Wie können ältere Menschen möglichst lange am gesellschaftlichen Leben teilnehmen? Foto: picture alliance / dpa/Patrick Pleul

Bei einem neuen Projekt in Murrhardt werden Ideen gesucht, wie ältere Menschen länger am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Bürger können sich daran beteiligen.

Murrhardt - Stellen wir uns mal vor, wir singen regelmäßig in einem Chor – und eines Tages bleibt unsere ältere Mitsängerin Steffi einfach weg. Wir sprechen darüber, wundern uns vielleicht, wo sie bleibt. Aber handeln – das tun wir erst einmal nicht. Genau das möchte das Pilotprojekt „Gemeinsam Lust auf Leben“ ändern. Denn, so die Überzeugung der Macher, es wäre so einfach, Steffi anzurufen oder mal kurz bei ihr vorbeizugehen, um nach dem Rechten zu schauen. Vielleicht leidet die ältere Dame ja an beginnender Demenz und weiß einfach nicht, welcher Wochentag ist. Oder sie hat eine Hüftverletzung und kann deswegen nicht mehr zu Fuß zu den Chorproben kommen. Wenn sich aber jemand finden würde, der Steffi abholt, dann könnte sie in beiden Fällen viel länger am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Wie kann man Älteren bessere Teilhabe ermöglichen?

„Studien zeigen, dass je länger und stärker ein Mensch sozial eingebunden ist oder zumindest sich eingebunden fühlt, desto später wird er pflegebedürftig“, sagt Christian Müller. Er ist Projektmanager von „Gemeinsam Lust auf Leben!“ und wünscht sich, dass sich die Menschen in Murrhardt Gedanken darüber machen, wie sie älteren Mitbürgern, Freunden oder Familienmitgliedern diese Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erleichtern oder möglich machen können.

Genau dazu gibt es am kommenden Samstag, 15. Februar, unter dem Titel „Murrhardt mach(t) mit“ eine Auftaktveranstaltung zu dem Pilotprojekt. Von 9 bis 13 Uhr soll es in der Festhalle Murrhardt nach Grußworten des Bürgermeisters Armin Mößner und des Landrats Richard Sigel zu einem Informationsaustausch kommen. In verschiedenen Ideenwerkstätten sollen sich die Bürger austauschen, Konzepte überlegen, Möglichkeiten und Ideen sammeln, wie älteren Menschen wie Steffi aus dem Beispiel eine bessere Teilhabe ermöglicht werden könnte.

Von Bürgern für Bürger

Zwei Ideen sind bereits im Vorfeld an Christian Müller und Birgit Wolf, die Leiterin der Koordinationsstelle bürgerschaftliches Engagement, wo das Projekt verankert ist, herangetragen worden: Zum einen wurde angeregt, eine Märchenstunde für Kinder und Senioren in der Stadtbibliothek einzurichten. Zum anderen möchte eine Gruppe von Migranten regelmäßige Treffen unter dem Motto „Geschmack und Geruch – hier bin ich zu Hause“ organisieren. Dabei soll es um Kochen, Lebensfreude und die eigene Identität gehen.

All dies seien Zugänge zu Erinnerungen für Demente, erklärt Christian Müller: „Das sind Ideen von Bürgern für Bürger“, betont der Projektleiter – und von diesen Ideen soll es bei der Auftaktveranstaltung noch mehr geben.

Auf ein Jahr angelegtes Pilotprojekt

Die Idee zu dem Projekt kam ursprünglich von Monika Amann von der Stabstelle Sozialplanung Senioren des Rems-Murr-Kreises, einer Stelle, die bislang als Demenz- und Altenfachberatung bekannt war. Finanziert wird es durch Landesfördermittel des Sozialministeriums mit rund 60 000 Euro sowie mit Eigenmitteln des Landkreises. Angelegt ist das Pilotprojekt auf ein Jahr.

Nach der Auftaktveranstaltung soll es dann direkt in die Umsetzung der Ideen gehen. Bereits Ende Februar soll es dazu das erste Treffen geben. Christian Müllers Aufgabe ist es, im Laufe des Projektes zu helfen die Konzepte konkret umzusetzen: also die passenden Menschen an einen Tisch bringen oder auch Räume finden.

Müllers Wunsch: Murrhardt solle ein Stück mehr hygge werden. Dabei denkt er an das Konzept von hygge aus Dänemark, was übersetzt so viel heißt wie Komfort und so viel meint wie: gemütliche Wärme mit Freunden und Nachbarn zu teilen. „Man trifft sich und ist gemeinsam gemütlich“, so Müller. Und davon könnten auch die Senioren in Murrhardt profitieren.

Das Projekt

Termin: Die Auftaktveranstaltung „Murrhardt mach(t) mit“ zum Pilotprojekt „Gemeinsam Lust auf Leben!“ findet am Samstag, 15. Februar, von 9 bis 13 Uhr in der Festhalle Murrhardt, Helmut-Götz-Straße 3, statt. Eingeladen sind alle Murrhardter Bürger. Wer teilnehmen möchte, sollte sich per Mail anmelden: gemeinsamLustaufLeben@vhs-murrhardt.de.

Quartier 2020: Das Ministerium für Soziales und Integration fördert unter diesem Namen noch weitere Projekte im Land. Ziel ist es, lebendige Quartiere zu gestalten, in die Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen.

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