Der Gärtnermeister Frank Kilian (li.) und der wissenschaftliche Mitarbeiter der Hohenheimer Gärten, Robert Gliniars, untersuchen die Bäume auf Schäden. Weitere Fotos von den Auswirkungen der Hitze auf die Hohenheimer Pflanzenwelt gibt es in unserer Bildergalerie. Foto: Liviana Jansen

Hitzefans fühlen sich zurzeit wie im Süden. Die Pflanzenwelt hingegen leidet. Das gilt beispielsweise für die Flora in den Hohenheimer Gärten. Das ist nicht ohne, denn der Park dient nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der Arterhaltung.

Hohenheim - Wegen Hitzeschäden an Bahngleisen fallen Züge aus, auf Autobahnen gilt Tempo 80, die Grillplätze sind wegen Waldbrandgefahr gesperrt. Dieser ungewöhnlich heiße und trockene Sommer stellt sogar den „Rekordsommer“ 2003 in den Schatten. Während es damals im Frühsommer in der Region ausreichend geregnet hatte, ist der Niederschlag in diesem Jahr ausgeblieben. Für die Pflanzenwelt ist die Trockenheit vor allem in der Vegetationszeit zwischen April und August ein Problem.

Gärtner brauchen sehr viel mehr Wasser

„Für uns bedeutet die negative Niederschlagsbilanz natürlich einen erhöhten Arbeitsaufwand“, erklärt Robert Gliniars, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hohenheimer Gärten. „Außerdem bemerken wir einen massiven Anstieg des Wasserverbrauchs.“ Täglich seien zwei bis drei Mitarbeiter nur mit dem Gießen der Gehölze und anderer Pflanzen beschäftigt. Doch ohne zusätzliche Wasserversorgung würden gerade Jungpflanzen und ältere Gehölze diesen Sommer wohl nicht überstehen, fügt der Gärtnermeister Frank Kilian hinzu, der für die Pflege der Gehölze des Landesarboretums Baden-Württemberg zuständig ist.

Rund 2500 teils sehr seltene Gehölzarten beherbergt das Landesarboretum, insgesamt zählen die Hohenheimer Gärten 8000 Pflanzenarten. Neben der Bildung und Forschung dienen die Gärten also auch der Arterhaltung. Die Parkanlagen sind zudem als Naherholungsgebiet sehr beliebt.

Bäume sind der Witterung schutzlos ausgesetzt

„Im Forst sind die Auswirkungen der Trockenheit viel geringer, dort beschatten die Bäume sich gegenseitig, und der Boden wird durch eine Humusschicht geschützt“, erklärt Robert Gliniars. „Hier bei uns im Park stehen die Bäume einzeln und sind der Witterung ausgesetzt.“ Neben der Bodenbeschaffenheit komme es nämlich auch auf das Mikroklima an.

Kleinere Hitze- und Trockenheitsschäden an den Pflanzen ließen sich trotz des Pflege- und Bewässerungsaufwandes nicht vermeiden, sagt Kilian. „Es ist einfach zu heiß, da verdunstet zu viel Wasser.“ Viele Bäume schalten deshalb in eine Art Sparmodus: Sie fahren ihr Wachstum zurück, lassen ihre Blätter hängen oder rollen sie ein, um Verdunstungsoberfläche und Sonneneinstrahlung zu minimieren. Im schlimmsten Fall werfen sie ihre Blätter vorzeitig ab. „So als würden sie sagen: Das ist zu viel Masse, die kann ich nicht ernähren“, erklärt Gliniars.

Auch Pflanzen bekommen Sonnenbrand

Andere bilden Totholz aus – Äste, die keine Blätter tragen. „Das genaue Ausmaß der Hitze- und Trockenheitsschäden macht sich erst im nächsten Jahr bemerkbar, wenn die Pflanzen neu austreiben“, sagt Kilian. Denn auch Gehölze, die in der Hitze ihre Blätter abgeworfen hätten, könnten im Frühjahr neu austreiben. „Man sollte dann bei der Pflege eben vermehrt auf Spätschäden achten“, rät der Gärtnermeister.

Auch die Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge sei bei Hitze und Trockenheit erhöht. Zum Beispiel durch einen Sonnenbrand: „Wenn die Sonne direkt auf die Rinde brennt, platzt die Borke auf, und dort nistet sich dann gerne mal ein Pilz ein“, erklärt Frank Kilian. Buchen seien besonders anfällig, Birken hingegen hätten durch die weiße Rinde sozusagen ihre eigene Sonnencreme.

„Generell kann man sagen, dass Pflanzen mit kleinen, verholzten oder auch behaarten Blättern besser mit Trockenheit und Sonneneinstrahlung umgehen können als Pflanzen mit großflächigen, zarteren Blättern“, erläutert er. Bei Salbei, Lavendel, Stechpalme und Seidenakazie ließen sich deshalb keine Trockenheitsschäden erkennen. An Mammutblatt, Taschentuchbaum, Nelkenwurz und Purpurglöckchen hingegen seien ganz deutliche Austrocknungserscheinungen zu sehen. Außerdem unterscheide man zwischen Flach- und Tiefwurzlern, so Frank Kilian. „Während Pflanzen, die mit ihren Wurzeln in tiefere Erdschichten vordringen, auch bei Trockenheit gut überleben, kann eine vierwöchige Trockenperiode für flachwurzelnde Fichten beispielsweise schon tödlich sein.“

Tipps für Gärtner:

Gießen: Es empfiehlt sich, frühmorgens oder abends zu gießen. Sehr junge und sehr alte Pflanzen sind empfindlicher und sollten deshalb täglich gegossen werden.

Mähen: Bei sehr heißem, trockenem Wetter den Rasen ruhig etwas länger stehen lassen: Er wächst bei Trockenheit ohnehin langsamer und kann auch mal mehrere Wochen ungemäht bleiben. Das schützt den Boden vor Austrocknung.

Gehölzpflege: Keine Panik, wenn Gehölze ihre Blätter frühzeitig abwerfen, sondern abwarten, ob sie im nächsten Frühjahr neue Triebe ausbilden.

Bodenpflege: Auch die Bodenbeschaffenheit spielt eine Rolle: Lehmige Erde speichert mehr Wasser als ein sehr sandiger Boden. Eine Mulchschicht auf dem Boden hilft, mehr Wasser zu speichern.

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