Halid Ramic, Emily Roxas und Max Pfefferkorn berichten über die Woche. Foto: Schultheiss

Auf der Zielgeraden vor dem Examen lernen angehende Altenpfleger im Pflegeheim St. Vinzenz bei der Organisation einer Station ihre Stärken und Schwächen kennen. Hier berichten sie von zwei ganz besonderen Wochen.

Plattenhardt - An einem Tag Chef sein, am anderen Mitarbeiter, und dabei unter realen Bedingungen lernen: Dies haben 13 Schüler der Katholischen Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe in Plattenhardt gemacht. In einem zweiwöchigen Praktikum im Plattenhardter Altenpflegeheim St. Vinzenz mussten die Schüler im dritten Ausbildungsjahr eine Station leiten und dabei alles, was sie gelernt hatten, in die Praxis umsetzen. „Wir sind die Berufsschule, und St. Vinzenz ist einer unserer Partner für den praktischen Teil der Ausbildung. Die Pflegeheime sind es auch, die den Schülern ihre Gehälter bezahlen“, sagt Barbara Hermann, die Leiterin der Altenpflegeschule.

Emilia Schlotter, Pflegedienstleiterin in St. Vinzenz, skizziert einen der Vorteile des Praktikums: „Man darf Fehler machen und lernt, wie man sie wieder ausbügelt. Das gehört auch zur Ausbildung“, sagt er. Außerdem würden die Schüler noch vor ihrem Examen erfahren, wo ihre Stärken und Schwächen liegen.

Die Schüler lernen auch, Infusionen zu geben

Der 23-jährige Halid Ramic hat die Realschule in Bosnien abgeschlossen. Ein halbes Jahr lang hat es gedauert, bis sein Abschluss vom Regierungspräsidium als einem deutschen Abschluss gleichwertig anerkannt wurde. Mit der Schule hat er gleich in Plattenhardt begonnen, Berufspraxis erhält er im Altenheim Haus Agape in Stetten. „Ein paar von uns haben die Station geleitet, und jeder von uns hat die Aufgaben, die wir gelernt haben, angewandt: Waschen der Bewohner morgens und abends, Ernährung mit Sonden, Umgang mit psychisch Kranken, Verbandswechsel, Infusionen und Injektionen geben“, erzählt er. Die Dienstpläne seien von den Projektteilnehmern schon vor dem Projekt in der Schule ausgearbeitet worden. „Außerdem haben wir mit den Ärzten Gespräche geführt. Dabei ging es darum, welche Besonderheiten uns an den Patienten aufgefallen sind, ob sie zum Beispiel über Schmerzen klagen und deshalb ein Schmerzmittel brauchen.“ Über eine baldige Übernahme macht er sich keinerlei Sorgen. „Ich rede im Haus Agabe schon jetzt über einen regulären Arbeitsvertrag.“

Die Anerkennung der Schulabschlüsse dauert zu lang

Der 22-jährige Max Pfefferkorn aus Harthausen erhält seine Berufspraxis in St. Vinzenz. „Ich lasse mein Vertragsverhältnis offen, weil ich Medizin studieren will. Ich habe keinen überragenden Notendurchschnitt im Abi. Die Ausbildung zum Altenpfleger verschafft mir Bonuspunkte.“

Die 29-jährige Emily Roxas ist 2014 als Au-Pair-Mädchen nach Deutschland gekommen und hat dann ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Ihr Schulabschlusszeugnis sei schon nach drei Wochen anerkannt worden. „Ich habe mich in mehreren Altenheimen beworben und in St. Vinzenz gleich eine Stelle bekommen“, sagt sie.

„Die Schule ist sehr gut, aber wir wollten einen Praxisteil integrieren, der Verantwortung für die Pflege unter realen Bedingungen vermittelt“, sagt Hans Vogel, der Einrichtungsleiter. Angesichts des Personalmangels in der Pflege dauern auch ihm die Anerkennungszeiten der Schulabschlüsse „viel zu lange“.

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