Die Sanierung des Berger Gemeindezentrums ist überfällig. Foto: /Friedl

Mit dem Rückzug des MGV Berg vom Berger Plätzle ergeben sich viele neue Möglichkeiten. Es gibt verschiedene Nutzungsmöglichkeiten für das Gelände im Stuttgarter Osten.

S-Ost - Vor allem den alteingesessenen Bürgern des Stadtteils Berg wird das Berger Plätzle spätestens in diesem Frühjahr fehlen, wenn sie dort nicht mehr am Rande des Stadtparks im Freien sitzen können. Den Spaziergängern wird es ähnlich ergehen. Wie berichtet, musste der Männergesangsverein Berg zum Jahreswechsel den Betrieb und den Unterhalt ihres Vereinsheims aufgeben. Einer der Gründe war die Auflösung des Männerchors mangels Nachwuchs.

Die Planspiele sind in vollem Gang

Einerseits mag es nun erst mal ruhiger werden am Ende der Rudolfstraße, doch die Planspiele haben begonnen, unabhängig von den Eigentumsverhältnissen. Und da geht es nicht nur um das Vereinsheim, sondern auch um den Kindergarten daneben, um das Gemeindezentrum und um die Wohnungen darüber. Denn trotz der verschiedenen Nutzungen handelt es sich hier doch um ein Gebäude aus einem Guss.

Dieses wurde Mitte der 1970er Jahre als Ensemble errichtet mit einigen zentralen Gemeinschaftseinrichtungen wie der Heizungsanlage. Und für alle diese Gebäudeteile gilt dasselbe: Sie sind in die Jahre gekommen, eine grundlegende Modernisierung ist aufgrund von jahrzehntelanger Nutzung, von höheren Umweltanforderungen und -erkenntnissen in den vergangenen 45 Jahren längst überfällig.

Die Bestandserhaltung hat Vorrang

Architekten plädieren da gerne für Abriss und Neubau. Und da würde dann mehr Fläche beansprucht. Doch dem setzt die Bebauungsordnung ihre Grenzen. Hinzu kommt, dass diese einen konkreten Verwendungszweck vorschreibt für soziale, religiöse und kulturelle Zwecke, so Pfarrer Albrecht Hoch von der Berg-Kirchengemeinde. Und da die Kirche auch finanziell eher in langfristigen Entwicklungen denkt, so Hoch, habe die Bestandserhaltung einen hohen Stellenwert.

Die Nöte des Parkheims

Es spricht also einiges dafür, dass sich zumindest rein äußerlich erst einmal nicht so viel ändern wird auf dem Gelände zwischen Rudolf- und Karl-Schurz-Straße. Daran werden auch die Nöte vom Parkheim Berg wohl nichts ändern. Denn als Pflegeheim ist dieses gehalten, den Bewohnern Einzelzimmer anzubieten. Damit wächst der Platzbedarf. Dass es dort jetzt schon eng zugeht, zeigt die Konstruktion der Notfalltreppe hin zum Park, mehr ein Provisorium denn ein dauerhaft gutes Arrangement. Da ist das Interesse sehr groß an einer raum- und Straßenübergreifenden Lösung. Aber was würden dazu die Bürger des Stadtteil Berg sagen, was die Kirche, was die Stadt?

Der Kindergarten schließt fürs Erste

Doch zugleich gibt es auch Handlungsbedarf rund um das Berger Plätzle: Der Kindergarten wird mit Beginn der Sommerferien 2020 vorerst geschlossen. „Wir haben dort nur eine Gruppe untergebracht, das genügt den heutigen Erfordernissen nicht mehr“, so Hoch, „drei Gruppen sollten es schon sein.“ Auch da wurde schon über eine dauerhafte Schließung nachgedacht, zumal es im Stadtteil mit der privaten Krippe Early bird im Neubaugebiet und einem weiteren Neubau an der Haltestelle Raitelsberg ja zusätzliche Angebote gibt. „Aber unser Kindergarten ist eine Institution. Hier fragen Eltern an, die vor 30 oder 40 Jahren hier selbst als Kinder reingegangen sind“, so Hoch: „Für Stadtkinder ist dieser Hort am Park ja ein großer Erlebnisplatz.“

Gemeindezentrum ist gut gebucht

Das Gemeindezentrum ist als einer der wenigen öffentlichen Treffpunkte in Berg gut gebucht. Und die Wohnungen darüber sind an jene vermietet, die auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chance haben. Und die Entwicklungen rund um das Areal gehen weiter: Das neue Wohngebiet zwischen Park und Bad Berg ist fertig gestellt, die meisten Bewohner sind eingezogen. Die groben Bauarbeiten am Leuze-Verkehrsknoten dürften beendet sein, eine große Lärmbelastung weniger. Dafür werden im Frühjahr die Fernsehstudios im Park abgerissen. Das bedeutet erneut wieder viel Dreck und Lärm. Und dann geht es längst auch um die Frage, wer was auf dem ehemaligen EnBW-Areal neben dem Karl-Olga-Krankenhaus bauen wird. Dadurch bekommt der Stadtteil erheblich mehr neue Einwohner. Das sind neue Risiken, aber auch neue Chancen. Etwa für die evangelische Gemeinde, die bei der Fortschreibung des Status quo in einigen Jahren nur noch eine halbe Pfarrerstelle hätte. Da ist die Meldung, dass im Frühsommer das Mineralbad Berg wieder aufmachen wird, fast schon eine Kleinigkeit.

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