Oliver Pocher während seines Live-Auftritts vor 1.000 Autos in Hannover. Foto: imago images/localpic

Sido, Revolverheld, Max Giesinger und weite Teile der deutschen Comedy-Szene: Die deutschen Stars entdecken derzeit das Autokino als Veranstaltungsort. Jetzt eröffneten Oliver und Amira Pocher eine ganze Autoreihe in Hannover.

Die wenigen noch gebliebenen Autokinos und temporäre Autoshows auf großen Freiflächen feiern in Zeiten der Corona-Krise eine nicht für möglich gehaltene Renaissance - allerdings in Teilen leicht zweckentfremdet. Derzeit nutzen viele namhafte Künstler die dortigen Bühnen und Leinwände, um trotz Veranstaltungsverbote ihre Live-Shows und Konzerte risikolos zum Besten geben zu können. Neuestes Beispiel: Oliver (42) und Amira Pocher (27) eröffneten am Donnerstag in Hannover die sogenannte Autokultur-Reihe.

Oliver Pocher im Film "Vollidiot" sehen Sie hier.

1.000 Autos waren laut Veranstalter gekommen, um dem Ehepaar bei ihrem Comedy-Programm "Die Pochers hier" beizuwohnen. Damit war die Veranstaltung auf dem Schützenplatz restlos ausverkauft. Pro Wagen waren allerdings wegen des Infektionsschutzes maximal nur zwei Zuschauer erlaubt. Der ungewohnte Auftritt der Pochers wurde dabei auf großen Screens live übertragen, der Ton und die Musik per UKW direkt in die Autos übertragen.

Auch Sido war schon im Autokino live zu sehen

Bislang stehen bereits vier weitere Shows in Hannover bis zunächst Mitte Juni fest. So werden sich dort sowohl Rapper Sido (39) als auch die Rockband Revolverheld die Ehre geben. Das Programm der Autokultur-Reihe soll allerdings fortlaufend ausgebaut werden. Man darf gespannt sein, welche Bands und Solokünstler sich dem derzeitigen Trend noch anschließen werden.

Ganz neu ist diese aktuelle Hannoveranische Idee allerdings nicht. So ist Revolverheld bereits richtig auf Autokino-Tour: Am 20. Mai geht es zunächst in Giessen los, via Erfurt folgt dann der Auftritt in Hannover. Weitere Termine sind wahrscheinlich. Sido hat seine ersten Autokino-Konzerte ebenso bereits hinter sich gebracht, wie auch seine Rapkollegen Alligatoah (30) und SSIO (31), die unter anderem in Düsseldorf auf der Bühne und der dazugehörigen Leinwand bewundert wurden.

Comedy-Dröhnung in Viernheim und Wesel

Doch gerade auch die Comedy-Szene adaptiert diese aus der Not heraus geborene Idee immer mehr für sich. Neben den Pochers in Hannover tritt zum Beispiel auch Markus Krebs (49) in den Autokinos in Coesfeld, Eschweiler und Bottrop auf. Bülent Ceylan (44) übt sich ebenfalls in der neuen Live-Disziplin: Er spielt derzeit eine ganze Show-Reihe im Rahmen des "Car Watch Festivals" in Viernheim im Rhein-Neckar-Kreis. Noch bis zum 10. Mai steht er dort insgesamt sechs Mal auf der etwas anderen Bühne.

Im Autokino Wesel gibt es ebenfalls einige Arbeit für die Lachmuskeln von Autofahrern: Die dortigen Organisatoren lassen unter anderem die Comedians Mirja Boes (48), Hazel Brugger (26), Ingo Appelt (53) und Abdelkarim (38) auf die Fahrzeuge los. Standing Ovations, lautes Klatschen oder direkten Fankontakt gibt es zwar nicht, doch die Zuschauer sorgen bei diesen Alternativ-Shows dennoch für ordentlich Stimmung: Geklatscht wird per Lichtzeichen oder mithilfe der Hupe.

Refrain wird einfach mitgehupt

Bei Musikkonzerten gibt es außerdem eine weitere Möglichkeit der Interaktion für das Publikum, wie Schmusesänger Max Giesinger (31) während seinen Autokino-Auftritts in Baden-Baden erleben durfte. Während seines Hits "80 Millionen" hupten die Zuschauer im Takt zum eingängigen Refrain. Ganz zum Gefallen des Protagonisten: "Ohne Scheiß - das ist nicht so, wie ich es mir gedacht habe. Das ist sogar ziemlich cool", sagte Giesinger laut den "Badischen Nachrichten" über seinen Auftritt.

Flächendeckend hat sich dieser Trend bislang allerdings noch nicht durchgesetzt. In einigen Bundesländern stehen entsprechende Genehmigungen der Behörden noch aus. So ist zum Beispiel in München seit einigen Wochen eine ähnliche Veranstaltung wie in Hannover auf der berühmten Theresienwiese angedacht. Ob sich also diese Drive-In-Konzerte in den nächsten Wochen und Monaten deutschlandweit durchsetzen werden, bleibt abzuwarten.

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