene soziale Schichten aufeinanderträfen, wolle die Polizei künftig sichtbarer sein. Ehrhardt nennt als Beispiele den Backnanger Bahnhof, aber auch den Stadtgarten in der Murrhardter Innenstadt. „Mein Ziel als Revierleiter ist es auch, das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen voranzutreiben.“

Viele Pensionierungen bei der Polizei

Eine andere Herausforderung ist für ihn ein personeller Umbruch bei der Polizei. Derzeit gehen viele ältere Polizisten in Pension, demnächst wird der berufliche Nachwuchs aus der Einstellungsoffensive des Landes Baden-Württemberg an die Reviere strömen. Dann gelte es, die einzelnen Dienstgruppen so aufzustellen, dass sie handlungsfähig bleiben. „Immerhin haben wir dann junge, dynamische Kollegen – und solche mit einem immensen Erfahrungswissen.“ Beide Seiten könnten jeweils voneinander profitieren.

Langweilig werden wird es Ehrhardt auf seinem neuen Posten jedenfalls nicht. „Und ich hoffe auch, dass ich die Möglichkeit habe, hier eine längere Zeit zu verbringen – ich möchte schließlich etwas gestalten, und dafür braucht man eine gewisse Zeit“, sagt er.

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