Inge Utzt in ihrem Antiquariat Foto: Torsten Ströbele

In einer Serie stellen wir Cannstatter Persönlichkeiten vor, sprechen mit ihnen über Privates, aber auch über Aktuelles aus dem Stadtbezirk. Heute: Inge Utzt, Antiquarin und ein SPD-Urgestein.

Bad Cannstatt - Was wäre Bad Cannstatt ohne seine Bewohner? In einer Serie stellen wir Cannstatter Persönlichkeiten vor, sprechen mit ihnen über Privates, aber auch über Aktuelles aus dem Stadtbezirk. Heute: Inge Utzt.

Frau Utzt, was darf es für Sie sein? Wein oder Wasser?
Tagsüber Wasser, abends gerne Wein. Im Sauerwasser schwimme ich aber lieber, als es zu trinken (lacht). Beim Wein mag ich gerne einen St. Laurent oder einen trockenen Spätburgunder. Aktuell trinke ich aber keinen Alkohol. Ich faste.
Und wenn Sie dabei in Ihren Kalender schauen, was steht in der kommenden Woche an?
Ich könnte nächste Woche nach Paris auf eine Antiquariatsmesse. Doch ich glaube ich gehe lieber eine Woche später nach Zürich. Die Erfolgschancen, etwas zu finden, sind dort glaube ich besser.
Auf was haben Sie sich denn spezialisiert?
Auf Frauenliteratur. Mein ältestes Buch ist aus dem Jahr 1642. Es handelt davon, dass eine Frau schon damals Zugang zur Wissenschaft verlangt hat. Letztendlich durfte sie studieren, musste aber in einem verhängten Kasten sitzen. Insgesamt habe ich rund 20 000 Bücher.
Die passen aber nicht alle in Ihre Wohnung?
Nein, ich habe extra ein großes Lager an der Daimlerstraße angemietet.
Das ist nicht weit weg von Ihrem Zuhause. Wie lange leben Sie schon an der Rippoldsauer Straße?
Mein Mann, unser Sohn und ich sind 1973 nach Stuttgart gezogen – in eine Drei-Zimmer-Wohnung im Stuttgarter Westen. Wir haben zuvor auf einem etwas abgelegenen Gutshof gelebt. Das war eine riesige Veränderung. Wir haben beschlossen, nach der Grundschulzeit unseres Sohnes die Innenstadt schleunigst zu verlassen. 1978 sind wir dann in den Hallschlag gezogen und von dort 1986 in den Seelberg.
Was hat Sie zum Umzug bewogen?
Wir fanden den Hallschlag und seine Bewohner toll. Es war ein großes Miteinander. Aber aufgrund von Eigenbedarf wurde uns gekündigt. Aber hier im Seelberg ist es auch sehr schön: Jetzt kann ich auf meinem Balkon sitzen und in Gärten schauen, die ich nicht pflegen muss (lacht).
Was mögen Sie an Bad Cannstatt besonders?
Der Platz am Jakobsbrunnen gefällt mir. Zudem schätze ich den Wochenmarkt sehr. Ich bin dort an allen drei Tagen. Auch das Klösterle finde ich toll, das Gelände des Turnerbundes Bad Cannstatt und die Aussicht bei der Weingärtnergenossenschaft. Zudem schätze ich die Geschichte Bad Cannstatts sehr. Der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz hat schon vorgeschlagen, dass Bad Cannstatt zur Hauptstadt Württembergs gemacht werden sollte.
Wo sehen Sie denn noch konkreten Verbesserungsbedarf?
Der Wilhelmsplatz müsste unbedingt verändert werden. Ich bedauere auch, dass die Vielfalt der Läden in der Marktstraße gelitten hat. Und die Verschmutzung ist an manchen Stellen im Stadtbezirk schlimm. Kürzlich habe ich erst wieder einen Mann angesprochen, der seinen Hund mitten auf den Marktplatz würsteln ließ. Ich glaube manchmal, dass ein Umdenken nur möglich ist, wenn die Leute konsequent zur Kasse gebeten werden.
Sie sind politisch sehr aktiv. Seit mehr als 50 Jahren sind Sie in der SPD, waren im Gemeinderat und saßen im Landtag. Nun haben Sie einen Stellvertreter-Posten im Bezirksbeirat Bad Cannstatt übernommen. Was hat Sie dazu bewogen?
Ich wurde gefragt, ob ich das Amt übernehmen möchte. Die Fraktion leistet sehr gute Arbeit und ich bin nur Stellvertreterin. Damit hat es auch 1983 angefangen. Ich habe aber ein Wochenende gebraucht, um mir das gut zu überlegen. Aber es hat mich sehr gefreut, dass man mir das Vertrauen schenkt.
Zum Schluss: Wo trinken Sie Ihren Wein in Bad Cannstatt denn am liebsten?
Auf meinem Balkon. Aber auch gerne in einer guten Besenwirtschaft, von denen es im Bezirk einige gibt.
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