Narren unter sich: Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) und CDU-Justizminister Guido Wolf beim Froschkuttelessen in Riedlingen am Fasnachtsdienstag 2014. Foto: dpa

Winfried Kretschmann wird vom Aachener Karnevalsverein zum Ordensritter geschlagen.

Aachen - Ob Froschkuddelorden, Laufnarrenkappe oder Katzenschwanzmütze: Winfried Kretschmann hat in seinem Leben schon manch närrische Auszeichnung erhalten. „In der Fasnet, da mache ich fast alles mit, denn ich zähle mich zu den aktiven Narren“, sagte der Grünen-Ministerpräsident einmal über die fünfte Jahreszeit. Am 27. Januar 2018 kommt nun eine weitere Ehrung hinzu: Kretschmann soll nächster Ritter des Ordens wider den tierischen Ernst werden. Dies teilte am Montag der Aachener Karnevalsverein mit. Er verleiht den Orden seit 1950 an Persönlichkeiten, die „Humor und Menschlichkeit im Amt bewiesen haben“.

Der Politiker erhalte ihn „als überzeugter Narr und überzeugender Landesvater mit humanistischem Politikverständnis und feinsinnigem Humor“, begründete der Aachener Karnevalsvereinschef Werner Pfeil die Entscheidung des Elferrats. Kretschmann mache „Politik mit Sinn, aber wider den tierischen Ernst“. Pfeil: „Schlagfertig in der Sprache und bedächtig in der Sache hat er sich Respekt und Anerkennung weit über die Parteigrenzen hinaus verdient.“ Mit seiner Devise „Nicht fragen, woher einer kommt, sondern wohin er will“, komme der 69-Jährige dem rheinischen Gebot, „dass jeder Jeck anders ist und auch sein darf“, schon ziemlich nahe.

Prominente Vorgänger

Pfeil zufolge wird der Regierungschef den Orden annehmen und sich gut auf die Verleihung, die am 29. Januar in der ARD zu sehen sein soll, vorbereiten. „In den Narrenkäfig zu steigen und dort eine gute Figur abzugeben, ist eine Herausforderung, der ich mich sehr gerne stelle“, zitieren die Aachener den Politiker, der damit in einer Reihe prominenter Vorgänger stehen wird: von Bundeskanzler Konrad Adenauer (1959) über Bundeskanzler Helmut Schmidt (1972) bis hin zu Karl Kardinal Lehmann (2005), Schauspieler Mario Adorf (2009) und Gregor Gysi. Der Politiker der Linken hat den Orden im vergangenen Jahr verliehen bekommen und wird die Laudation auf seinen Grünen-Kollegen halten.

Die Aachener haben an Kretschmann die Fähigkeit ausgemacht, über sich selbst lachen zu können. Unter anderem machen sie das daran fest, dass ihm bei einer emotionalen Rede im Landtag vor zwei Jahren beinahe einmal die Hose herunter gerutscht wäre. In der Fasnacht habe er das dann so kommentiert: „Machst mit Leidenschaft du Politik, passiert auch mal ein Ungeschick. Rutscht die Hos‘ den Arsch hinunter, wird’s im Landtag ganz schön munter.“ Auch sein Bonmot nach dem Grünen-Wahlsieg 2011 hat die Rheinländer beeindruckt: „Wir bleiben auf dem Teppich, auch wenn der Teppich fliegt.“

„Die Sau rauslassen“

„An Fasnacht kann man sprachlich die Sau raus lassen“, hat er einmal in einem Interview gesagt, den Politikern für diese Jahreszeit dabei allerdings Selbstbeschränkung empfohlen. Die seien nämlich nicht Subjekt, sondern Objekt der närrischen Kritik: „Der, gegen den es geht, muss das in dieser Zeit aushalten können und Humor beweisen.“ Das sei auch wichtig für die Demokratie: „Denn nur wer selbstironisch sein oder sich infrage stellen lassen kann, weiß, dass er eben nicht die Wahrheit gepachtet hat.“ Nur bei einigen Traditionsveranstaltungen, so etwa in Stockach beim Hohen Grobgünstigen Narrengericht, werde Widerrede erwartet: „Da muss man sich ja verteidigen.“ Schlagfertigkeit kann allerdings auch in Aachen nicht schaden.

Bleibt noch die Frage, wie der schwäbisch-alemannisch geprägte Narr mit dem rheinischen Karneval zu Recht kommt. Die lokal geprägten Rituale in Süddeutschland hätten doch mit den Umzügen in Köln, Mainz oder Aachen wenig zu tun, hat er einmal gesagt. Doch wenn es wider den tierischen Ernst geht, dürften die Unterschiede gar nicht so groß sein. „Man darf unsere Fasnet nicht unterschätzen“, sagt Kretschmann einmal dem „Südkurier“. „Das ist erst einmal eine ernste Angelegenheit. „Sie ist ernst, aber natürlich ist der Sinn des Ernstes, lustig zu sein“. Also: ernst, aber nicht tierisch.

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