Der neue SWR-Intendant Kai Gniffke will den zweitgrößten ARD-Sender weiter reformieren. Foto: dpa

Der Einsatz von Smartphones statt Kameras bei manchen Nachrichtenbeiträgen und eine Zusammenarbeit mit dem Konkurrenten Netflix: Der am 1. September antretende neue SWR-Intendant Kai Gniffke macht schon mal ein paar Ansagen.

Stuttgart - Der neue SWR-Intendant Kai Gniffke kennt keine falsche Bescheidenheit. Er will dem Streamingdienst Netflix Konkurrenz machen, kann sich aber testweise auch eine Zusammenarbeit vorstellen. „Wir haben ja mit „Babylon Berlin“ schon mal Neuland betreten zusammen mit Sky. Das hat auch ganz gut funktioniert“, sagte Gniffke in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Ich tue mich mit der Kooperation mit Netflix noch etwas schwer, denn im Moment sind wir nun mal Wettbewerber in einem wichtigen Markt - was uns vielleicht aber nicht hindern sollte, mal einen Versuchsballon zu starten.“

Der bisherige Chefredakteur von ARD-aktuell in Hamburg tritt zum 1. September die Nachfolge des SWR-Intendanten Peter Boudgoust in Stuttgart an. Im Bereich Nachrichtenjournalismus sei Netflix bisher nicht aktiv. Aber ob das so bleibe, sei unklar, erklärte Gniffke. „Ich sehe, dass Netflix gerade mit einem großen Lasso durchs Land zieht und auch bei der ARD versucht, Leute einzufangen.“

Smartphone statt Kamera

So oder so strebt Gniffke auch beim Nachrichtenangebot seines Senders Änderungen an: „Im Moment starten wir um 16.00 Uhr, das finde ich zu spät. Im Interesse des Publikums wünsche ich mir frühere Nachrichten.“ Das Mehr an Angebot nicht nur in diesem Bereich soll durch Absenkung einiger Produktionsstandards finanziert werden. In manchen Fällen sei kein großer Ü-Wagen mehr nötig, da reiche ein Smartphone zur Übertragung, findet der neue SWR-Intendant. „Die Technik hilft uns da sehr. Kleinstequipment liefert heute eine bestechende Bildqualität.“ Tägliche Sendungen und Magazine ließen sich auch mit weniger Menschen als bisher produzieren. „Die Differenz will ich in Journalismus investieren.“

Ungewisse Zukunft für „Talk am See“

Dass umgekehrt nicht jedes bisherige Angebot des SWR unter ihm eine lange Bestandsgarantie haben wird, lässt Gniffke am Beispiel einer im Mai gestarteten wöchentlichen Talkshow mit der Schriftstellerin Gaby Hauptmann durchblicken: „Ich sag ganz offen: ‚Talk am See’ ist noch nicht da, wo wir hinwollen. Nach wie vor hoffe ich, dass das Ding irgendwann erfolgreich fliegt. Aber wir werden zu gegebener Zeit prüfen, wie es mit der Sendung weitergeht.“ Allerdings sieht Gniffke den Bereich Talkshow im Südwestrundfunk noch nicht ausgereizt. Er könne sich „vorstellen, dass wir noch mehr anspruchsvollen und unterhaltenden Talk machen“, sagte er.

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